Münster-Tatort

Prof. Boerne und Thiel: Hochzeit nicht ausgeschlossen

Glockenläuten für Axel Prahl (l.) als Kommissar Thiel und Jan Josef Liefers als Professor Boerne in Münster

Glockenläuten für Axel Prahl (l.) als Kommissar Thiel und Jan Josef Liefers als Professor Boerne in Münster

Foto: Bernd Thissen/dpa

Jan Josef Liefers und Axel Prahl schlüpfen in die Rollen eines schwulen Paares. Ein brillanter Tatort aus Münster: "Erkläre Chimäre".

Münster/Hamburg. Bei ihnen sind die Wiederholungen beliebter als bei anderen die Premieren: Axel Prahl und Jan Josef Liefers als das Traumpaar Kommissar Thiel und Gerichtsmediziner Prof. Boerne im Münster-Tatort der ARD spielen die aktuellen Tatort-Crews alle an die Wand. Nicht, dass die Geschichten alle besser wären, aber die Interaktion der beiden Charaktere fesselt die deutschen Krimizuschauer. Kein Wunder, dass Til Schweiger, Hamburger Tatort-Kommissar, sich schon Helene Fischer ins Boot geholt hat, weil er neidisch auf die TV-Quote der Münsteraner schielt.

Und nun bekommen die aufgesetzten Streitereien zwischen Boerne und Thiel in einem neuen Tatort aus Münster eine weitere delikate Note. Sie haben als homosexuelles Paar zum Schein geheiratet, um einen Fall zu lösen.

Am Sonntag (20.15 Uhr ARD) sind die beiden in Anzug und mit Brautstrauß zu sehen. Als schwules Paar hat sich das Ermittlerduo das Ja-Wort gegeben. Allerdings ist das alles nur arrangiert, um den reichen Onkel aus Amerika für eine Erbschaft zu täuschen. Der 27. Fall aus Münster mit dem Titel „Erkläre Chimäre“ ist durchsetzt mit Täuschungs-Manövern, Lügen und Intrigen.

Selbst Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Grossmann) treibt ein undurchsichtiges Spiel. Und damit sind nicht nur die Täuschungsversuche der Kettenraucherin als Patientin im Krankenhaus gemeint. Sie steht verdächtig oft am offenen Fenster. Heftig Husten muss auch Thiel. Aber ohne Erfolg. Als ein Schnittchen in der Luftröhre hängen bleibt, muss Boerne per Luftröhrenschnitt eingreifen. Dass er seinem Retter jetzt lebenslang dankbar sein muss, passt Thiel überhaupt nicht.

Und so gleicht der Fall bereits nach wenigen Minuten einer Verwechselungskommödie. Im Kern geht es um einen Toten, den die Ermittler im Schlachtraum eines kleinen Hofladens finden. Es gibt Spuren zu einem Weinhändler und eben eine Verbindung zum homosexuellen Erbonkel von Boerne, gespielt von Christian Kohlund.

Stefan Cantz und Jan Hinter haben das zehnte Drehbuch für die schrulligen Ermittler aus Münster geschrieben. Bereits die Premiere im Jahr 2002 („Der dunkle Fleck“) kam von dem Duo. Und auch Regisseur Kaspar Heidelbach hat Erfahrung mit dem versnobten Rechtsmediziner (Josef Liefers) und St.-Pauli-Fan Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl). Er drehte mit „Erkläre Chimäre“ seinen fünften Fall für Münster.

Dabei machen die Dialoge das Besondere dieses kurzweiligen Krimis aus. Ob Thiel und Boerne, Boerne und die kleinwüchsige Assistentin „Alberich“ (ChrisTine Urspruch) oder der sprachliche Zweikampf zwischen Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter) und ihrem Chef Hauptkommissar Thiel – alle liefern sich spitze Wort-Duelle wie mit dem Florett ausgetragen. Und Nadeshda ist endlich richtig angekommen im Ermittler-Team. Sie wurde befördert zur Kommissarin.

„Den Ehemann von Prof. Boerne zu spielen war eine schauspielerische Herausforderung der besonderen Art“, hatte Axel Prahl nach den Dreharbeiten verraten. Und das Ergebnis ist brillant. Wie die beiden sich gegenseitig an ihrer Kleidung herumzupfen, erinnert erschreckend an Paare, die sich seit Jahrzehnten vor dem Gang durch die Wohnungstür gegenseitig kontrollieren.

Die Auflösung von „Erkläre Chimäre“ am Ende der 90 Minuten ist dagegen eine kleine Enttäuschung. Boerne muss die Zuschauer in die Fachwelt der Medizin einführen, um den Begriff „Chimäre“ zu erläutern. Eine Aufklärung im Abspann wäre kaum weniger spannend gewesen. (HA/dpa)