Hamburg

Auch Galerien öffnen nur noch für Geimpfte und Genesene

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Auch im Galeriehaus am Klosterwall gilt ab Sonnabend die 2G-Regel. Von links: Mikiko Sato, Nanna Preußner und Kerstin Hengevoss-Dürkop.

Auch im Galeriehaus am Klosterwall gilt ab Sonnabend die 2G-Regel. Von links: Mikiko Sato, Nanna Preußner und Kerstin Hengevoss-Dürkop.

Foto: Andreas Laible / HA

Einige Hamburger Galeristen haben die 2G-Regel bereits umgesetzt. Ab Sonnabend gilt sie verpflichtend für alle.

Hamburg. Geimpft oder genesen? So lautet ab diesem Sonnabend nicht nur in Geschäften die gängige Begrüßungsformel. Auch in Galerien muss beim Eintritt künftig ein entsprechendes Zertifikat kontrolliert werden, denn diese zählen offiziell zum Einzelhandel. Letzteres ist Fluch und Segen zugleich. Konnten Galeristinnen und Galeristen im vergangenen Jahr davon profitieren, ebenso wie der Handel, im kulturellen November-Lockdown nicht schließen zu müssen, sind sie nun in der Pflicht, die 2G-Regelung konsequent umzusetzen – und nur für Geimpfte und Genesene zu öffnen.

Für Museen und Ausstellungshäuser gilt diese verschärfte Maßnahme seit Montag. Das Museum für Kunst und Gewerbe hatte schon zum 20. November von 3G auf 2G umgestellt. Die Hamburger Kunsthalle hatte bis vor Kurzem einzelne Besuchstage mit 0G-Regelung, also ohne jegliche Beschränkung, angeboten. Außer in der Kunsthalle besteht in allen großen Häusern eine generelle Maskenpflicht, etwa in den historischen Museen, den Deichtorhallen und der Sammlung Falckenberg.

Ruth Sachse, Sprecherin des Landesverbands Hamburger Galerien, kritisiert die Regelung, sieht darin ein „Abwälzen“ der Politik auf den Einzelnen. „Als kulturschaffender Mensch widerstrebt es mir, Menschen vom Galeriebesuch fernzuhalten. Ich hätte mit 3G gut weiterarbeiten können.“ So hat sie sich nun entschieden, keine Veranstaltung stattfinden zu lassen, solange 2G Pflicht ist. Stattdessen vereinbart Ruth Sachse Einzeltermine mit Kunden und setzt auf digitale Angebote. Das habe sich als lukratives Standbein während der Pandemie erwiesen.

Kunstpublikum ist zum großen Teil geimpft

Der Galerist Melvin Heikhaus von Heliumcowboy Artspace in der Neustadt lädt Gäste in den Innenhof ein, um Kunst zu zeigen. Kunstspaziergänge, Schaufensterausstellungen, Bilder-Lieferservice nach Hause – an Kreativität und Flexibilität hat es den Kulturschaffenden während der Pandemie nicht gemangelt. Dass Galerien nun keinen Sonderstatus mehr genießen, ihre Betreiber nicht selbst entscheiden dürfen, wie sie die Besuche regeln, mag manchem aufstoßen. Auch, dass man sie mit Einkaufszentren und Läden in großen Geschäftsstraßen gleichsetzt. Mit einem Besucheransturm ist in den Galerien nicht zu rechnen, zumal das Kunstpublikum ohnehin ein sehr verantwortungsbewusstes sein dürfte, das sich in großer Mehrheit an die geltenden Bestimmungen hält.

Dennoch platzt die neue Regelung auch bei den Galerien in die Hauptsaison, im November und Dezember eröffnen neue Ausstellungen, die Kunden auch zum Weihnachtsshopping animieren sollen. Carolyn Heinz zum Beispiel lädt traditionell mit benachbarten Galeristinnen im Galeriehaus Hamburg zum ARTvent, so auch an diesem Wochenende. Sie wendet, wie einige andere Kollegen auch, ohnehin schon seit Längerem das 2G-Modell an.

Ralf Krüger von der Galerie Feinkunst Krüger in der Neustadt findet die neuen Einschränkungen für Ungeimpfte „in Ordnung“. Bei Ausstellungseröffnungen hätten ohnehin nur Genesene und Geimpfte Zutritt bekommen, die meisten Besucherinnen und Besucher seien geimpft. Und auch während der normalen Öffnungszeiten sei es nie dazu gekommen, „dass man überrannt wird“. Krüger geht sogar so weit, dass er freiwillig auf 2G+ setzt, das heißt, dass er sein Publikum bittet, mit einem aktuellen Testergebnis in die Galerie zu kommen. Eine Maske zu tragen ist hier nicht Pflicht, wird aber empfohlen – so, wie es schon bei der Kunstmesse Affordable Art Fair im November war.

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