Geburtstag

Grande Dame der deutschen Medien – Friede Springer wird 75

Friede Springer ist stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Axel Springer SE, hier bei der Hauptversammlung im April 2016. Dass es das Medienhaus noch gibt, ist vor allem ihr Verdienst.

Friede Springer ist stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Axel Springer SE, hier bei der Hauptversammlung im April 2016. Dass es das Medienhaus noch gibt, ist vor allem ihr Verdienst.

Foto: dpa

Friede Springer wird 75. Sie hielt das Medienhaus ihres Mannes nach dessen Tod zusammen. Ihr Nachlass ist wohl noch nicht geregelt.

Berlin.  Friede Springer hat Humor: Als die Witwe des Verlagsgründers Axel Springer („Bild“, „Welt“) einmal erklären sollte, warum sie den Titel Verlegerin nicht möge, sagte sie: „Ich verlege höchstens mal meine Brille.“ Friede Springer liebt es nicht, im Mittelpunkt zu stehen: Der Empfang, den das Medienhaus diesen Dienstag aus Anlass ihres 75. Geburtstags gibt, zählt zu ihren raren Auftritten in der Öffentlichkeit.

Und Friede Springer kann schimpfen: Im März 2016 sprach sie mit der Nachrichtenagentur dpa über die angeblich fehlerhafte Berichterstattung der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) sowie der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS) zu Kabalen im Hause Springer, in deren Mittelpunkt sie selbst gestanden haben soll. An den Berichten „habe fast gar nichts gestimmt“. Sie seien „eine Erfindung“ und „Unsinn“. In den Artikeln, welche die fünfte und letzte Ehefrau von Axel Springer so erbosten, ging es um die Regelung ihres Nachlasses.

Vorbereitung auf Rolle als Verlagserbin

Die Geschichte der Grande Dame der deutschen Medienbranche schien auserzählt zu sein: Einer der einflussreichsten Verleger des Landes verliebt sich in ein 23-jähriges Mädchen aus einfachen Verhältnissen. Er lässt sie Sprachen lernen und schreibt sie an der Weltwirtschaftsschule Kiel ein. So bereitet er sie systematisch auf ihre Rolle als Verlagserbin vor. „Ich bin sein Produkt“, wird sie später einmal sagen. Als ihr Mann stirbt, sieht sich seine Witwe mit einem zerfallenden Verlagsimperium konfrontiert, in dem Großaktionäre, Konzernvorstände und Kinder aus Springers früheren Ehen um die Macht kämpfen.

Entgegen allen Erwartungen gelingt es ihr, den Verlag zusammenzuhalten. Es ist ein 17 Jahre währender Kampf, der erst 2002 mit der Berufung Mathias Döpfners zum Vorstandsvorsitzenden endet. Der studierte Musikwissenschaftler setzt in dem langen Ringen um den Fortbestand des Hauses den Schlussakkord: Indem er unmittelbar nach seinem Amtsantritt eine Put-Option ausübt und den hoch verschuldeten Leo Kirch zwingt, den Springer-Anteil an der Sendergruppe ProSiebenSat.1 zu kaufen, trägt er wesentlich dazu bei, dass der Medienunternehmer kurze Zeit später Insolvenz anmelden muss.

Häufiger Wechsel der Vorstandsvorsitzenden

Im Zuge der Zerschlagung der Kirch-Gruppe wird Springer den ungeliebten Gesellschafter ein für alle Mal los. Döpfner gelingt es in den Folgejahren, das einst als Intrigantenstadl geltende Unternehmen in ruhiges Fahrwasser zu lenken. Bei der Umwandlung des Verlags in ein digitales Medienhaus macht er vieles richtig. Inzwischen ist er mehr als 15 Jahre im Amt. Vor Beginn der Ära Döpfner wechselten die Vorstandsvorsitzenden in rascher Folge.

