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Beiersdorfer muss sich kritisch hinterfragen

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Peter Wenig

Im Abstiegskampf hat auch der HSV-Chef Fehler gemacht

Es war ein Sommertag im Juli 2014, als der Hoffnungsträger im überfüllten Presseraum der Arena seine Visionen von einem neuen, einem besseren HSV erklärte. Dietmar Beiersdorfer, einst höchst erfolgreicher Sportdirektor, schien als neuer Vorstandschef Garant für die Rückkehr zu großen Zeiten.

Neun Monate später scheint es, als werde am Volkspark der Film „Und ewig grüßt der Bundesliga-Dino“ gedreht. Wieder hat der HSV den dritten Trainer binnen einer Saison engagiert, wieder ist der Abstiegskampf dramatisch. Und wieder bleiben die HSV-Neuzugänge weit unter den Erwartungen – Ivica Olic, Wintereinkauf für 1,5 Millionen Euro, passt sich nahtlos in die Liste der Enttäuschungen ein.

Nun konnten nur Fantasten erwarten, dass Beiersdorfer die Trümmer der vergangenen Chaos-Jahre beim HSV in Rekordtempo beseitigen würde. Dennoch muss sich der Vorstandschef auf der Zielgeraden einer missratenen Saison kritisch hinterfragen. Dies gilt vor allem für seine Trainerauswahl. Beiersdorfer war direkt nach seinem Amtsantritt von Trainer Mirko Slomka alles andere als überzeugt. Dennoch verzichtete er auf einen Wechsel.

Als Slomka den Saisonstart verpatzte, war er nach nur drei Spielen fällig. Als Nachfolger wäre mit Bruno Labbadia ein erfahrener Coach zur Rückkehr in den Volkspark bereit gewesen. Beiersdorfer verhandelte auch mit dem einstigen Retter des VfB Stuttgart, entschied sich aber für die interne Lösung mit Joe Zinnbauer, dessen Expertise als Cheftrainer sich nur auf den Amateurbereich stützt.

Nach dessen Scheitern verpflichtete Beiersdorfer nicht etwa einen erprobten Feuerwehrmann als Retter, sondern mit Peter Knäbel den Direktor Profifußball, im Trainergeschäft ebenfalls ein Greenhorn. Gesucht war schließlich nur ein Interimscoach, um die angepeilte große Lösung mit Thomas Tuchel zu Beginn der nächsten Saison nicht zu gefährden. Mit Recht prognostiziert Aufsichtsratschef Karl Gernandt, dass Knäbels Strahlkraft bei der Rückkehr in den angestammten Job nach einem Abstieg leiden würde. Dies gilt im Übrigen auch für den Vorstandschef. Umso mehr muss Beiersdorfer hoffen, dass sein letzter Trumpf im Abstiegspoker doch noch sticht.

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