SHMF

Rauschhaftes Drängen der Liebe in der Elbphilharmonie

Nachwuchsklangkörper der Spitzenqualität im Großen Saal: SHMF gastierte mit dem Orchestra Romana de Tineret aus Rumänien.

Hamburg.  Es ist schon ziemlich beeindruckend, auf welchem Niveau die Nachwuchsklangkörper der Spitzenklasse heutzutage spielen. Das war erst letzte Woche beim SHMF Orchester zu bestaunen – und jetzt gleich wieder, beim Festivalgastspiel des Orchestra Romana de Tineret aus Rumänien, dessen jugendlicher Charme noch eine Spur unbekümmerter leuchtet. Muntere Gruppenselfies vor dem Konzert, unten, an der Hafenseite der Elbphilharmonie. Fröhliche Gesichter und sonnige Stimmung beim Betreten der Bühne.

Aber dann auch: Hingabe und höchste Konzentration, gleich mit dem ersten Aufschmachten der Celli am Beginn der Einleitung von Wagners Tristan, vom erfahrenen Maestro Cristian Mandeal auswendig dirigiert, wie das ganze Konzert. Kaum ein anderes Stück fasst das rauschhafte Drängen der Liebe so schön in Töne wie Wagners romantisches Leidenschaftskonzentrat. Davon können auch junge Menschen im Alter von 18 bis 28 Jahren ein orchestrales Lied singen.

Bunt gemischt wie die Kleiderfarben der Damen

Der starke Auftakt zu einem Programm, das so bunt gemischt war wie die Kleiderfarben der Orchesterdamen. Die Rosenkavalier-Suite von Richard Strauss umkreist das ewige Thema der Liebe quirliger, burschikoser, aber auch nostalgischer und gab Mandeal und seinem Orchester reichlich Gelegenheit, Farbpracht und Flexibilität zu demonstrieren. Dass der ein oder andere kleine Wackler in den Bläsern den Abstand zum Standard eines Berufsorchesters verriet, dürfte kaum jemanden ernsthaft gestört haben. Dagegen fielen die Unschärfen im Zeichnen der musikalischen Charakteren eher ins Gewicht. Das urwienerische Stocken im Dreierschritt des Rosenkavalier-Walzers etwa wirkte nicht organisch, sondern gemacht.

Nach der Pause, bei der fünften Sinfonie von Schostakowitsch, hing die Frage nach dem passenden Ausdruck noch etwas schwerer im Raum. Hätte das gezackte Motiv der Streicher gleich in den ersten Takten nicht noch beißender klingen müssen? Weil der Komponist das Gift der Verbitterung in die Töne hineingemischt hat? Erst im weiteren Verlauf der Sinfonie förderten die jungen Musikerinnen und Musiker die beklemmende Wucht des Stücks unmissverständlich zu Tage, dessen scheinbar triumphales Ende von den Schlägen der Paukerin angemessen brachial herbeigeprügelt wurde.

Aber das sollte nicht das letzte Wort bleiben. Mit drei gefeierten Zugaben milderte die sympathische Truppe diese als Jubel getarnte Schockwirkung und deutete an, dass ihr das Schmissige und Unbeschwerte womöglich doch noch näher liegt als der düstere Abgrund.