Kunst in Hamburg

Kleine Hamburger Galerie verpasst Deichtorhallen Seitenhieb

„o. T. X“ von Viola Bittl bei Feinkunst Krüger

„o. T. X“ von Viola Bittl bei Feinkunst Krüger

Foto: Viola Bittl/Feinkunst Krüger

Galerie Feinkunst Krüger eröffnete unter dem Motto „Heute ist morgen vorbei“ – und holte mit Witz gegen den Konkurrenten aus.

Hamburg.  Wie David in der Bibelgeschichte seine Steinschleuder gegen Goliath, hat die vergleichsweise kleine Galerie Feinkunst Krüger mit Mut und Witz gegen den Riesen Deichtorhallen ausgeholt: Eine Woche bevor die große „Jetzt!“-Ausstellung am Deichtorplatz eröffnete, lud Ralf Krüger zur Vernissage von „Heute ist morgen vorbei“.

Und natürlich konnte das gelesen werden als kleiner, dreister Seitenhieb. Denn Krüger und seine Partners in Crime, die Künstler Stefan Vogel und Sebastian Gögel, hatten einfach alle teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler gefragt, ob sie im Vorfeld bei Feinkunst Krüger ausstellen wollten.

Feinkunst Krüger: Künstler aus großer Ausstellung in kleiner Galerie

„Einige wollten nicht, ein paar haben sich gar nicht zurückgemeldet“, erzählt der Galerist, der 2019 sein 20. Jubiläum auf Kampnagel feierte. Immerhin 22 der insgesamt 53 sind nun in der „Junge Malerei in Deutschland“-Schau vertreten: Der Hamburger Christoph Pröpstel zeigt mit „Holzwegbeschreibung Nr. 517“ ein Ölgemälde, auf dem er Schrift, Grafik und Malerei einritzt. Kurator Stefan Vogel ist mit seiner großen Mixed-Media-Arbeit „Langeweile“ vertreten; dafür wob er ein Bettlaken, in dem er einige Tage geschlafen hatte, in schwarze Bindfäden und versteckte darin in Harz gegossene persönliche Fundstücke.

Franziska Reinbothe faltet die zuvor mit Acryl bearbeitete Leinwand zu „Tired Stripes“ (müde Streifen). Dana Greiners „Preplex“-Arbeiten wirken selbst im Format 90 mal 110 Zentimeter durch ihre präzise Farbstruktur. Sebastian Gögels „Domestic Tools“, hölzerne Vasen, dienen bei Feinkunst Krüger schlichtweg als Raumteiler.

Malerei – das wird schon in dieser kleinen, sehr spannenden Ausstellung klar, ist schon lange nicht mehr auf die Leinwand beschränkt. Sie greift in den Raum, dekonstruiert die Leinwand oder sucht sich Verbündete in Illustration, Zeichnung und Siebdruck wie etwa bei Jonas Weichsel.

Krügers Empfehlung: Danach in die Deichtorhallen

Damit kein böses Blut fließt, hatte Ralf Krüger auch die Kollegen von Kunsthalle und Deichtorhallen zur Vernissage geladen und allen Kulturinteressierten gleich eine Bedienungsanleitung mit auf den Weg gegeben: Nach der Eröffnung bei Feinkunst Krüger sollten sie die „großartige Ausstellung in den Deichtorhallen ansehen“ und dann, im dritten Schritt, in die Galerie zurückkehren, einen zweiten Blick auf das Lieblingsbild werfen und es dann bestenfalls kaufen.

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„Galerien sind als so etwas wie der Grundstein der Künstlerinnen- und Künstler-Laufbahn zu sehen und sind oft der erste Schritt in Richtung museale Aufmerksamkeit“, so Krüger. „Ohne diese ersten Schritte in die Kunstwelt ist es vielen Künstlerinnen und Künstlern nicht möglich, zu späterer Berühmtheit zu gelangen.“

„Heute ist morgen vorbei“ bis 29.2. bei Feinkunst Krüger (U Gänsemarkt, S Stadthausbrücke), Kohlhöfen 8, Do + Fr 12.00–19.00, Sa 12.00–18.00 und nach Vereinbarung, Eintritt frei, T. 31 79 21 58, www.feinkunst-krueger.de