Meinung
Kolumne

Wird Frieda uns in der Hundepension vermissen?

Matthias Schmoock mit seiner Labradoodle-  Hündin Frieda

Foto: Klaus Bodig / HA

Matthias Schmoock mit seiner Labradoodle- Hündin Frieda Foto: Klaus Bodig / HA

Zum ersten Mal mussten wir die Kleine „bei Fremden“ zurücklassen. Es wurde ein bemerkenswertes Erlebnis.

Beim morgendlichen Spaziergang kommen wir oft an einer Grundschule vorbei. Gelegentlich warten Busse vor dem Eingang – und dann ist klar: Mindestens eine Klassenreise steht auf dem Programm. Manchmal haben Frieda und ich dem munteren Treiben schon kurz zugeguckt, das ja einen ganz eigenen Reiz hat. Vorfreude und Aufgeregtheit sind mit Händen zu greifen, sogar unbeteiligte Passanten und ihre Hunde lassen sich davon anstecken.

Alle wuseln durcheinander, und die Kleinen schnattern mindestens so viel wie die Eltern. Die Kinder sitzen oft schon auf den Plätzen, da werden immer noch Fragen und Anweisungen gegen die dunklen Scheiben gerufen: „Zieh abends die Jacke an“, „Hast du die Trinkflasche?“, „Schreib mal an Oma“ – und Ähnliches mehr. Man fragt sich, wer eigentlich aufgewühlter ist: die im Bus, oder die davor?

Sie fragen sich vermutlich nicht, was diese interessanten Betrachtungen mit Frieda zu tun haben, denn oben steht ja schon, worum es heute geht. Bislang war mein lieber Hund ja bei zig Ausflügen und Kurzurlauben dabei (wir erinnern uns lebhaft), und einmal wurde sie zwei Wochen lang von ihren menschlichen Stiefgeschwistern betreut, als die „Eltern“ weit weg waren.

Irgendwann wurde dann klar, dass das nicht ewig so weitergehen würde. Nicht überall kann Frieda dabei sein, und nicht immer lässt sich eine Betreuung problemlos organisieren. Eine Übernachtung auswärts zeichnete sich schon länger ab, nun also galt es, ein gutes Plätzchen zu finden.

Frieda: Plötzlich wurde es ernst

Hundepensionen fand ich früher, also in der Vor-Frieda-Zeit, ungefähr so interessant wie Tierarztpraxen und Hundestrände. Ich stellte sie mir so vor wie ein kleines Tierheim, sah große, von dauerndem Gebell erfüllte Räume mit Gitterboxen vor meinem geistigen Auge – mehr auch nicht.

Nach einigen Vor-Checks stießen wir schließlich durch Empfehlungen auf eine Hundepension außerhalb Hamburgs. Lassen Sie mich da bitte mal etwas allgemein bleiben, weil ich hier natürlich keine Werbung machen kann. Was wir bei den ersten Besuchen sahen, war (wieder mal) erstaunlich. Das Ganze hier in Kurzform, bevor ich mich in zu vielen Schwärmereien verliere: Nur acht Hunde werden hier gleichzeitig aufgenommen.

Jeder hat einen kleinen Raum mit Durchgang in den Garten für sich alleine. Schöne Fototapeten (Landschaften) hängen an den Wänden, im Flur spielt leise ein Radio. Draußen ein wahres Hundeparadies mit Sandkiste, Kletterwällen und kleinem Teich. Wäre ich ein junger Hund, würde ich mich hier vermutlich (Achtung: Wortspiel) pudelwohl fühlen.

Ähnlich wie ein Menschenkind blieb Frieda zunächst stundenweise zur Probe da, dann wurde es am vergangenen Wochenende ernst: anderthalb Tage mit Übernachtung. Wirklich behaglich fühlten wir uns nicht, als der Abschied kam. Die netten Hundehüter hörten sich unsere runtergeratterten Ratschläge und die „wichtigen“ Informationen rund um Hundemädchen Frieda geduldig und wohl auch etwas amüsiert an. „Wir machen das schon“, war eigentlich ihre einzige Reaktion.

Frieda frisst begeistert

Als sich das eiserne (!) Gittertor zwischen uns und Friedebutsch schloss und wir uns davonmachten, kläffte sie natürlich lange und aufgeregt und versuchte, irgendwie mitzukommen. Das war nun nicht gerade herzzerreißend, aber man kann sich auch nettere Momente vorstellen. Doch wie beim Klassenreisen-Kind mussten da alle durch – Frieda und eben auch ihr Rudel.

Am Abend kamen dann – und auch das gehört auf Wunsch mittlerweile zum Service – ein paar gesimste Filmchen und Fotos von Friedas Tag in der Fremde. Frieda schlafend im Sand, Frieda beim Toben mit den anderen Hunden, Frieda fressend (begeistert). Beim Abholen freute sie sich zwar, aber so richtig schnell konnte sie sich auch nicht von ihren Gastgebern trennen. Grund zur Eifersucht? Noch nicht.

Fazit: Wieder ein paar neue Eindrücke gewonnen und dazu die Erkenntnis, dass wir unser Hundekind bei Bedarf guten Gewissens „in Pension“ geben können. Frieda bleibt zwar jetzt erst mal zu Hause, aber Herrchen ist für ein paar Tage unterwegs. Aus diesem Grund fällt die Kolumne nächsten Mittwoch aus.

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