Hamburg

Wochenmagazin „Stern“ bekommt eine neue Dreierspitze

Neues Führungsteam am Baumwall: Frank Thomsen, Florian Gless und Anna-Beeke Gretemeier (v. links).

Neues Führungsteam am Baumwall: Frank Thomsen, Florian Gless und Anna-Beeke Gretemeier (v. links).

Foto: Guido Rottmann

Wechsel beim „Stern“: Christian Krug war seit 2014 Chefredakteur, nun geht er. Künftig wird eine Dreierspitze das Magazin leiten.

HAMBURG.  Die beiden Nachrichten kamen im Abstand von zwei Stunden: Am Dienstag meldete das Verlagshaus Gruner + Jahr um kurz nach elf, dass „Stern“-Chefredakteur Christian Krug zum Jahreswechsel auf die neu geschaffene Stelle eines „Chefredakteurs Neue Geschäftsfelder“ wechseln wird.

Kurz nach 13 Uhr folgte die Mitteilung, dass Anna-Beeke Gretemeier, Chefin von Stern Digital und Krugs Stellvertreterin, sowie Florian Gless, Verlagsleiter der Verlagsgruppe Wissen, als gleichberechtigte Doppelspitze die Redaktion der Illustrierten führen werden. Zudem erhält der „Stern“ mit Frank Thomsen einen neuen Verlagsleiter. Der 53-Jährige ist Kommunikationschef, eine Position, die er – parallel zu seinen neuen Aufgaben weiterhin bekleiden wird.

„Stern“ verliert schneller an Auflage als andere

Zwei neue Chefredakteure, ein neuer Verlagsleiter – viel mehr Neustart geht nicht. Doch ein radikaler Neuanfang ist nötig, denn der „Stern“ ist in keiner guten Verfassung. Das Blatt verliert massiv an Auflage und zwar weitaus schneller als seine Wettbewerber: Im dritten Quartal ging die verkaufte Auflage des Wochenmagazins im Vergleich zum Vorjahr um 12,82 Prozent auf nicht einmal mehr 515.000 Exemplare zurück. Im gleichen Zeitraum lag der Auflagenverlust des „Spiegel“ bei nur 6,74 und der des „Focus“ bei lediglich 2,42 Prozent.

Das Verhältnis zwischen Chefredakteur Krug und seiner Redaktion soll zuletzt nicht mehr das beste gewesen sein. Katja Gloger, eine der renommiertesten Autorinnen des Blattes, kündigte erst kürzlich. Eine weitere, Ulrike Posche, entschied sich dafür, ein Altersteilzeit-Angebot anzunehmen.

Erste Frau und jüngste Chefin

In den gut vier Jahren der Ära Krug sorgte das Blatt publizistisch mit einem Interview mit Sigmar Gabriel für Aufsehen, in dem der SPD-Politiker seinen Verzicht auf die Kanzlerkandidatur und das Amt des Parteichefs bekannt gab. Zudem hat Krug dem „Stern“ mit „Crime“, „Dr. von Hirschhausens Stern gesund leben“ und „JWD“ drei neue Ableger beschert.

Das neue Führungsteam muss das Mutterblatt nun wieder auf Kurs bringen. Aus dem Trio sticht Gretemeier heraus. Sie ist nicht nur die erste Frau auf dem „Stern“-Chefsessel, sondern mit 32 Jahren auch die jüngste Chefredakteurin, die das Blatt je hatte. Erst vor gut einem Jahr wurde sie Chefin von Stern Digital. Henri Nannen war bereits 34, als er das Magazin 1948 gründete und sein erster Chefredakteur wurde.

Gretemeiers Co-Chefredakteur Gless ist 50 Jahre alt und war, bevor er 2014 in die Verlagsgruppe Wissen ging, lange Jahre „Stern“-Redakteur. Der neue Verlagsleiter Frank Thomsen schließlich arbeitete vor seinem Wechsel in die Unternehmenskommunikation ebenfalls viele Jahre für den „Stern“.