KiKA-Doku

Wirbel um Altersangabe bei KiKa-Flüchtlings-Liebesgeschichte

Der Kinderkanal von ARD und ZDF zeigte im November eine Doku über die Liebe eines deutschen Mädchens mit einem syrischen Flüchtling. Dessen Alter wurde nachträglich geändert.

Der Kinderkanal von ARD und ZDF zeigte im November eine Doku über die Liebe eines deutschen Mädchens mit einem syrischen Flüchtling. Dessen Alter wurde nachträglich geändert.

Foto: Screenshot / KiKA

Der KiKa korrigierte die Altersangabe eines Flüchtlings in einer Doku im Nachhinein nach oben. Ein gefundenes Fressen für die AfD.

Berlin.  Seit Beginn der Flüchtlingskrise stellt sich für Behörden die Frage: Wie alt sind die Flüchtlinge wirklich? Sind sie tatsächlich noch minderjährig? Oder geben sie das nur vor, um ein Recht auf größeren Schutz zu haben?

Zweifel am Alter kamen zuletzt auch im Fall Kandel auf. Ein 15-jähriger Asylbewerber soll in dem Ort in Rheinland-Pfalz ein Mädchen erstochen haben. Einige Politiker fordern seitdem einen Pflicht-Alterstest für Flüchtlinge.

Pflicht-Alterstests bei Flüchtlingen?
Pflicht-Alterstests bei Flüchtlingen?

Und ausgerechnet jetzt muss der Kinderkanal (KiKA) von ARD und ZDF das Alter eines Flüchtlings nach oben korrigieren, dessen Liebe zu einer 16-jährigen Deutschen der Sender bereits im November erzählt hatte. Statt 17 sei er nun 19 Jahre alt, heißt es auf der KiKA-Website.

KiKA sendet unkommentierte Sichtweise

Die Doku „Schau in meine Welt – Malvina, Diaa und die Liebe“ schildert die Beziehung des deutschen Mädchens Malvina und des syrischen Flüchtlings Diaa. Weil die beiden in unterschiedlichen Kulturen aufgewachsen sind, kommt es hin und wieder zu Konflikten, etwa wenn Malvina sich Diaas Wunsch widersetzt, ein Kopftuch zu tragen.

Der 24-minütige Film zeigt also keineswegs nur die rosigen Seiten einer interkulturellen Beziehung, lässt Malvinas und Diaas Erzählungen aber unkommentiert. Experten halten das für pädagogisch fragwürdig, vor allem da sich die Doku an Zehn- bis 13-Jährige richtet.

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„Für kleinere Kinder absolut ungeeignet“

„Aus meiner Sicht kann man den Film zwölf-, 13- oder 14-jährigen Kindern in der Schule zeigen, anschließend mit ihnen diskutieren. Für kleinere Kinder ist er absolut ungeeignet“, sagte die Diplom-Psychologin Anke Precht der „Bild“.

Während Diaas Alter im Film nicht zur Sprache kommt, hieß es in einem Begleittext zunächst, der Flüchtling sei 17 Jahre alt, die Deutsche 16. Am Montag korrigierte der KiKA Diaas Alter dann auf 19 Jahre, allerdings ohne ausführliche Erklärung.

KiKA entschuldigt sich für Falschangabe

Die liefert der Sender im Begleitmaterial zur Sendung: „Entschuldigen wollen wir uns für einen Fehler in Bildunterschriften“, heißt es dort. „Im Film wird über Malvinas Alter (zum Zeitpunkt des Drehs 16 Jahre) gesprochen, nicht aber über Diaas. Recherche und Drehbeginn für die Dokumentation lagen am Beginn 2017. Diaa war zu der Zeit 19 Jahre alt. Als er und Malvina sich kennen lernten, war er 17 Jahre alt. Dass dieses Alter dann in Bildunterschriften auftauchte, ist irreführend, wir haben das mittlerweile korrigiert.“

Für Kritiker ist die Korrektur ein gefundenes Fressen. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Dirk Spaniel nannte die Doku auf Facebook eine „unerträgliche und gefährliche Propaganda der Staatsmedien“. Er sei eine unverantwortliche Manipulation und Indoktrination Minderjähriger.

Sicht der Protagonisten soll authentisch erzählt werden

Der KiKA hingegen verteidigte die Doku-Reihe „Schau in meine Welt“. Sie erzähle Geschichten konsequent aus der Sicht von Protagonistinnen und Protagonisten. „Es geht darum, möglichst authentisch ihre Innensicht zu zeigen und die Welt aus ihrer Sicht zu erzählen. Dieses Genre schließt eine direkte Kommentierung oder Einordnung von außen aus, aber natürlich kann Kika die Darstellung dieser Geschichte als Innensicht journalistisch vertreten.“ (cho)