Meinung
Leitartikel

Klimawandel: Es müssen endlich Taten folgen

In Zahlen: So trägt jeder Einzelne von uns zum Klimawandel bei

Klimakonferenz in Bonn: Die Welt diskutiert, doch wie trägt jeder Einzelne von uns zum Klimawandel bei? Die harten Fakten in Zahlen.

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Seit Jahrzehnten weiß die Menschheit um die Folgen ihres Lebensstils. Nun ist es höchste Zeit zu handeln. Doch das geht nur gemeinsam.

Berlin.  Am Abend des 9. Dezember 2011 trat die 21-jährige Studentin Anjali Appadurai auf dem UN-Klimagipfel in Durban in Südafrika an das Mikrofon und sprach zu den Delegierten. Die Verhandlungen stockten wieder einmal, eine Einigung am letzten Tag schien fraglich, denn wie so oft stritt man sich ums Geld. Was die junge Frau als Vertreterin der Weltjugend dann sagte, veränderte nicht den Lauf der Welt, aber es drückte aus, was ihre Generation fühlte: Nicht angehört zu werden.

Anjali Appadurai sagte: „Ihr habt uns einen Sitzplatz in dieser Halle zugestanden, aber unsere Interessen liegen nicht auf dem Tisch. Mein ganzes Leben verhandelt ihr schon. In dieser Zeit habt ihr Ziele verfehlt und Versprechen gebrochen. Radikal sind nicht wir. Radikal seid ihr, die ihr uns um unsere Zukunft betrügt.“

Weltklimarat zeichnet düsteres Bild

Am Montag beschrieb ein Bericht des Weltklimarats IPCC, was die Generation von Anjali Appadurai erwartet, wenn sie in einer wärmeren Welt aufwächst. In einem Klimasystem, das aus den Fugen geraten ist, egal ob der Anstieg der Temperatur 1,5 Grad oder zwei Grad beträgt.

Eine Welt, in der es kleine Inselstaaten, die heute nur knapp über dem Meeresspiegel liegen, nicht mehr geben wird. Eine Welt, die möglicherweise keine Warmwasserkorallen mehr kennt, dafür aber Menschenkarawanen, die vor ihrer Umwelt flüchten. Eine Welt, in der Verhandlungen zu spät kommen.

Das Erschreckende ist das menschliche Verhalten

Das Beängstigende an diesem Bericht sind nicht die Szenarien, was passieren könnte, wenn die Erderwärmung auf über 1,5 Grad steigt. Erschreckend ist, dass Klimaforscher weltweit in all den zurückliegenden Jahren immer präziser herausgearbeitet haben, welche Rolle der Mensch bei der globalen Erwärmung spielt – und die Menschheit weitermacht wie bisher.

Seit 1995 gibt es diese Klimakonferenzen. Doch bis heute klafft diese Lücke zwischen Wissen und Handeln: Statt den Empfehlungen der Wissenschaft zu folgen, beschreitet die Staatengemeinschaft weiter einen Weg des Wirtschaftens, der die Erde immer weiter aufheizt.

Kaum noch Zeit, um gegenzusteuern

Der Bericht des Klimarats, und das ist die gute Nachricht, zeigt eine Lösung auf, auch wenn diese nur mit immensen Anstrengungen zu erreichen ist. Energiesysteme weltweit müssen rasch umgebaut werden – weg von fossilen Energien, hin zu den erneuerbaren Energien wie Sonne, Wind oder Biomasse.

Gebäude weltweit müssen energetisch saniert werden. Städte müssen sich neu erfinden, ihren Energieverbrauch eindämmen und alternative Konzepte entwickeln, um Menschen und Waren durch die Straßen zu transportieren.

Mit neuen Baustoffen werden diese Städte errichtet, denn bei der Herstellung von Zement entstehen klimaschädliche Emissionen. Diese Vision von der großen Transformation ist nicht neu. Neu ist: Wir haben kaum noch Zeit, um den Sinkflug bei den Emissionen einzuleiten.

Ausstieg aus Kohleverstromung ist unumgänglich

Auf dem Weg in eine neue Zeit können diese Aufgaben nur gemeinsam gemeistert werden. Das Ansinnen des Energiekonzerns RWE, den Hambacher Forst zu roden, um die Braunkohle und den klimaschädlichsten Energieträger weiter zu verbrennen, mag legal sein.

Doch ist es angesichts des neuen Klimareports legitim, Konzerninteressen auf Kosten des Allgemeinwohls durchzusetzen? Kasse zu machen zulasten kommender Generationen, die alles ausbaden müssen, weil die Politik Jahr für Jahr aufschob, was nun unumgänglich ist: der Ausstieg aus der Kohleverstromung?

„Get it done“, sagte Anjali Appadurai am Ende ihrer Rede zu den Klimapolitikern. Tut es! Endlich.