Meinung
Hunde-Kolumne

Von Marder bis Meise: Friedas tierische Eindrücke

Ein Ausflug ins Wendland brachte dem jungen Hund neue Erlebnisse – manche waren ganz schön verwirrend.

Die Bemühungen, Frieda ihre norddeutsche Heimat nahezubringen, verschlugen uns jetzt ins Wendland. Elbe, Alster, Nord- und Ostsee hat sie sich ja schon mal angeguckt (wir erinnern uns) und mit cooler Noblesse akzeptiert, nun also eine Art Urlaub auf dem Bauernhof.

Leider randalierte in der Ferien-Bruchbude nachts mindestens ein Marder im Dach, es könnte aber auch eine ganze, hyperaktive Familie gewesen sein. Die Viecher machten einen Radau, als wär oben ein ganzer Handwerkertrupp im Einsatz. Außerdem kreischen sie, wie ich jetzt weiß, dass unsereins gleich an mittelalterliche Hexenverbrennung denken muss. Noch schlimmer war, dass die gute Frieda ihr Rudel, das ja schutzlos im Bett lag, permanent gegen die nächtlichen Randalierer verteidigen wollte. Wütend bellte und knurrte sie, kratzte an den Wänden, rannte von einer Zimmerecke zur anderen. Primetime war von eins bis drei Uhr früh, kann aber auch länger gewesen sein. Irgendwann ist zumindest uns Menschen ja alles egal, und wir versinken in einem Dämmerzustand.

Frieda war morgens natürlich wieder putzmunter und aufgeschlossen für die kommenden Ereignisse. Ein paar Dörfer weiter, im idyllischen Lemgrabe, war am Sonntag Schafschurfest, und auch sonst versprach der dazugehörende Hof so einiges.

Es ist immer faszinierend zu be­obachten, wie junge Hunde auf Tiere reagieren, die erkennbar keine Hunde sind. Kühe, Pferde, Schweine und Schafe hat Frieda in ihrem jungen Leben schon aus der Nähe gesehen – und unterschiedlich kommentiert. Während sie Kühe und Pferde auf Wiesen, auch im Wendland, aus sicherem Abstand munter anbellt, was immer wie eine freche Spielaufforderung wirkt, macht sie um diese Riesen in den jeweiligen Ställen stets einen großen Bogen. Der Zufall wollte es, dass auf dem Hof in Lemgrabe auch jede Menge alte Haustierrassen beheimatet sind, die wir Menschen so gut wie nie zu sehen bekommen – von knapp einjährigen Hunden gar nicht zu reden. Da es ja hier hauptsächlich um Frieda geht, will ich mich bei den Beschreibungen jetzt mal kurz fassen – nur ein Beispiel. Wirklich fasziniert schien mir Frieda von zwei Poitou- Eseln, die sich höchst zufrieden in einem Gatter als Rasenmäher betätigten. Diese vom Aussterben bedrohten Großesel sehen höchst merkwürdig aus: sehr hoch, mit zotteligem, ziemlich langem Fell und weißen Augenrändern. Bei Hagenbeck kann man die auch anschauen.

Ich will das jetzt hier nicht überinterpretieren, sondern einfach nur beschreiben, was ich sah. Frieda (natürlich angeleint) näherte sich dem Gatter, starrte diese seltsamen Tiere minutenlang mit gesenktem Kopf an – und reagierte ansonsten überhaupt nicht. Man soll unsere menschlichen Empfindungen und Verhaltensweisen ja bekanntlich nicht auf Hunde übertragen, auch wenn sich Halter das nie so ganz verkneifen können. Nehmen Sie es also bitte nicht allzu wörtlich, wenn ich jetzt feststelle: Es wirkte, als arbeitete der kleine Hundekopf fieberhaft und als könnte mein lieber Hund – das als Ergebnis – dieses Wesen überhaupt nicht zuordnen. Das Gleiche bei der Schafschur selbst, die ja schon auf manchen Menschen befremdlich wirken muss. Frieda sah, wie das dicke Schaf unter dem knatternden Schermesser innerhalb von Minuten immer dünner wurde und sich neben dem Tier ein Haufen Wolle auftürmte. Was sollte das nur bedeuten? Die Menschenwelt ist ja schon seltsam genug, aber wenn dann noch komische Tiere dazukommen …

Wieder zu Hause war die Sache dann eindeutiger: Im Mini-Gärtchen verscheuchte sie wie gehabt halbherzig ein paar Vögel und belauerte eine dicke Katze, die da ein paar Runden drehte. Als dann ein frisch geschlüpftes Meisenkind über den Rasen hüpfte, traute ich meinen Augen kaum: Frieda pirschte sich genau wie eine Katze an den Mini-Federball ran – tief auf dem Boden, halb im Gras versteckt und quasi auf Samtpfoten. Hier musste natürlich energisch Einhalt geboten werden, denn in der Brutzeit geht so etwas bei mir gar nicht. Auch wenn sich manche Katzenhalter nicht darum kümmern – für Frieda sind die Jung-Piepmätze absolut tabu. Die dürfen nicht mal angekläfft werden.