Meinung
Matz ab

Wenn der HSV gegen Stuttgart verliert ...

Dieter Matz, HSV-Experte und Blog-Vater ("Matz ab"), mit seiner Freitags-Analyse

Dieter Matz, HSV-Experte und Blog-Vater ("Matz ab"), mit seiner Freitags-Analyse

Foto: Andreas Laible / HA

... dann steckt er sofort wieder im Abstiegskampf. Und dann muss alles sofort anders werden. Aber noch ist ja nichts passiert.

Das war ja mal wieder eine Aufregung! Eine Woche lang höchste Abstiegsgefahr in Hamburg. Und die HSV-Niederlage in München das Hauptgesprächsthema. Das 0:5-Debakel, Tabellenletzter – die Quintessenz: „Diesmal geht der HSV aber wirklich ab!“ Wirklich? Es sind doch noch 33 Spieltage zu absolvieren. Und eines war doch wohl schon vor dem Anpfiff des Bayern-Spiels klar: „Hoch werden wir dort nicht gewinnen.“ Hatte Trainer Bruno Labbadia im Scherz gesagt. Er behielt recht.

Wochen vorher, am Tag, als der Bundesliga-Spielplan veröffentlicht wurde und die Eröffnungspartie FC Bayern – HSV lautete, da wussten die meisten Anhänger der Rothosen, dass schon ein Wunder geschehen müsste, wenn es an der Isar einen Hamburger Sieg geben sollte. Wobei die Sache mit einem Wunder nicht erledigt gewesen wäre, das eine oder andere Wunder mehr wäre schon noch nötig gewesen.

Wir wissen aber, dass es die vielfach erwartete Niederlage geworden ist, und trotz des einstündigen Mauer-Versuchs sogar eine Klatsche. Und deswegen sind alle in heller Aufregung.

Dabei ist doch nichts passiert. Alles voll normal. Erst mit dem morgigen Heimspiel gegen den VfB Stuttgart beginnt für den HSV die 53. Bundesliga-Spielzeit so richtig. Und wenn es dann auch eine Niederlage gäbe, vielleicht sogar eine etwas höhere, erst dann sollten sich alle Gedanken machen, wie es mit dem Dino weitergehen könnte – in Sachen Abstiegszone.

Im Falle eines Misserfolgs gegen die Schwaben sähe das wohl wie folgt aus: Die HSV-Fans sorgen sich, die Fußball-Experten, die es nicht mit dem HSV haben, dürften sich in wahrer Vorfreude schon mal die Hände reiben – und die HSV-Verantwortlichen sollten sich in aller Stille einmal einen Abend frei halten, um miteinander zu besprechen, was dann zu tun ist.

Und das ist ein Vorschlag ohne jede Häme und ohne einen Hauch von Sarkasmus. Bislang war es doch in Hamburg immer so, wenn sich der HSV gegen den Abstieg wehren musste, dass alles seinen geregelten Gang ging. Das Wasser der Elbe floss rauf und runter, und der HSV nahm ganz relaxt den Abstiegskampf auf. Motto: Ruhig Blut und keine Panik. Am Wochenende wurde ein Spiel verloren, danach wurde diese Pleite mit den schönsten Sätzen bilderbuchartig erklärt, und irgendein ganz Schlauer ergänzte: „Beim nächsten Spiel wissen wir, was zu tun ist, da treten wir als Mannschaft auf, weil nun alle wissen, wie wichtig das ist ...“ Aha!

So ging das seit Jahren in Hamburg. Unter jedem Trainer sollte es steil nach oben gehen, aber es blieb beim Vorhaben. Kein Fußballlehrer dieser Welt hat jemals diesen HSV-Trott geändert. Es wurde immer stur nach „Schema F“ trainiert. So, als wäre Abstieg nie ein Thema für den HSV.

Diesmal aber sollten andere Maßnahmen ergriffen werden. Endlich einmal. Und auch erst dann, wenn es gegen Stuttgart schiefgehen sollte. Dann allerdings auch sofort. Montag alle an einen Tisch, um den Kampf etwas anders als sonst aufzunehmen.

Und das hat nichts mit einer etwaigen Entlassung von Trainer Bruno Labbadia zu tun. Nicht das Geringste! Der gibt jetzt schon alles! Es geht vielmehr darum, dass sich alle Verantwortlichen darauf einigen, künftig mehr tun zu wollen. Wenn schon Abstiegskampf, dann aber richtig. In der Club-Führung, da ist der Trainer-Stab eingeschlossen, muss Einigkeit darüber herrschen, dass es nur mit 100 Prozent geht. Dazu gehört, dass sämtliches Potenzial, das in dieser Mannschaft schlummert (die Spieler haben es woanders doch alle bewiesen!), geweckt wird.

Wer unten steht, muss mehr tun als andere. So oder so ähnlich hat es einst Felix Magath formuliert. Er hat dazu auch gesagt: „Qualität kommt von Qual.“ Es muss beim HSV, neben dem täglichen Trainings-Allerlei, viel, viel öfter individuell trainiert werden, um die Schwächen abzustellen. Zeit dafür ist vorhanden, Fußballplätze auch. Und sogar die dafür benötigten vielen Co-Trainer stehen schon unter Vertrag und werden fürstlich bezahlt. Es gibt viel zu tun, packt es endlich an! Falls es gegen Stuttgart schiefgehen sollte ...

Die HSV-Kolumne Matz ab erscheint täglich auch im Internet unter www.abendblatt.de/matz-ab