Meinung
Leitartikel

Wie Hoffmann sich an die HSV-Spitze taktiert hat

| Lesedauer: 3 Minuten

Bekommt der neue HSV-Vorstandsboss Bernd Hoffmann den Club genauso in die Spur wie die eigene Karriere?

2628 Tage hat es gedauert, bis Bernd Hoffmann wieder da ist, wo er am liebsten ist: oben, ganz oben. Denn seit dem späten Sonnabend steht fest, dass der frühere HSV-Chef mit sofortiger Wirkung auch der neue HSV-Chef ist. Interimsvorstandsvorsitzender, wenn man es im Pressemitteilungsdeutsch ganz genau nimmt. Wobei der Zusatz „interims“ eher früher als später verschwinden dürfte. Wetten, dass ...?

Hoffmann also. Wohl selten zuvor wurde ein Wechsel ins Chefbüro im Volksparkstadion so konsequent geplant und umgesetzt wie im Fall des 55-Jährigen. Der Hoffmann-Weg an die Spitze: Erst das Dementi, dass er sich zum HSV-Präsidenten wählen lassen will. Dann die Wahl. Danach das Dementi, dass er sich zum Aufsichtsratsvorsitzenden wählen lassen will. Dann die Wahl. Und schließlich das Dementi, dass er zurück in den Vorstand wolle. Und nun – man ahnt es – die Wahl.

Wenn also dieser neue Clubchef des HSV den Absteiger genauso kompromisslos wieder in die Spur bekommt wie die eigene Karriere, dann braucht man sich um den direkten Wiederaufstieg sicher keine Sorgen ZU machen.

Hoffmanns Erfolge und Fehler beim HSV

Gedanken machen sich viele HSV-Interessierte aber natürlich trotzdem. Über die Geschwindigkeit und vor allem über die Art und Weise des Hoffmann-Aufstiegs. Doch bei aller berechtigten Kritik sollte vor allem eine Frage im Zentrum stehen: Tut der mächtige Hoffmann dem HSV gut oder nicht?

Eine Antwort auf diese Frage ist nicht ganz einfach. Die einen erinnern sich an Stars wie Zé Roberto, Ruud van Nistelrooy und Rafael van der Vaart (in seinen guten Jahren), an den Aufstieg des HSV unter die Top 20 Europas und daran, dass der HSV unter Hoffmann fast immer positive Geschäftsberichte vorweisen konnte. Die anderen erinnern sich an Machtkämpfe und einen zerstrittenen Club, an unverhältnismäßige Millionengehälter und daran, dass die Einnahmen von morgen gerne schon heute verwendet wurden.

So schwierig eine Bewertung also fällt, so einfach ist die Antwort auf folgende Frage: Hat es irgendjemand nach Hoffmann je besser als der polarisierende Strippenzieher gemacht? Ganz eindeutig: nein! Zwei Ausrufezeichen!!

Ohne Hoffmann ging es bergab

Der HSV wurde in den sieben Jahren ohne Hoffmann vom Dauergast in Europa zum Dauer-Abstiegskandidaten und schließlich zum Absteiger. Vom Millionenclub zum Sanierungsfall. Vom stolzen Großverein zum Chaosclub. Und zur nicht gerne gehörten Wahrheit gehört eben auch, dass es vor allem Hoffmanns einstiger Rivale Dietmar Beiersdorfer war, der den Club in den sicheren Untergang führte.

Nun soll die Auferstehung folgen. Mit Hoffmann. Mit Hoffmanns Sportvorstand Ralf Becker. Und mit Hoffmanns Aufsichtsrat, der voll auf Linie ist. Also alles Hoffmann, oder was?

Hoffmann hat auch interne Gegner

Nicht ganz. Wie schon immer hat Hoffmann auch jetzt wieder Gegner. Im Vorstand (Frank Wettstein), im Aufsichtsrat (Michael Krall) und unter den sportlichen Entscheidern (Bernhard Peters). Hoffmanns Weg bleibt also riskant. Doch wie heißt es so schön? Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Hoffmann ist unbequem, ungeduldig und sehr schnell unzufrieden. Diese Qualitäten wird der neue, alte HSV-Chef brauchen, um das wichtigste Versprechen vor seiner Wahl zum HSV-Präsidenten in die Tat umzusetzen: Ein „weiter so“ könne es nicht geben.

Ob Hoffmann aus seinen Fehlern von früher gelernt hat, wird man dann spätestens im Mai 2019 wissen: wenn ganz Hamburg die HSV-Rückkehr in die Bundesliga feiert. Oder eben nicht.

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