Wunschtrainer

Tuchel sagt Leipzig ab – Weg frei für den HSV

Das Debüt von Peter Knäbel als Trainer auf der Bank des HSV ging gründlich daneben. Der Bundesliga-Dino befindet sich in akuter Abstiegsgefahr.

Leverkusen/Hamburg. Nach dem missglückten Debüt von Peter Knäbel stellt Dietmar Beiersdorfer beim Hamburger SV die Charakterfrage. „Das war noch kein Überlebenskampf. Und ohne Überlebenskampf kann man eine Saison nicht überstehen“, sagte der Vorstandschef am Ostersonntag nach dem 0:4 (0:2)-Debakel bei Champions-League-Aspirant Bayer Leverkusen und kam zu der bitteren Erkenntnis: „Wenn wir uns so präsentieren, werden wir keine Chance haben, die Klasse zu halten.“

Auch unter dem vermeintlichen Retter Knäbel scheint Bundesliga-Dino Hamburger SV ein hoffnungsloser Fall zu sein, der sehenden Auges Richtung 2. Liga torkelt. „Schlimm ist, dass wir noch nicht einmal kämpfen. Ich weiß auch nicht, ob das am Druck liegt oder ob wir einfach nur Angst haben“, hatte HSV-Kapitän Johan Djourou direkt nach dem Schlusspfiff festgestellt. Und auch für den eigentlichen Sportdirektor Knäbel war die Mentalität entscheidend für das Desaster: „Von der Einstellung war es nicht das, was man gegen Leverkusen zeigen muss.“

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Und so kam die einzig gute Nachricht an einem aus Sicht der Hanseaten ansonsten miserablen Osterwochenende aus Sachsen. Wunschkandidat Thomas Tuchel hat RasenBallsport Leipzig eine Absage erteilt. „Thomas Tuchel wird im Sommer definitiv nicht Trainer von RB Leipzig“, sagte Sportdirektor Ralf Rangnick der „Leipziger Volkszeitung“. Tuchels Berater habe dem Club-Vorstandsvorsitzenden, Oliver Mintzlaff, mitgeteilt, dass der 41-Jährige nicht in die 2. Fußball-Bundesliga gehe, schrieb die Zeitung am Montag auf ihrer Internetseite.

RB Leipzig ist unabhängig von Herrn Tuchel und anderen Namen auch nicht bereit, finanzielle Grenzen für einen Zweitliga-Trainer zu überschreiten“, sagte Mintzlaff der „Sport Bild“. „Unser Weg bleibt unbeirrt - wir werden mit unserer A–Lösung auf der Trainerposition in die neue Saison gehen.“

Rangnick hatte Tuchel stets als einen idealen Kandidaten für die kommende Saison bezeichnet, eine bereits vorliegende Einigung aber immer dementiert. Die Trainerfrage hatte sich gestellt, nachdem Alexander Zorniger im Februar vorzeitig aus seinem Vertrag bei RB ausgestiegen war. Nachwuchscoach Achim Beierlorzer war als Interimstrainer bis zum Saisonende verpflichtet worden. Die Leipziger haben sieben Spieltage vor dem Saisonende nur noch theoretische Chancen auf den Durchmarsch in die Bundesliga. Nach dem 2:1-Sieg am Ostersonntag über den 1. FC Nürnberg liegen sie acht Zähler hinter dem Relegationsplatz drei.

Interimscoach Knäbel kündigte für das Nordderby am kommenden Sonnabend gegen den Tabellenzweiten VfL Wolfsburg unterdessen personelle Konsequenzen an. „Ich habe heute gesehen, auf wen ich mich verlassen kann und auf wen nicht“, sagte der 48-Jährige. Dabei verriet Knäbel lediglich, dass er gegen die Niedersachsen wieder auf Marcelo Diaz und Pierre-Michel Lasogga setzt, die mangels ausreichender Fitness in Leverkusen zunächst auf der Bank saßen.

Beiersdorfer sprach den Trainer Knäbel derweil von Fehlern frei. „Eine Mannschaft besser auf ein Spiel vorzubereiten, ist schwer möglich“, betonte er. Und versprach - auch als Auftrag an den Coach und Drohung an die Mannschaft zu verstehen: „Alle können sich darauf verlassen, dass wir alle Mittel ausreizen werden, am Samstag eine Mannschaft auf den Platz zu stellen, die um ihr Leben kämpft.“

Von dort sahen sie wie auch der frühere Leverkusener Co-Trainer Peter Herrmann, den Knäbel in höchster Not zu seinem Assistenten gemacht hat, dass Bayer die Begegnung nach Belieben diktierte und die Werkself bei einer besserer Chancenverwertung noch höher hätte gewinnen können. Bei ihrer Generalprobe für das Pokal-Viertelfinale am kommenden Mittwoch gegen Bayern München beließen es die Gastgeber aber bei den Treffern von Gonzalo Castro (7., 64.) und Stefan Kießling (44., 56.), die ihrem früheren Mannschaftskollegen René Adler im HSV-Tor einen schlimmen Nachmittag bereiteten.

„Wir müssen jetzt weitermachen. Wir wissen, dass wir genug Qualität haben. Dass wir uns nach dem Spiel von den Fans einiges anhören mussten, gehört dazu, genau, wie sich in schönen Momenten von ihnen feiern zu lassen. Wir hoffen, dass wir mit ihnen die Saison noch zu einem guten Ende führen können“, sagte Adler nach dem Spiel und flüchtete sich ähnlich wie sein Coach in Durchhalteparolen.

„Wir müssen in der kommenden Woche schauen, dass wir das nötige Selbstvertrauen tanken. Ich werde ansprechen, was ich von den Spielern erwarte“, kündigte Knäbel an und machte dann noch gute Miene zum bösen Spiel: „Ich habe mich in meiner neuen Rolle sehr wohl gefühlt.“ Nach sieben Spielen ohne Sieg, der vierten Partie in Folge ohne eigenen Treffer und nur 25 Punkten wollte ihm das aber keiner so recht glauben.