Sendeanstalten

ARD-Intendant Wilhelm will höhere Rundfunkgebühr ab 2021

Der neue ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm verlangt von der Politik mehr Geld, um auf wachsende Konkurrenz wie Netflix und Amazon besser reagieren zu können.

Foto: Sven Hoppe / dpa

Der neue ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm verlangt von der Politik mehr Geld, um auf wachsende Konkurrenz wie Netflix und Amazon besser reagieren zu können.

Etwa acht Milliarden Euro Rundfunkgebühren nehmen ARD und ZDF jährlich ein. Ulrich Wilhelm reicht das nicht aus.

Berlin.  Der neue ARD-Intendant Ulrich Wilhelm fordert von der Politik eine Erhöhung der Rundfunkgebühren vom Jahr 2021 an. In den dann folgenden vier Jahren solle der Beitrag an die Inflation angepasst werden, sagte Wilhelm dem „Handelsblatt“. Er spricht von 1,7 Prozent Erhöhung pro Jahr.

„Ohne einen höheren Rundfunkbeitrag ab 2021 kommen wir am gewaltigen Kürzen der Programme nicht vorbei“, so Wilhelm in einem Interview mit der Zeitung. „Inflationsbereinigt zahlen die Menschen in Deutschland seit gut zehn Jahren nicht mehr Rundfunkbeitrag – und das bei einem ungleich größeren Angebot. Darüber werden wir mit den Ländern im Einzelnen sprechen müssen“, so der Intendant.

Politischer Druck der AfD schon spürbar

Schon in der vergangenen Woche hatte Wilhelm den Mehrbedarf seiner Sendeanstalt bis zum Jahr 2021 mit drei Milliarden Euro beziffert. Er begründet dies unter anderem mit veränderten Sehgewohnheiten der Zuschauer und der wachsenden Konkurrenz durch US-Streamingdienste wie Netflix und Amazon. Diesen will Wilhelm mit einer „europäischen Antwort“ begegnen: „Mit einem Teuerungsausgleich ginge das besser.“

Fraglich ist allerdings, ob Wilhelm damit Gehör in der Rundfunkkommission der Länder findet. Dort haben Sachsen und Sachsen-Anhalt eine Beitragserhöhung bereits abgelehnt. Die rechtspopulistische AfD will den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in seiner jetzigen Form sogar abschaffen . In den beiden Länderparlamenten ist die AfD stark vertreten. Auch andere Medienpolitiker fordern ARD und ZDF zu stärkeren Sparanstrengungen auf.

Entscheidung fällt erst 2019

Derzeit liegt die Rundfunkgebühr bei monatlich 17,50 Euro. Nach den Forderungen Wilhelms würde der monatliche Betrag von 2021 an um knapp 30 Cent steigen. Die Entscheidung darüber wird erst 2019 fallen.

Im Jahr 2016 nahmen die öffentlich-rechtlichen Sender etwa acht Milliarden Euro an Gebühren ein. Damit werden 20 Fernseh- und 69 Radiosender finanziert. (küp)

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