Meinung
Hunde-Kolumne

Frieda, die Großstadt und die Fahrrad-Saison

Besonders aufpassen müssen Hundehalter jetzt beim Spazierengehen. Schön wär's, wenn alle Rücksicht nähmen

Zunächst ein herzlicher Gruß an das nette Ehepaar, das "die Frieda aus dem Abendblatt" am vorletzten Wochenende in einem Restaurant an der Karolinenstraße erkannt hat. Leider reagierte sie dann reichlich unwirsch auf den gut gemeinten Streichelversuch, was die netten Leser aber recht gelassen wegsteckten. Sorry noch mal dafür. Vermutlich ist sie erschrocken – oder steigt dem Tier langsam der Ruhm zu Kopf? Wird die Kleine größenwahnsinnig? Ich werde es kritisch beobachten.

Aus den Streitereien zwischen Hamburgs Verkehrsteilnehmern halte ich mich raus. Manche Wutausbrüche kann ich verstehen, andere überhaupt nicht. Ist mir aber auch egal. Warum soll ich mir Gedanken über Leute machen, die gerade mal zu viel Adrenalin im Blut haben. Lieber genieße ich die schöne, frühsommerliche Stadt, die ich mir dank etlicher Frieda-Spaziergänge viel gemächlicher angucke als früher. Im Übrigen – das nur am Rande – ist ein pöbelndes, hysterisches Herrchen (oder Frauchen) auch nichts Gutes für einen Hund, der ja ruhige, klare Ansprachen braucht.

Ich liebe das Radfahren. Wenn ich mich nicht zu Fuß fortbewege, nutze ich zu ungefähr 75 Prozent Fahrrad oder Bahn, der Rest geht für Autofahrten drauf. Im Fahrradkorb ist Frieda manchmal dabei, und sie guckt ziemlich majestätisch in der Gegend herum, während der Fahrtwind ihre Schlappohren nach hinten weht.

Nach diesem Vorgeplänkel nun zum eigentlichen Punkt: Wie Sie als treue Leser ja wissen, lernt Frieda gerade, ohne Leine neben ihren Menschen zu laufen, was in Hamburg ja unter bestimmten Bedingungen laut Hundegesetz erlaubt ist. Das klappt von Tag zu Tag besser. Von den Straßen hält sie sich mittlerweile fern und wartet beim Überqueren brav an den Seiten. Schwieriger ist es, sie von solchen Radwegen fernzuhalten, die auf einer Ebene parallel mit den Fußwegen verlaufen. Stress gibt es gelegentlich auch auf Parkwegen, wenn Radler unvermittelt dicht an uns vorbeifahren. Frieda (angeleint) erschrickt, springt herum und wird erst recht zum kleinen, beweglichen Hindernis. In einer unserer letzten Spielgruppen war eine Familie mit einem neuen Hund, dessen noch ganz junger Vorgänger von einem Fahrrad überrollt worden war. Zunächst hatte es noch so ausgesehen, als sei alles gut gegangen, dann war der kleine Kerl zu Hause im Körbchen gestorben – wohl an inneren Verletzungen. Keine Ahnung, wer da jetzt "Schuld" hatte. Klar ist aber, wer der Gestrafte war.

Ich kann hier nichts fordern, aber ich bitte Radfahrer ganz allgemein, auch auf (junge) Hunde Rücksicht zu nehmen. Genau wie kleine Kinder bewegen sie sich manchmal etwas tollpatschig auf Fußwegen und laufen oft auch ein wenig zickzack. Dass man als Radler auch schon so jede Menge Stress hat, weiß ich auch – entsprechend das Ganze hier auch nur als eine höfliche Bitte. Echte Krisen haben wir übrigens noch nie erlebt. Wenn wir in den letzten Wochen einem korrekt fahrenden Radfahrer ein bisschen in die Quere kamen, ließ sich alles immer mit Blickkontakt, schnellem Eingreifen und einem freundlichen "sorry" klären.

Nachdenklich stimmt mich allerdings folgende Begebenheit: Vor ungefähr einer Woche hatte der Hund einer älteren Dame mitten auf einem Radweg einen Trotzanfall – gerade als ich dort radelte. Das Ganze wirkte eigentlich eher amüsant als in irgendeiner Weise gefährlich. Ich stoppte, sprang vom Rad und half der Halterin, das störrische Tier wieder auf den Gehweg zu bekommen. Wir mussten etwas lachen, tauschten uns über unsere Hunde aus, da sagte sie plötzlich fast wörtlich: "Na Gott sei Dank. Als Sie da vom Rad sprangen, hatte ich mich schon vor einem riesigen Donnerwetter gefürchtet." Kann das sein? Sind wir inzwischen in Hamburg schon so weit, dass ältere Leute davor Angst haben müssen, wegen einer solchen Lappalie angeschnauzt zu werden? Naturgemäß drängt sich jetzt der Vergleich mit kläffenden Kötern auf, aber lassen wir das. Wenn sich alle etwas gelassener durch Hamburg bewegen und aufeinander Rücksicht nehmen, lässt sich die Stadt noch viel mehr genießen.

Egal, ob mit oder ohne Hund.

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