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Ausstellungs-Highlights 2023 – die muss man sehen!

| Lesedauer: 7 Minuten
Christo und Jeanne-Claudes „Verhüllter VW-Käfer“ aus dem Jahr 1962 ist Teil der großen Ausstellung „Paris. New York. Grenzenlos“ im Museum für Kunst und Kulturgeschichte auf Schloss Gottorf.

Christo und Jeanne-Claudes „Verhüllter VW-Käfer“ aus dem Jahr 1962 ist Teil der großen Ausstellung „Paris. New York. Grenzenlos“ im Museum für Kunst und Kulturgeschichte auf Schloss Gottorf.

Foto: Christo and Jeanne-Claude Foundation/Wolfgang Volz  

Gerhard Richter, Christo, Cindy Sherman – das kommende Jahr bietet eine Fülle an spannenden Projekten in Hamburg und Norddeutschland.

Hamburg.  Die Zeit „zwischen den Jahren“ lässt sich wunderbar nutzen, um Pläne für die Zukunft zu schmieden: Reisen, neue berufliche Ziele, gute Vorsätze. Wichtige und interessante Ausstellungen zu besuchen gehört auf jeden Fall dazu. Und 2023 bietet sich geradezu dafür an. Denn allein in Hamburg und in vielen anderen norddeutschen Museen haben die kuratorischen Teams tolle Projekte erdacht.

Im Bucerius Kunst Forum gilt es eine der wichtigsten und beeindruckendsten deutschen Expressionistinnen zu entdecken: Gabriele Münter (1877-1962) war weitaus mehr als Wassily Kandinskys Muse und Bewahrerin der klassisch-modernen Künstlergruppe Der blaue Reiter. Sie war großartige Zeichnerin (ihr Können soll weit über das ihres Lebenspartners gereicht haben), Malerin und Fotografin.

Emil Noldes Wohnhaus in Seebüll wird wiedereröffnet

Mit der großen Retrospektive „Gabriele Münter. Menschenbilder“ ab 11. Februar erfüllt sich Direktorin Kathrin Baumstark einen Herzenswunsch; zugleich wird das Jahr der starken Künstlerinnen im privaten Ausstellungshaus eingeläutet. Gezeigt werden Zeichnungen, Skizzen und Fotografien ihrer USA-Reise 1899 bis 1900, die expressiven Einzel- und Gruppenporträts der Jahre 1908 bis 1912, die gemalten und gezeichneten Damenbildnisse der 1920er-Jahre bis zu Münters letzten Kinder- und Selbstporträts (www.buceriuskunstforum.de).

Ein besonderes Ereignis wird die Wiedereröffnung des Nolde Hauses im nordfriesischen Neukirchen: Nach einer langen, aufwendigen Sanierungsphase des von Emil Nolde selbst in den 1920er-Jahren entworfenen und seiner Frau Ada eingerichteten Wohnhauses ziehen seine Kunstwerke am 1. März wieder ein. Dementsprechend lautet auch die erste Ausstellung: „Zurück Zuhause. Emil Nolde – Welt und Heimat“ (www.nolde-stiftung.de).

Grenzenlose Installationen von Christo und Jeanne-Claude

Auf der Museumsinsel von Schloss Gottorf in Schleswig wird das kongeniale Künstler-Ehepaar Christo und Jeanne-Claude mit seinem Lebenswerk aufgefächert. „Paris. New York. Grenzenlos“ (ab 10. März) zeigt die künstlerische Entwicklung des in Sofia ausgebildeten und aus Bulgarien geflohenen Ausnahmekünstlers Christo Vladimorov Javacheff seit Mitte der 1950er-Jahre bis zu seinem Tod im Jahr 2020, wobei die Begegnung mit Jeanne-Claude Denat de Guillebon 1958 in Paris eine zentrale Rolle spielt.

Zusammen sollten sie die internationale Kunstszene mit ihren spektakulären Installationen im öffentlichen Raum prägen. In zehn thematischen Kapiteln sind ihre wichtigsten Projekte zu sehen, darunter natürlich die Verhüllung des Reichstages in Berlin (1971 bis 1995), die Verhüllung des Arc de Triomphe in Paris (2019) sowie das noch nicht verwirklichte Mastaba-Projekt für Abu Dhabi, das die Dimensionen der Pyramide von Gizeh übersteigen soll (www.museum-fuer-kunst-und-kulturgeschichte.de).

