Meinung
Kommentar

HSV-Vorstand Beiersdorfer ist beschädigt

Dennoch ist Bruno Labbadia die richtige Wahl

Wenn der HSV zu einer außerplanmäßigen Pressekonferenz einlädt, kann man fast sicher sein, dass es mal wieder um den Trainerjob geht. Am Mittwoch war es nicht anders. Nunmehr soll Rückkehrer Bruno Labbadia den Traditionsverein retten. Damit ist zugleich das Engagement von Peter Knäbel als Cheftrainer schon wieder Geschichte – alle Interimslösungen eingerechnet, durften sich nach Labbadias Entlassung im April 2010 elf Übungsleiter beim HSV versuchen.

Dabei war mit dem Amtsantritt von Dietmar Beiersdorfer als Vorstandschef auch die Hoffnung verbunden, dass beim HSV endlich Kontinuität einzieht. Stattdessen dreht sich das Trainerkarussell nur noch schneller. Zunächst baute Beiersdorfer gegen seine innere Überzeugung auf Amtsinhaber Mirko Slomka, um ihn nach nur drei Spielen zu entlassen. Er beförderte dann Joe Zinnbauer aus dem zweiten Glied, nach dessen Scheitern sollte es mit Sportchef Peter Knäbel ein Übungsleiter richten, der zuletzt vor 15 Jahren einen Schweizer Zweitligisten trainiert hatte.

Das halten die Fans vom neuen HSV-Trainer Labbadia
Video: abendblatt.tv

Spätestens da wunderte sich die Branche nur noch über Beiersdorfers Personalpolitik. Zumal er mit Labbadia nunmehr einen Kandidaten inthronisiert, mit dem er schon im September 2014 nach der Demission Slomkas verhandelt hatte. Keine Frage: Im Trainerpoker hat sich Beiersdorfer, immer getrieben von der großen Wunschlösung Thomas Tuchel, gründlich verzockt.

Seine aktuelle Wahl ist dennoch richtig: In der ersten Labbadia-Amtszeit spielte der HSV mitunter begeisternden Angriffsfußball. Den VfB Stuttgart bewahrte er später aus einer fast aussichtslosen Position vor dem Gang in die Zweite Liga. Vor allem aber ist Labbadia ein Besessener, einen wie ihn braucht das blutleere Team im Kampf gegen den Abstieg. Die Frage bleibt, ob Beiersdorfer die Notbremse noch rechtzeitig gezogen hat.

Kommentar zu Labbadia: "Endlich ist ein Trainer da"
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Tuchel wird nun wohl Jürgen Klopp in Dortmund beerben. Der gab zeitgleich seinen Rückzug nach sieben BVB-Jahren bekannt. Als Labbadia 2009 beim HSV anheuerte, war Klopp schon ein Jahr im Amt. Zwei deutsche Meistertitel zeigen, wie wichtig Kontinuität im Profifußball ist. Darauf sollte sich der HSV endlich besinnen.