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„Maybrit Illner“: Was Verbraucher jetzt beim Gas tun können

| Lesedauer: 4 Minuten
Paul Ritter
Scholz: Ukraine benötigt Marshallplan

Scholz: Ukraine benötigt Marshallplan

Die kriegszerstörte Ukraine braucht nach Ansicht von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) einen Marshallplan zum Wiederaufbau wie Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.

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Putin drosselt das Gas, Deutschland reagiert mit der Alarmstufe. Bei „Maybrit Illner“ wurden die Verbraucher in den Blick genommen.

Berlin. Die Folgen des Ukraine-Kriegs erreichen Deutschland in einer neuen Qualität: Weil Russland das Gas drosselt, droht eine Unterversorgung im Winter. Die deswegen am Donnerstag ausgelöste Gasalarmstufe beschäftigte auch die Runde bei Maybrit Illner. „Wird Energie unbezahlbar?“, war die Sendung überschrieben.

Interessant war, was die Runde aus der Situation für die Verbraucher ableitete. Ob Gas unbezahlbar wird, konnten die Diskutanten zwar natürlich nicht beantworten. Dass es teurer wird, darin war man sich allerdings einig.

„Maybrit Illner“ – Das waren die Gäste:

  • Christian Lindner (FDP), Bundesfinanzminister
  • Lars Klingbeil (SPD), Parteivorsitzender
  • Monika Schnitzer, Professorin für Volkswirtschaftslehre und „Wirtschaftsweise"
  • Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur
  • Henrike Roßbach, Journalistin, Hauptstadtkorrespondentin „Süddeutsche Zeitung“

Bundesnetzagentur-Chef Müller erklärte in diesem Zusammenhang, weshalb die Bundesregierung eines ihrer schärfsten Schwerter noch nicht gezogen hat: Sollte sich das Gas durch die russische Drosselung zu sehr verteuern, könnte eine sofortige Weitergabe der daraus resultierenden Preissteigerungen von den Energieunternehmen an die Verbraucher erlaubt werden.

Die Folgen wären enorme Preissprünge – innerhalb von wenigen Wochen. „Das Instrument hätte drastische Folgen“, gab Müller zu bedenken. Noch sei aber unklar, wie sich die die Gasströme durch Nord Stream 1 entwickeln werden. Theoretisch sei es möglich wenn auch unwahrscheinlich, dass die Lieferung sich wieder normalisiere.

Aus der Gaskrise in die Rezession?

Darauf verlassen sollte man sich allerdings nicht. Henrike Roßbach fasste daher zusammen, was Verbraucher jetzt tun können: Geld zurücklegen, Abschläge erhöhen und Gas einsparen, führte die Journalistin von der Süddeutsche Zeitung an. Klar sei allerdings auch, dass viele Haushalte keine Spielräume für Rücklagen hätten. Das wiederum könne dann zu einer Rezession führen, weil viele Menschen ihren Konsum einschränken müssten.

Damit war eine weitere große Herausforderung für die Politik angesprochen: Sollte es zu steigenden Gaspreisen kommen, wird man weitere Entlastungen auf den Weg bringen müssen. „Ich habe große Sorgen, das hält mich mitunter nachts auch wach“, sagte dazu Christian Lindner. Zwar stellte der Finanzminister weitere Hilfen in Aussicht, zugleich verwies er aber auch auf die Schuldenbremse: „Der Staat kann nicht auf Dauer gegen die hohen Preise ansubventionieren“, warnte er, auch unter Verweis auf die steigenden Zinsen.

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Kann Russland je wieder Partner sein?

Was folgt schließlich aus all dem für das Verhältnis zu Russland? Die Politiker in der Runde waren sich einig: Deutschland muss unabhängig von russischen Energielieferungen werden.

Kategorisch wollte Lindner eine Zusammenarbeit mit einer Regierung in Moskau aber nicht ausschließen. „Ich würde ein ‚Nie wieder‘ nicht unterschreiben“, sagte er. Russland sei nicht gleich Putin. Und auch Deutschland sei nach Kriegsende zurück in die internationale Gemeinschaft geführt worden.

Das Fazit

Diese Ausgabe von „Maybrit Illner“ machte deutlich, dass die Gaslage ernst, aber noch nicht bedrohlich ist. Zugleich wurde in der Sendung wie auch durch die Geschehnisse des kompletten Tages eine hartumkämpfte Frage aus den ersten Wochen des Krieges beantwortet: Sollte Deutschland von sich aus auf russisches Gas verzichten, um Putin für seinen Angriffskrieg zu bestrafen? Die Sorgen, die schon die Drosselung auslöst, zeigen: Möglicherweise war es doch ganz vernünftig, die Speicher so lange es geht zu füllen.

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Dieser Artikel erschien zuerst auf waz.de.

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