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Wird Hoffmann zur Dauerlösung als HSV-Vorstandschef?

| Lesedauer: 8 Minuten

Neuer Sportvorstand bringt Talent aus Kiel mit. Labbadia empfindet HSV-Entlassung als undankbar. Titz wirbt für Wortspiel-Shirt.

Hoffmann deutet Verbleib als Vorstandschef an

Wird Bernd Hoffmann zur Dauerlösung an der Spitze des HSV? Der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende, der sich am Sonnabend "interimsweise" zum Vorstandsvorsitzenden wählen ließ, schließt das zumindest nicht aus. "Das muss der Aufsichtsrat entscheiden", sagte Hoffmann bei der Pressekonferenz anlässlich der Vorstellung des neuen Sportvorstands Ralf Becker am Montagnachmittag zu dieser Frage.

Hoffmann (55) hatte bereits von 2003 bis 2011 den Vorstandsvorsitz inne. Sein Aufsichtsratsmandat lässt er für die Dauer seiner Vorstandsamtszeit ruhen ruhen. Als Präsident des e.V. kann er jedoch weiterhin großen Einfluss auf das Kontrollgremium ausüben. Der frühere Sportvermarkter ist im Vorstand für die Bereiche Marketing und Kommunikation zuständig. Frank Wettstein behält das Finanzressort, Becker übernimmt den Sport, für Hoffmann "die Herzkammer des HSV".

Mit der Besetzung der beiden vakanten Posten sei der HSV jetzt "auf den entscheidenden Führungspositionen sehr gut aufgestellt", sagte Hoffmann. Seine eigene Qualität als Vorstandsvorsitzender wolle er allerdings nicht bewerten. Der HSV habe nach der Entlassung seines Vorgängers Heribert Bruchhagen jemanden gebraucht, der die anstehenden Aufgaben bewältigen könne. "Und da ist der Aufsichtsrat auf mich gekommen."

Möglich machte die Wahl ein Passus im Aktiengesetz der HSV Fußball AG. Demnach ist es möglich, dass ein Vertreter des Aufsichtsrats für ein Jahr in den Vorstand entsendet wird, sollte jener noch nicht komplettiert sein.

Spielplan kommt Ende Juni

Der HSV erfährt am 29. Juni, gegen wen er in seine erste Zweitligasaison startet. An diesem Datum werden die Spielpläne der beiden höchsten deutschen Spielklassen veröffentlicht, teilte die Deutsche Fußball-Liga (DFL) mit.

Der erste Spieltag der 2. Bundesliga findet zwischen dem 3. und 6. August statt. Die Winterpause beginnt nach dem 18. Spieltag (21. bis 23. Dezember), danach geht es am 29. Januar 2019 weiter. Der 34. und letzte Spieltag wird am 19. Mai 2019 ausgetragen.

Offiziell: Becker neuer Sportvorstand

Ralf Becker ist neuer Sportvorstand des HSV. Das bestätigte der Bundesliga-Absteiger am Montag. Der 47 Jahre alte ehemalige Profi kommt vom erst in der Relegation gescheiterten Zweitliga-Dritten Holstein Kiel und erhält bei den Hamburgern einen Dreijahresvertrag.

Der Aufsichtsrat hatte sich am Sonnabend für Becker und gegen Markus Krösche vom Zweitliga-Aufsteiger SC Paderborn ausgesprochen. Die Verpflichtung von Krösche war an den hohen Ablöseforderungen der Paderborner Clubführung gescheitert.

Der lange Abstieg des HSV – das große Abendblatt-Dossier

Für Becker überweist der HSV eine Ablöse im niedrigen sechsstelligen Bereich. Sein Vertrag in Kiel hätte noch ein Jahr gegolten. Becker traf am Montagvormittag am Volkspark ein, um letzte Vertragsdetails zu klären.

Der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Bernd Hoffmann war bei der Ratssitzung interimsweise zum Vorstandschef berufen worden. Dafür gab er den Vorsitz des Kontrollgremiums an Max-Arnold Köttgen ab, bleibt aber Präsident des Gesamtvereins. Seit der Trennung von Vorstandschef Heribert Bruchhagen und Sportdirektor Jens Todt im März war Wettstein das einzige Vorstandsmitglied.

"Ralf Becker hat einen sehr guten Eindruck hinterlassen", sagte Köttgen in einem Interview mit "HSV.de": "Er kennt die 2. Bundesliga und hat zuletzt bewiesen, dass er mit bescheidenen Mitteln, viel Fleiß und richtigen Entscheidungen eine sportlich bemerkenswerte Entwicklung bei seinem Club verantwortet und herbeigeführt hat. Wir halten ihn für absolut geeignet, die sportliche Gesamtentwicklung des HSV erfolgreich zu gestalten." Der HSV stehe vor einem "brutal schwierigen Jahr" und habe nun "Topleute an Bord".

Becker bringt Polonski mit

Ralf Becker kommt offenbar nicht allein zum HSV. Nach polnischen Medienberichten bringt der neue Sportvorstand den Juniorennationalspieler Pascal Polonski (16) aus der Jugend von Holstein Kiel mit. Der rechte Verteidiger, der in Preetz geboren wurde, wäre ablösefrei zu haben. Er soll einen Dreijahresvertrag erhalten.