Der Dank Friede Springers ist dem Manager gewiss. Zeitweise ist das Verhältnis der Hauptgesellschafterin zu ihrem ranghöchsten Angestellten ungewöhnlich eng. Anlässlich ihres 70. Geburtstags schenkt sie ihm einen Aktienanteil von zwei Prozent im Wert von 73 Millionen Euro. Döpfner, seine Frau Ulrike und die Söhne sind eine Zeit lang wie eine Ersatzfamilie für die kinderlose Witwe. Sie ist Patentante des Zweitgeborenen. Daheim in Potsdam sind die Döpfners damals ihre Nachbarn. Hätte es die Ereignisse rund um den Jahreswechsel 2015 /2016 nicht gegeben, wäre die Geschichte hier zu Ende.

Einsatz der Aktien als Akquisitionswährung

Man könnte allenfalls noch hinzufügen, dass Friede Springer noch immer regelmäßig ins Büro geht, um ihre Pflichten als Aufsichtsrätin wahrzunehmen und sich um ihre Stiftungen zu kümmern. Es beginnt damit, dass der Vorstandsvorsitzende die Idee hat, das Unternehmen in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) umzuwandeln. Diese Gesellschaftsform hätte es dem Konzern ermöglicht, seine Aktien als Akquisitionswährung einzusetzen, wodurch Zukäufe erleichtert worden wären.

Hätte Friede Springer im Zuge von Aktienverkäufen ihre Anteilsmehrheit verloren, wäre das weitgehend folgenlos geblieben: In einer KGaA hat immer der Hauptgesellschafter das Sagen. Dennoch hielt die Witwe wenig von einer Umwandlung – möglicherweise auch deshalb, weil sie eine Regelung ihres Nachlasses erforderlich gemacht hätte. Denn die Aktionäre einer KGaA möchten wissen, was geschieht, wenn der Hauptgesellschafter das Zeitliche segnet.

Witwe wusste nichts über Arnolds Pläne

Trotz ihrer Bedenken beauftragte die Unternehmerin die Anwältin Karin Arnold damit, ihr Erbe zu regeln. Arnold gilt als eine ihrer engsten Vertrauten. Die von der Juristin gefundene Regelung sah vor, die Firmenanteile Friede Springers nach deren Ableben der nach ihr benannten Stiftung zu vermachen.

In deren Vorstand sitzt außer der Stifterin nur Arnold selbst. Im Falle von Friede Springers Tod hätte die Anwältin im Konzern das Sagen gehabt. Als die Pläne durchsickerten, war das Hallo bei Axel Springer groß. Wie konnte es sein, dass der quasi adoptierte Döpfner beim Nachlass außen vor blieb? Von „Putsch“ und „Machtkampf“ war die Rede. Doch nach allem, was man heute weiß, war die Witwe nicht nur über die Pläne Arnolds im Bilde, sondern sich auch deren Tragweite bewusst.

Nachlass an „Gesellschaft“ vermachen

Wenn ihr Verhältnis zu Döpfner abgekühlt sein sollte, könnte dies private Gründe haben: Die Ehe des Managers ist gescheitert, Friede Springers Ersatzfamilie zerbrochen. Als die Presse Wind von dem Zwist um das Springer-Erbe bekam, zog das Medienhaus die Notbremse: Überraschend sagte es die Umwandlung in eine KGaA ab. Und Friede Springer gab ihr dpa-Interview, in dem sie auf „FAZ“ und „FAS“ schimpfte, die als Erste über die Sache berichtet hatten.

Sie kündigte an, ihren Nachlass nicht ihrer Stiftung, sondern einer nicht näher definierten „Gesellschaft“ vermachen zu wollen. An deren Spitze werde jemand stehen, „der aus dem Verlag kommt, der weiß, wie man ein Unternehmen führt und dessen Herz für Journalismus schlägt“. Seither sind anderthalb Jahre vergangen. Karin Arnold ist immer noch im Vorstand der Friede Springer Stiftung. Ob Friede Springer mittlerweile ihren Nachlass so geregelt hat, wie sie es gegenüber dpa ankündigte, weiß niemand zu sagen.