Ausstellung in Hamburg

Wie und warum die Farben auf die Landkarten kamen

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Vera Fengler
Eine kolorierte Himmelskarte.

Eine kolorierte Himmelskarte.

Foto: Stiftung Hanseatisches Wirtschaftsarchiv

Eine Ausstellung im MARKK präsentiert spannende Forschungsergebnisse anhand von Material aus den vergangenen fünf Jahrhunderten.

Hamburg.  Städte sind signalrot gekennzeichnet, die Grenze zwischen Ländern ist meist rot, Flüsse erkennen wir – logischerweise – anhand von geschlängelten, blauen Linien. Und auch die Symbole etwa für Eisenbahnverkehr oder Campingplätze sind gestaltet. Farben helfen uns, uns zu orientieren und gewisse Merkmale schnell wiederzuerkennen. Waren geografische Übersichtskarten ursprünglich in Schwarz-Weiß gezeichnet, sind die Farben darauf heute nicht mehr wegzudenken.

Welche Farbmittel wurden verwendet? Woher wussten die Koloristen von den Farben und ihrer Herstellung? Hielten sie sich beim Kolorieren an Anleitungen, oder wichen sie davon ab? Auf Einladung des MARKK, Museum am Rothenbaum, untersuchten Mitarbeitende der Stiftung Hanseatisches Wirtschaftsarchiv, der Commerzbibliothek und vom Centre for the Study of Manuscript Cultures (CSMC) an der Universität Hamburg europäische und ostasiatische Karten aus den vergangenen fünf Jahrhunderten, um Antworten darauf zu finden.

In der Ausstellung „Farbe trifft Landkarte“, die die Forschungsergebnisse präsentiert, wird deutlich, dass Farben nicht nur verschönern; sie steuern auch das Lesen von Karten und verstärken damit ihre Botschaften. So zielen sie etwa auf bessere Kontrolle über dargestellte Gebiete ab, indem sie wirtschaftliche Nutzbarkeit darlegen, politische Zugehörigkeit festschreiben, koloniales Eindringen vorbereiten oder bestimmte Weltsichten präsentierten.

Hamburg-Karte: Kolorierung spiegelt Machtgefüge wider

Zum Beispiel zeigt eine ausgestellte Kartenrolle die chinesischen Machtansprüche auf Nachbarregionen zu Zeiten des sogenannten Boxerkriegs um 1900. Eine Panoramakarte der Heiligen Stätten des Wutai Shan aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist im Stil und in der Farbgebung chinesischer Landschaftsmalerei nachempfunden und hebt die Bedeutung dieser buddhistischen Pilgerstätte hervor. Auch Feldzüge und militärische Aktionen wurden durch Farben markiert: So sind auf dem Plan der „Bataille bey Freyberg“ von 1762 die preußischen Truppen mit Berliner Blau, die feindlichen Truppen dagegen mit Schüttgelb und rotem Zinnober koloriert.

Auf einem Hamburg-Plan aus der Zeit zwischen 1712 und 1715 sind die Stadt sowie die Elbinseln abgebildet; die Kolorierung der Inseln spiegelt das damals kleinteilige Machtgefüge zwischen Hamburg (rot), Gottorf (lila), Braunschweig-Lüneburg (grün) und Holstein (gelb) wider. Entsprechend dieser dominierenden Farben ist auch die gesamte Ausstellung in vier Kapitel unterteilt: Im Abschnitt Rot wird über Rohstoffe und Herstellungstechniken berichtet, Blau steht für Handel und lokale Verfügbarkeiten, Gelb präsentiert den Themenbereich „Geliebt & Gefürchtet“. Das letzte Kapitel, Zerstörung und Veränderung, ist mit Grün überschrieben.

Ebenso wie Kuratorin Susanne Knödel zeigte sich auch MARKK-Direktorin Barbara Plankensteiner begeistert von den Forschungsergebnissen: „Wir können keine Landkarten mehr ansehen, ohne sofort die Geschichten hinter der Farbgebung zu analysieren, die uns so viel über geografische Informationen hinaus über die Welt erzählen.“

„Farbe trifft Landkarte“ bis 30.1.2022, MARKK (U Hallerstraße), Rothenbaumchaussee 64, Di–So 10.00–18.00, Do 10.00–21.00, Eintritt 8,50/4,50 (erm.), www.markk-hamburg.de

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