Vor der Premiere

So wohnt Harry Potter auf dem Hamburger Großmarkt

Verzaubert: Regisseur Des Kennedy (l.) mit Mehr! Entertainment-Chef Maik Klokow in der „Harry Potter“-Kulisse, die dem Original-Bühnenbild aus London gleicht.

Verzaubert: Regisseur Des Kennedy (l.) mit Mehr! Entertainment-Chef Maik Klokow in der „Harry Potter“-Kulisse, die dem Original-Bühnenbild aus London gleicht.

Foto: Marcelo Hernandez

Für die Show im komplett neu umgebauten Mehr! Theater sind schon jetzt 250.000 Tickets verkauft. Wie Sie Karten gewinnen können.

Hamburg.  Das Gute und das Böse. Der Mut und das Verzagen. Das Reich der Muggels und das der Magie. Zwei Welten begegnen sich, auch darum geht es in J.K. Rowlings „Harry Potter“-Saga. Auf dem Hamburger Großmarkt ist es eigentlich ganz ähnlich. Aus der Maske fällt der Blick auf gestapelte Walnusssäcke, Kisten mit Süßkartoffeln und Kapstachelbeeren, neben den Kostüm- und Wäscheräumen lagern die Weißkohlköpfe. In „Gut“ oder „Böse“ lässt sich hier wenig einteilen, aber zwei Welten prallen doch aufeinander.

„Der Raum an sich ist wie ein Zaubertrick“, grinst Des Kennedy. Kennedy ist ein fröhliches Kerlchen, Ire, und als „International Associate Director“ eine Art Statthalter des britischen Regisseurs John Tiffany. Im Mehr! Theater am Großmarkt ist er dafür verantwortlich, dass die deutschsprachige Erstaufführung der Großproduktion „Harry Potter und das verwunschene Kind“ in Hamburg bald genau so über die Bühne schnurren wird wie am Londoner Westend, auf dem New Yorker Broadway oder in Melbourne.

Zwar mit „längeren Wörtern und längeren Sätzen“ als im Original, so ist sie halt, die deutsche Sprache. Aber eben trotzdem mit der gewissen „Britishness“. Auch dafür sorgt Kennedy. Und der Großmarkt hat es ihm dabei angetan: „Es ist als ob man durch eine magische Wand schlüpft – und plötzlich eröffnet sich ein Theater!“

250.000 Tickets für "Harry Potter" sind verkauft

Das trifft es ganz gut. Auch wenn es hinter der magischen Wand gerade noch ziemlich nach frischer Farbe stinkt.

Aber schon in der kommenden Woche beginnen die Voraufführungen, am 15. März ist die offizielle Deutschlandpremiere. Das Flohpulver kann dann im Schrank bleiben, nach London apparieren (wofür man, wie jeder Muggel weiß, nicht nur Zauberkräfte, sondern vor allem eine entsprechende Lizenz des Zaubereiministeriums bräuchte) muss künftig keiner mehr. Es genügt der kurze Trip nach Hammerbrook.

„Wenn man weiß, wo es ist, dann ist es nicht weit weg“, sagt Maik Klokow über die Lage seines Theaters und lächelt. Zur Gelassenheit hat der deutsche „Harry Potter“-Produzent allen Grund. 250.000 Tickets sind schon jetzt verkauft. Rund 30 Prozent davon gingen an Hamburgerinnen oder Hamburger, die restlichen verteilen sich auf das Bundesgebiet und das deutschsprachige Ausland. 1670 Plätze wollen pro Show gefüllt sein, 2400 Plätze hatte das Mehr! Theater vor dem aufwendigen Umbau.

Mehr! Theater zeigt sich in neuem Gewand

Nun liegt überall Teppich (karminrot im Foyer, dunkelblau im Parkett und im Rang, durchzogen von „H“-Logos), an den Wänden prangen Patronus-Gestalten, im Bühnenraum halten Drachen Laternen im Maul, die jeweils Wappen der Hogwarts-Häuser tragen, Gryffindor, Slytherin, Hufflepuff und Ravenclaw.

Schon jetzt, trotz der Handwerker im Eingangsbereich und der zahlreichen Regiepulte und Bildschirme im Parkett, die den Raum wie eine kleine NASA-Einsatzzentrale wirken lassen, ist zu spüren: Das Gesamterlebnis wird ein komplett anderes als im bisherigen Mehr! Theater. Im Foyer zaubern 1600 Leuchtkörper eine unwirkliche Atmosphäre, und fluffige Plüscheulen warten im Merchandising-Bereich auf Nachwuchs-Zauberschüler. 42 Millionen Euro Investitionen wollen schließlich refinanziert werden.

Testbetrieb startet nächste Woche

Vor allem mit Eintrittskarten. Die sind begehrt, aber nicht eben günstig, zumal jeder Zuschauer zwei braucht: „Harry Potter und das verwunschene Kind“ ist eine zweiteilige Show, die man entweder am selben Tag in einer Marathonvorstellung (mit fast zweieinhalbstündiger Pause) oder an getrennten Tagen sehen kann. Karten kosten ab 49,95 Euro – pro Vorstellung. Schlechte Plätze gebe es nicht, versichert Maik Klokow, ein Satz, der fast wortgleich schon vor der Eröffnung der Elbphilharmonie fiel.

Noch fehlt der Schriftzug an der Außenfassade, die letzte Genehmigung aber sei gerade erteilt, sagt Klokow. Und wer sich über das silbrig glänzende Wellblech-Ufo auf dem Parkplatz wundert: In diesem Neubau finden bis zu 1000 Menschen Platz, hier sollen sie ihre Karten abholen, Sicherheitschecks durchlaufen und Gastronomieangebote finden.

Und während draußen noch die Gabelstapler des Großmarkts rumpeln und drinnen die letzten Zauberstäbe in Regale sortiert werden, beginnt nächste Woche auch im Pavillon der Testbetrieb. Die Premiereneinladungen sind verschickt, ein Begleitraunen in den sozialen Medien ist ausdrücklich erwünscht. Dennoch gilt auch hier ab sofort der Wunsch, der im Londoner Palace Theatre als Ansteck-Button verteilt wird: Keep the Secret! Spoiler verderben nicht nur dem Theater sein Geschäft, sondern vor allem dem Publikum Spaß und Spannung.