Medienmacher

Wie die ARD ihre Nachrichten jetzt neu organisiert

Die ARD stellt sich neu auf.

Foto: imago / imago/STPP

Die ARD stellt sich neu auf. Foto: imago / imago/STPP

Die ARD muss sich auf vielen Ebenen neu aufstellen. Dabei geht es zuerst darum, die Bereiche Fernsehen, Radio und Online zu verzahnen.

Berlin.  Die Anstalten der ARD haben Großes vor: Sie wollen ihre aktuellen Nachrichtensendungen aus einer Hand produzieren. Und zwar unabhängig davon, ob sie im Fernsehen zu sehen, im Radio zu hören, im Teletext zu lesen oder digital abzurufen sind.

Künftig soll nur noch crossmedial produziert werden. Dies dürfte langfristig dazu führen, dass sich die Struktur der Anstalten von Grund auf ändert: Bisher gibt es in jedem Sender der ARD eine Programmdirektion Fernsehen und eine Programmdirektion Hörfunk. Wenn aber alle Nachrichten aus einer Hand kommen, ergibt diese Unterteilung keinen Sinn mehr.

Hörfunk- und TV-Redaktionen oft viele Kilometer entfernt

Wer zusammen Nachrichten produzieren soll, braucht Räumlichkeiten, in denen er dies tun kann. In manchen Anstalten trennen Hörfunk- und TV-Redaktionen jedoch mehrere Kilometer. So ist es beim Bayerischen Rundfunk, wo die Radiomacher im Zentrum, nahe dem Münchner Hauptbahnhof sitzen und die Fernsehredakteure im entlegenen Stadtteil Freimann.

So ist es auch beim NDR, der seinen Hörfunk im Funkhaus im feinen, zentral gelegenen Hamburger Stadtteil Rotherbaum untergebracht hat und die TV-Redaktionen im nicht ganz so schicken Lokstedt.

In München wird „Aktualitätenzentrum“ errichtet

Nun wird zusammengeführt, was demnächst zusammengehört. In München wird auf dem Gelände in Freimann ein „Aktualitätenzentrum“ errichtet, in dem Nachrichtenredakteure aller Medien zusammenarbeiten sollen.

Der NDR hat ein Vorhaben mit dem Titel „Projekt Haus 18“ aufgesetzt. Haus 18 steht auf dem TV-Gelände in Lok­stedt. Dort sitzt noch die Abteilung ARD-aktuell, die für die Produktion von „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ verantwortlich ist.

Aber nicht mehr lange: Hier werden künftig alle NDR-Redaktionen residieren, die mit der Produktion aktueller Nachrichten zu tun haben. Dazu zählen die Fernseh-Abteilung Ausland und Aktuelles – mit „NDR Aktuell“ und der ARD-Zulieferung – sowie das Ressort Investigation. Hinzu kommen große Teile der Hörfunk-Nachrichtenwelle NDR Info, die Zentralnachrichtenredaktion des Hörfunks, das Aktuell-Team von ndr.de sowie die NDR-Text-Redaktion. Sie ziehen 2020 vom Rothenbaum nach Lokstedt.

Anbau in Hamburg wird 20 Prozent teurer

Das alte Funkhaus an der Hamburger Rothenbaumchaussee soll nicht verwaisen. Deshalb wird eine Abteilung, die bisher ihren Sitz in Lokstedt hat, dorthin umziehen. Dass es den Sport oder die Unterhaltung, die angeblich partout nicht an den Rothenbaum will, treffen könnte, mag ein NDR-Sprecher nicht bestätigen. Er sagt, es sei „von Vorteil, die Fernsehbereiche am Standort Lok­stedt zusammenzuhalten“.

Hinter Haus 18 entsteht ein Anbau für „Tagesschau“, „Tagesthemen“, tagesschau.de und den News-Sender Tagesschau24. Letzterer soll mit NDR Info bei hintergründigen überregionalen Berichten zusammenarbeiten. Der Anbau wird bereits 2019 bezogen. Er soll wegen der überhitzten Baukonjunktur – bei manchen Ausschreibungen ging kein Angebot ein – 20 Prozent teurer als geplant werden. Allein die technische Gebäudeausstattung kostet etwa 1,5 Millionen Euro mehr als veranschlagt.

Und noch ein ganz anderes Thema: Es geht um Zeitschriften.

Deutsche kaufen pro Kopf 20 Zeitschriften im Jahr

1,7 Milliarden Zeitschriften kaufen die Deutschen im Jahr. Das sind 20 Hefte pro Kopf – vom Säugling bis zum Greis. 2,5 Milliarden Euro setzen die Magazinverlage mit Abonnements und im Einzelverkauf um. Ihr Bruttowerbeumsatz liegt bei 3,1 Milliarden Euro.

Es sind beeindruckende Zahlen, die der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) kommenden Dienstag auf seiner Jahrespressekonferenz präsentieren wird. Nicht jeder hätte sie dem Medium Zeitschrift zugetraut. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass diese Zahlen langsam kleiner werden. Vor einem Jahr konnte der VDZ noch von Bruttowerbeerlösen in Höhe von 3,4 Milliarden berichten. Aber solange die Zeitschriften noch so stark sind wie jetzt, spielen sie im Konzert der Publikumsmedien eine wichtige Rolle.

-----

Ältere Medienmacher-Kolumnen finden Sie hier:

Warum ARD und ZDF eine neue Facebook-Strategie brauchen

„Bild“-Zeitung wird in vielen Städten bald teurer

Wenige Trolle bestimmen hasserfüllte Diskussionen im Netz

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.