Auf Polonskis Position hat der HSV allerdings bereits zwei große Talente: Tobias Knost (18), der zur kommenden Saison in den Profikader aufrückt, und U-17-Nationalspieler Lenny Borges (17). Auch Josha Vagnoman (17) hat seinen bislang einzigen Bundesliga-Einsatz hinten rechts bestritten. An dem Jungprofi sollen allerdings mehrere englische Topclubs sowie Borussia Dortmund und RB Leipzig interessiert sein.

Labbadia: HSV ist lieber abgestiegen, als auf mich zu vertrauen

Bruno Labbadia empfindet seine Entlassung beim HSV im September 2016 als undankbar. „In Hamburg haben wir nach der Relegation den zehnten Rang erreicht. Aber den Verantwortlichen war das nicht gut genug“, sagte Labbadia den „Wolfsburger Nachrichten“.

Ähnlich sei es ihm drei Jahre zuvor beim VfB Stuttgart ergangen, wo er ebenfalls nach einem schwachen Saisonstart gehen musste. „Ich kann es mittlerweile so selbstbewusst sagen: Die Vereine sind danach lieber abgestiegen, als weiter auf mich zu vertrauen – ganz ohne Groll. Heutzutage wird einem Trainer zu schnell das Vertrauen entzogen, wenn es mal nicht läuft. Das ist ein riesiges Problem.“

Labbadia (52) übernahm im Frühjahr den VfL Wolfsburg, mit dem er über den Umweg Relegation den Klassenerhalt schaffte – wie schon 2015 mit dem HSV. „Der HSV war damals tot, dann haben wir ihn wieder zum Leben erweckt“, sagte Labbadia, „das hätte auch schiefgehen können, und ich wäre als derjenige in die Annalen des Clubs eingegangen, der erstmals mit ihm absteigt. Aber den VfL zu retten, war mit Abstand die schwierigste Aufgabe, die ich je hatte.“

Gisdol: Kraftakte nicht endlos wiederholbar

Labbadias Nachfolger Markus Gisdol (48) sieht sich durch das Schicksal des HSV im Nachhinein bestätigt. „Der Abstieg zeigt etwas, was ich schon nach unserer geglückten Rettung im Jahr zuvor gesagt habe: Kraftakte wie in der vorherigen Saison und auch davor schon einige Male sind nicht endlos zu wiederholen“, sagte Gisdol dem „Kicker“.

Gisdol fühlt sich auch gut vier Monate nach seiner Entlassung noch sehr mit dem HSV verbunden uns sei überzeugt, dass der Verein den Wiederaufstieg „sicher schaffen“ werde: „Es hat sich immer wieder gezeigt, welche Kraft dieser Club entwickeln kann.“

Wood im Wartestand

Ohne Bobby Wood treten die USA an diesem Montagabend (Ortszeit) in Philadelphia zu einem Testspiel gegen Bolivien an. Der HSV-Stürmer wird noch geschont, Interimstrainer Dave Sarachan setzt verstärkt auf Talente aus den Nachwuchsmannschaften.

Wood könnte allerdings bei den weiteren Testspielen in Irland (Sonnabend) und Frankreich (9. Juni) zum Zuge kommen. Dafür dürfen andere Spieler wie Dortmunds Christian Pulisic am Dienstag ihren Urlaub antreten. Die USA hatten sich überraschenderweise nicht für die WM qualifiziert.

Alisson: Keine Trauer in Novo Hamburgo

Der Abstieg des HSV hat Novo Hamburgo kalt gelassen. Das berichtet jedenfalls Brasiliens Nationaltorhüter Alisson Becker, der aus der 260.000-Einwohner-Stadt nahe Porto Alegre stammt. „Nein, sorry, deshalb wurden keine Tränen vergossen“, sagte Alisson (25) dem „Kicker“, „aber wir sind ja auch Neu-Hamburg.“

Alisson, der für AS Rom spielt, hat deutsche Vorfahren und hatte sich auch um einen deutschen Pass bemüht. Das sei allerdings vergeblich, weil seine Familie bereits in siebter Generation in Brasilien lebe.

Jarolim lobt Hoffmann

Der frühere HSV-Kapitän David Jarolim begrüßt die Rückkehr des bisherigen Aufsichtsratschefs Bernd Hoffmann auf den Posten des Vorstandsvorsitzenden. Hoffmann sei die starke Führungsfigur, die dem HSV in der Vergangenheit gefehlt habe, sagte Jarolim dem „Kicker“: „Es geht nicht darum, ob man ihn mag oder nicht, sondern darum, was er macht. Er hat sich nie gescheut, Entscheidungen zu treffen, das wird dem HSV auch jetzt guttun.“

Jarolim (39) war während Hoffmanns gesamter erster Amtszeit als Vorstandschef (2003 bis 2011) für den HSV aktiv.

Titz wirbt für T-Shirt

Christian Titz hat offenbar keine Probleme mit Wortspielen mit seinem Namen. Auf seiner Facebook-Seite unterstützt der neue HSV-Trainer den Verkauf eines T-Shirts „I love big Titz“.

Vom Verkaufspreis von 15 Euro geht ein Euro an den gemeinnützigen Verein Rheumakinder, der von Titz unterstützt wird.

( HA )

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