ZDF-Talk

Maybrit-Illner-Talk zu Trump - Zwischen Koma und Fegefeuer

Maybrit Illner diskutierte mit ihren Gästen über den Konflikt zwischen dem Iran und den USA.

Maybrit Illner diskutierte mit ihren Gästen über den Konflikt zwischen dem Iran und den USA.

Foto: imago stock&people / imago/Müller-Stauffenberg

Nahost ist ein Pulverfass – und Donald Trump setzt die Lunte in Brand. So einfach ist es nicht, wie sich bei „Maybrit Illner“ zeigte.

Berlin.  Mit der Verlegung der amerikanischen Botschaft nach Jerusalem und der Aufkündigung des Atom-Deals mit dem Israel-Feind Iran hat US-Präsident Donald Trump die Lage im Nahen Osten massiv verschärft. Die gewalttätigen Ausschreitungen zwischen Palästinensern und israelischen Soldaten an der Grenze zum Gazastreifen mit 60 Toten sind für viele di Folge – und womöglich erst der Anfang eines Flächenbrands in der Region.

„Trumps Botschaft, Irans Bombe – kann Europa Krieg verhindern?“, fragte Maybrit Illner in ihrem ZDF-Talk. Die Runde zeigte, wie kompliziert die Lage ist - und dass es keine einfachen Lösungen geben wird. Die wichtigsten Aussagen:

Melody Sucharewicz, Kommunikationsberaterin, in München geboren, lebt heute in Israel: „Anstatt dass Europa sagt, Schluss mit diesen Terror, ist es umgekehrt und man sagt, wir müssen das Ajatollah-Regime im Iran besänftigen. Die Sicherheit Israels ist in Deutschland Staatsraison. Aber manchmal müssen Worte auch mit Taten gefüllt werden. Es müsste sehr viel mehr politische Solidarität gegenüber Israel gezeigt werden.“

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Shahrzad Osterer, iranische Journalistin, geboren in Teheran, lebt in Deutschland: „Wir wissen, dass Israel Atombomben hat, auch wenn es nicht zugegeben wird. Der Iran nicht. Deshalb kann Iran Israel militärisch nicht schlagen. Wir gemäßigte Iraner haben uns immer eine europäische Unterstützung gewünscht. Wir hätten uns Druck auf das Regime im Iran gewünscht. Aber man es bei Lippenbekenntnissen belassen.“

Claus Kleber, Moderator „heute journal“ im ZDF: „Die Lage ist so etwas von kompliziert. Wenn Sie dort einseitig Schuld zuweisen, landen Sie im Fegefeuer. Donald Trump hat große Lust darauf, einfach mal alles anders zu machen. Das Pulverfass Naher Osten ist aber nicht das ideale Gebiet für Fingerübungen. Und Deutschland ist zu klein und Europa zu uneins, um der Trumpschen Politik entgegenzutreten. Das Transatlantische Bündnis liegt im Koma.“

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Annalena Baerbock, Vorsitzende der Grünen: „Internationale Verträge werden mit einem Handstreich, einem Twitter-Beitrag zunichte gemacht. Deswegen muss die EU agieren. Wie wollen wir denn in einer internationalen Welt multilaterale Formen aufrecht erhalten, wenn Verträge einfach nicht eingehalten werden? Das Schwierige ist: Man kann nicht wie bisher mit rationaler Logik auf die Politik Trumps reagieren.“

Peter Altmaier, CDU, Bundeswirtschaftsminister: „Meine feste Überzeugung ist, dass wir den USA viel zu verdanken haben. Aber trotzdem dürfen wir eine eigene Meinung haben. Wir müssen auch imstande sein, unser Schicksal international eigenständig in die Hand zu nehmen. Wenn es einen Krieg gibt, in dem Israel angegriffen wird, werden sich die Europäer dazu verhalten müssen.“

Fazit der Sendung: Maybrit Illner hatte eine kluge Runde versammelt, die bewies: Man kann über Israel-Palästinenser-Iran-Trump auch ohne Schaum vor dem Mund streiten. Allerdings: Einen echten Lösungsansatz hatten auch Illners Gäste nicht zu bieten. Aber das wäre wohl auch zu viel erwartet gewesen.

Hier gibt es die komplette Sendung in der ZDF-Mediathek.