Robert Lebecks Fotografien sind in Lüneburg zu sehen

„Ich bin viel gereist in meinem Fotografenleben, doch um ein spannendes Foto zu machen, musste ich eigentlich nur vor die Haustür treten.“ So unprätentiös kann das nur ein Meisterfotograf von sich sagen. Robert Lebeck (1929-2014) reiste über 30 Jahre lang als Fotoreporter für den „Stern“ um die Welt, erhielt 1991 den Dr.-Erich-Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie und 2007 als erster Fotoreporter den Henri-Nannen-Preis für sein Lebenswerk.

Die Kunsthalle Lüneburg zeigt ab 16. April in der Ausstellung „Hierzulande“ anhand von Arbeiten von 1955 bis 1983, was seine Reportage-Fotografie so besonders macht: Neugier, Mitgefühl, Lebensfreude. Er fotografierte, wenn geküsst, getrunken und getanzt, aber auch wenn geweint, gebettelt oder gelitten wurde. Am FKK-Strand von Kampen auf Sylt, auf der Reeperbahn, im Zug mit Willy Brandt oder Alfred Hitchcock oder im Durchgangslager Friedland, wo er Kriegsheimkehrer fotografierte (www.kunsthalle-lueneburg.de).

Gerhard Richter mal im Duett mit einer lettischen Malerin

Eine spannende Begegnung verspricht die Ausstellung „Double Vision“ (ab 12. Mai) in der Hamburger Galerie der Gegenwart: Sie vereint das malerische Werk von Gerhard Richter, 1932 in Dresden geboren, mit dem Oeuvre der 1938 in Riga geborenen Malerin Vija Celmins. Beiden gemein ist eine bemerkenswerte Eigenständigkeit, die sich durch das Schaffen in den vergangenen sechs Jahrzehnten zieht. Kuratorin Brigitte Kölle deckt weitere Gemeinsamkeiten auf: die Arbeit mit fotografischen Vorlagen, die Vorliebe für die Farbe Grau, die Sichtbarmachung von Sehen und Wahrnehmen.

„Mit einer starken, weiblichen Position als Dialogpartnerin öffnet sich die Möglichkeit, das oft als singulär vorgestellte Werk Gerhard Richters mit einem frischen Blick neu zu befragen und zu entdecken“, so Kölle. Am 15. Dezember eröffnet eine weitere vielversprechende und schon jetzt beworbene Ausstellung: „Caspar David Friedrich. Kunst für eine neue Zeit“ zum 250. Geburtstag des Romantikers (www.hamburger-kunsthalle.de).

NordArt in Büdelsdorf, Otto Dix in den Deichtorhallen

Von einem Großprojekt zum nächsten: Vom 3. Juni bis 8. Oktober lädt die NordArt Besucherinnen und Besucher ins Kunstwerk Carlshütte nach Büdelsdorf. Im riesigen Skulpturenpark sowie in der einstigen Eisengießerei wird aktuelle Kunst aus aller Welt präsentiert (www.nordart.de).

In „Dix und die Gegenwart“ unternimmt die Halle für aktuelle Kunst ab 29. September eine Zeitreise in die Moderne: Im ersten Teil der großangelegten Schau wird der gleichsam populäre wie radikale und provokative Expressionist Otto Dix (1891-1969) mit seinen vermeintlich unpolitischen Arbeiten während der Weimarer Republik, im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit vorgestellt. Seine Auftragsporträts, Landschaften und religiösen Themen erwiesen sich im Nachhinein als geschickt versteckte Kritik an der damaligen Zeit.

Cindy Sherman inszeniert und parodiert die Modebranche

Im zweiten Teil wird sein tiefes Wirken auf die nachfolgende Generation beleuchtet und rund 40 namhafte internationale Künstlerinnen und Künstler der Gegenwart und deren Dix-Rezeption gezeigt, darunter Monica Bonvicini, Marc Brandenburg, Katharina Sieverding und Cindy Sherman.

Letztere erhält in der Sammlung Falckenberg zudem eine eigene große Ausstellung: Die bedeutende US-amerikanische Fotografin, Jahrgang 1954, die für große Modemagazine wie „Vogue“ und „Harper’s Bazaar“ arbeitet, zeigt in „Anti-Fashion“ (ab 7. Oktober) sowohl ihr großes Interesse an der Modefotografie als auch ihre subversive Haltung zur oftmals oberflächlichen, mit stereotypen Rollenbildern und gängigen Vorstellungen von „Schönheit“ arbeitenden Haute Couture. Darauf antwortet Sherman wie gewohnt mit Humor und Inszenierung und schafft damit Bilder, die eben gerade nicht verführen, sondern vielmehr vorführen – und unterhalten (www.deichtorhallen.de).

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