Meinung
Kommentar

Herkules-Aufgabe Deutsch

Noch immer haben zu viele Erstklässler Sprachdefizite

Wer in der Schule Erfolg haben will, ja, wer überhaupt im Unterricht mitkommen will, muss die deutsche Sprache sicher beherrschen. Am besten vor der Einschulung, damit Sprechen und Verstehen nicht ein erstes Handicap auf dem Weg zum Schulerfolg sind. Diese Erkenntnis ist inzwischen bildungspolitisches Allgemeingut. In einer Stadt wie Hamburg mit einem sehr hohen Anteil von Kindern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, erwächst daraus aber ein immenser Auftrag. Man könnte von einer Herkules-Aufgabe sprechen.

Hamburg war eines der ersten Bundesländer, das die vorschulische Sprachförderung vor acht Jahren institutionalisiert hat. Dieser richtige und konsequente Weg fußte auf einer flächendeckenden Untersuchung aller Viereinhalbjährigen. Bereits in der Kita oder in der Vorschule wird gezielt mit den Kindern geübt, die gravierende Sprachdefizite haben.

Doch das Ziel, dass alle Kinder mit der Einschulung die deutsche Sprache sicher beherrschen, liegt noch in weiter Ferne. Nur gut die Hälfte der Erstklässler mit Migrationshintergrund spricht gut oder sehr gut Deutsch. Nur nebenbei bemerkt: Es gibt auch Kinder, die nicht gut Deutsch sprechen, obwohl es ihre Muttersprache ist.

Die Ursachen mögen vielfältig sein, ein wichtiger Aspekt ist die Zeit. Bislang bleibt nur rund ein Jahr, um den Sprachstand deutlich zu verbessern. In vielen Fällen scheint das zu kurz zu sein. Deswegen bleibt vermutlich kein anderer Weg als früher mit der Förderung zu beginnen, wie es die CDU-Opposition in der Hamburgischen Bürgerschaft vorschlägt.

Ausreichen wird dieser Schritt nicht. Die Bildungsexperten müssen die Methoden der Sprachförderung auf ihre Wirksamkeit hin genau unter die Lupe nehmen, um die Verfahren zu optimieren. Es ist richtig, dass die Kultusministerkonferenz dies flächendeckend in allen Ländern tun will. Schlecht ist, dass es mehrere Jahre dauern wird, bis die Ergebnisse vorliegen. Die Kinder, deren Chancen auf Bildungserfolg und damit auf Integration aufgrund schlechter Deutschkenntnisse gemindert werden, haben diese Zeit jedenfalls nicht.