Kunst

Neue Ausstellung: Wo Ikea und die DDR aneinander erinnern

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Christa Petroff-Bohne designte auch Suppentassen.

Christa Petroff-Bohne designte auch Suppentassen.

Foto: Georg Eckelt

„Hotel- und Tafelgeräte“: Das Museum für Kunst und Gewerbe widmet der Designerin Christa Petroff-Bohne eine sehenswerte Schau.

Hamburg.  Wir wollen im Nachhinein der Deutschen Demokratischen Republik, die ja nur demokratisch genannt wurde, und dem dem kapitalistischen Westen beigeordneten Nordstaat Schweden nicht mehr Gemeinsamkeiten andichten, als es vielleicht gab. Aber Christa Petroff-Bohnes „Hotel- und Tafelgeräte“, wie die Sozialisten so schön sagten, sehen doch schwer nach Ikea aus. Gefäße und Behältnisse aus Edelstahl wie vom Möbelriesen, aber aus der DDR von anno 1961 – Donnerwetter!

Anders gesagt: Sozialisten waren nicht nur auf Form und Funktionalität, sondern auch eine bestimmte, massentaugliche Eleganz aus. Davon zeugt eine neue Schau im Museum für Kunst und Gewerbe (MK&G). „Schönheit der Form. Die Designerin Christa Petroff-Bohne“ ist dabei die Würdigung einer einflussreichen Frau – und einer der wenigen aus der Riege der DDR-Gestalterinnen und DDR-Gestalter, die nach der Wende auch im Westen auf großes Interesse stießen.

DDR-Gestalterin: „Entwürfe sind legendär“

Das sieht dann für die 1934 im sächsischen Colditz geborene, gelernte Kerammalerin so aus, dass sie sich von den Machern der Ausstellung heute ein „Ihre Entwürfe sind legendär“ attestieren lassen darf. Das könnte insofern stimmen, als viele in der DDR Aufgewachsene Petroff-Bohnes Entwürfe wiedererkennen dürften.

Bereits die Diplomarbeit der Form-Enthusiastin, ein Küchenservice, wurde in großer Stückzahl für den Markt produziert. Für eine westdeutsche Porzellanfirma entwarf sie 1988 ein Teeservice; Teekanne, Milchkännchen und Tasse imitieren jeweils die Form einer Kugel. Das ist ganz hervorragend anzuschauen: echte Schmuckstücke, die man vielleicht sogar verwenden würde

Exponate aus Uni-Seminaren

Von Petroff-Bohnes spielerischem Angang des Themas Design zeugen sämtliche Exponate, die aus ihren Uni-Seminaren stammten. Sie war Jahrzehnte Dozentin an der Kunsthochschule Weißensee, die visuell-gestalterische Grundlagen vermittelte und Generationen von Designern prägte. Auch die DDR brauchte Formen, und Petroff-Bohne half, sie zu etablieren.

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Die ausgestellten Studienarbeiten zu Farben und Grafiken, die ästhetischen Versuche („Körper mit Querschnittsveränderung“) sind derweil nur etwas für Formfetischisten. Und dass Petroff-Bohnes Entwürfe auch veraltet aussehen können, zeigt ihr Handrühr- und Mixgerät „Komet RG 5“. Ihr Eisbecher aus den Sechzigerjahren ist dagegen ein Sammlerstück, eine Pyramide aus Kugelbehältern.

Hamburger MKG setzt ein Denkmal

Aus denen ließe sich mondän Süßes löffeln. Wer will, kann über die Kaffeeportionskannen aus Petroff-Bohnes Design-Werkstatt lachen und auf die sozialistische Mangelwirtschaft verweisen. Es gab ja tatsächlich, Ende der 1970er-Jahre, eine Kaffeekrise in der DDR. Andererseits sind Kaffeeportionskannen nichts anderes als Kännchen. Allein, die Bezeichnung ist halt sozialistischer.

Der Design-Klassikerin Petroff-Bohne wird mit dieser Schau, bei der das MKG mit dem Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden kooperiert, ein Denkmal gesetzt. „Die Schau „Schönheit der Form“ gewährt dabei auch Einblicke in die Industriedesigngeschichte der DDR und das über Petroff-Bohne hinausgehende Design-Personal des bis 1990 existierenden Landes.

„Die Schönheit der Form“ bis 24.10., MK&G, Steintorplatz. Di-So 10 bis 18 Uhr, Do bis 21 Uhr; www.mkg-hamburg.de

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