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Die Hasen fallen über die Schnösel her

Na dann mal frohe Ostern: Kommissar Falke (Wotan Wilke Möhring, r.) im Gespräch mit einem Bad Easter Bunny (Tim Grobe)

Na dann mal frohe Ostern: Kommissar Falke (Wotan Wilke Möhring, r.) im Gespräch mit einem Bad Easter Bunny (Tim Grobe)

Foto: NDR

Zu Ostern ein Hamburger Action„ Tatort“ mit Wotan Wilke Möhring: Mit viel Geballer und anderen billigen Effekten.

Eine Charity-Gala in Hamburg, anwesend: Der schnöselige Geldadel der Stadt. Feine Leute in Abendrobe in einem großen Raum. Es ist kurz vor ­Ostern, und auf der Bühne liegt ein riesiges Ei. Ein Mann spricht salbungsvolle Worte, dann noch einer – es geht hier um Geld für Flüchtlinge, das gesammelt werden soll.

Ist ja ein gutes Thema, das hier symbolisch aufs Tapet gebracht wird. Das reiche und sich sehr wichtig nehmende Hamburg hier, wo Moral mehr als nur ein ideelles Accessoire sein soll, mit dem man sich schmückt. Theoretisch zumindest. Der unterprivilegierte, Einlass begehrende Teil der Welt auf der anderen Seite: Der „Tatort“ bewegt sich diesmal an der Schnittstelle zwischen gutem Willen und Heuchelei. „Frohe Ostern, Falke“ heißt die Folge, und das Osterfest spielt eine gewisse Rolle.

Eine Aktivistengruppe mit dem Namen „Bad Easter Bunnies“ fällt in die illustre, österliche Tafelrunde ein, zu der, als Begleiterin eines schnieken Anwalts, auch Kommissarin Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) zählt. Die Störenfriede sind bislang stets mit aggressiven, aber gewaltfreien Aktionen aufgefallen. Doch diesmal sind die Knarren echt. Mit dem Auftritt wollen die Bunnies gegen die Scheinheiligkeit der Großkopferten zu Felde ziehen, per Livestream die dumm gehaltene Bevölkerung aufschrecken – und obendrein eine Amnestie für alle Abschiebehäftlinge fordern.

Einer in der Gruppe nimmt die Sache ziemlich ernst und erledigt gleich mal einen der paralysierten Gäste. Sehr zum Missfallen seiner Kompagnons, aber ist halt passiert, da müssen sie jetzt durch. Und die Zuschauer auch: Die Angreifer werden in diesem von Thomas Stiller (Buch und Regie) inszenierten Thriller nie etwas anderes tragen als ihre sehr dämlichen Hasenmonturen.

Und diesen Augenweh oder Schmunzelattacken auslösenden Style muss man als Betrachter akzeptieren. Sonst wird das rezeptionsmäßig nix mit diesem Norddeutschland-„Tatort“, der das Ermittlerteam Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Lorenz in eine bedrückende Situation bringt. Denn Falke sorgt sich um die Kollegin, der er, man erinnert sich dunkel, in der letzten Folge näher kam. Er setzt das MEK in Bewegung, nachdem er mithilfe von Lorenz, die über ihr Handy mit Falke Kontakt hält, den Ort der Geiselnahme herausgefunden hat.

Ein ungewöhnlicher, ein Action-„Tatort“ mit viel Ballerei, in dem die linksradikalen Rebellen auf den Tischen der Spießbürger tanzen und die Gedecke von der Tafel schießen: Das mag für manch einen noch ganz interessant klingen, solange zumindest der Oberböse (Thomas Sarbacher) am Ende das bekommt, was er verdient.

Es wird aber nicht unbedingt ein gelungener „Tatort“ draus, und das liegt daran, dass die Handlung mit ihren Twists sehr auf billige Effekte setzt. Um dem verrückten Spiel eine dann doch ganz ernste Dimension zu geben, ploppt eine viel größere Geschichte auf, die hinter dem Hasen-Überfall steht. Es geht um einen Waffendeal mit dem Staat, gefälschte Gutachten, einen Mord, der jemandem untergeschoben werden soll.

Und Falke muss am Ende seiner Kollegin noch hochdramatisch beispringen, denn die Lorenz-Show im ­Innern des Einsatzes droht zu scheitern, als doch eigentlich schon alles vorbei sein könnte.

Den vor Ideen sprudelnden und unbedingt auf Spannung zielenden Plot muss man nicht logisch finden, und manche Gimmicks – wie das im falschesten Moment tragischerweise aus dem Bühnen-Ei springende Playmate – darf man mit gutem Recht für albern halten. Außer man schaltet mental auf den Schweiger-Kanal und findet plötzlich alles genau richtig. Das große Rad, an dem hier alle drehen, und das große Theater, in dem die fünf Terror-Hasen ihre Rolle mehr schlecht als recht spielen. Es wirkt ein bisschen so, als wollten Möhring/Schmidt-Schaller die anderen, stets heroisch und mit viel Körpereinsatz zu Werke gehenden Hamburg-Ermittler Schweiger/Yardim mit ihrem vierten Fall von rechts überholen. Kann man ja wirklich mal versuchen.

Man sollte dabei aber im Hinterkopf behalten, dass Til Schweigers Nick Tschiller schon drei Mal scharf schießend in das Gebäude hineinmarschiert wäre, während Falke draußen noch unruhig herumtigert und das MEK mal machen lässt.

„Tatort: Frohe Ostern, Falke“ Mo, 20.15 Uhr, ARD