Meinung
Leitartikel

Die Grenzen der Helfer

Foto: Michael Rauhe

Taliban wollen zivile Organisationen in Afghanistan abschrecken.

Es gehört zu den bitteren Lektionen in Afghanistan, dass im Laufe des jahrelangen Konflikts mit den Taliban nicht nur der Ruf der westlichen Isaf-Soldaten kontaminiert wird, sondern auch der Ruf der vielen westlichen Hilfsorganisationen. Die sollen verschwinden, das ist das Ziel der Taliban. Wenn der Al-Dschasira-Korrespondent James Bays recht behält, sollte der Anschlag auf die zehn Helfer der International Assistance Mission in Badachschan vor allem andere Nichtregierungsorganisationen abschrecken. Wenn man sich die zivilen ausländischen Opfer der letzten Jahre in Afghanistan ansieht: Es ist den Taliban und ihren kriminellen Helferbanden inzwischen egal, ob sie mit ihren Anschlägen neben ausländischen Journalisten und Kameraleuten sogar Mitarbeiter von Hilfsorganisationen treffen, die schon lange Jahre in Afghanistan arbeiten. Wie auch die International Assistance Mission, die dort bereits zu Zeiten des letzten Königs Zahir Schah tätig gewesen ist.

Damit bestätigt sich ein Trend, den das gemeinsame Sicherheitsbüro der Hilfsorganisationen in Afghanistan schon seit einigen Jahren beklagt: Das Verhältnis von kriminellen zu politischen Anschlägen gegen Helfer hat sich verändert. Im Jahr 2007 wurden Mitarbeiter von westlichen Organisationen überwiegend von Kriminellen beschossen, entführt oder getötet. Inzwischen ist mehr als die Hälfte der Angriffe politisch motiviert. Dabei trifft es nicht Angehörige des Roten Halbmonds (der islamischen Entsprechung des Roten Kreuzes) oder der pakistanischen Afghan Welfare, sondern Helfer aus Schweden, Kanada, den USA oder Deutschland. Die Mehrheit der rund 140 ausländischen Helfer kam 2001 aus den USA, als sich am Hindukusch ein großer, noch unbeackerter Markt für sie auftat. Und hier liegt das Problem: Sie wurden von Anfang an in das militärische Konzept der US-Truppen integriert. So entstand eine Art "militärisch-humanitärer Komplex", in dem die Helfer als Wurmfortsatz der Militärs wahrgenommen wurden. Dagegen haben sich Organisationen wie die Welthungerhilfe oder Ärzte ohne Grenzen immer verwahrt. Ihre Akzeptanz bei der Bevölkerung sollte auf strikter ziviler Unabhängigkeit beruhen.

Aber das Klima hat sich verschärft. Helfer geraten immer häufiger ins Fadenkreuz von Kampfhandlungen und werden Opfer der Taliban-Propaganda, es handle sich um verkappte christliche Missionare. Dass die afghanische Bevölkerung damit noch weniger Zugang zu medizinischen, technischen oder bildungsmäßigen Verbesserungen hat, ist den Taliban-Kommandeuren egal.