Kultur

Für 300 Millionen Euro: Hamburg saniert Theater und Museen

Andreas Dressel und Carsten Brosda vor dem Thalia Theater: Sie stellten das Mieter-Vermieter-Modell für Kulturimmobilien vor

Andreas Dressel und Carsten Brosda vor dem Thalia Theater: Sie stellten das Mieter-Vermieter-Modell für Kulturimmobilien vor

Foto: Andreas Laible

Um die 23 Kulturimmobilien auf Vordermann zu bringen, wird ein aus dem Schulbereich bekanntes Modell eingeführt.

Hamburg.  Die Stadt Hamburg startet eine wohl beispiellose Sanierungsoffensive für die öffentlichen Kultureinrichtungen: Alle 23 Institutionen – von der Staatsoper über die Kunsthalle und die großen Theater bis hin zum Museumsdorf Volksdorf – sollen in den kommenden 15 Jahren für insgesamt 300 Millionen Euro auf Vordermann gebracht werden.

Der Senat will mit rund 300 Millionen Euro Steuergeldern die staatlichen Theater und Museen grundlegend sanieren. Eine gute Investition?

Die Verantwortung dafür wird zentral bei der städtischen Immobilienfirma Sprinkenhof GmbH gebündelt, die künftig für die Unterhaltung der Gebäude zuständig ist. Dabei wird das aus dem Schulbereich bekannte „Mieter-Vermieter-Modell“ eingeführt: Während die Kulturgebäude bislang mehrere unterschiedliche Besitzer auf städtischer Seite haben, die sich eher nebenbei und unkoordiniert um die Immobilien kümmern, werden die Häuser künftig alle im Besitz von Objektgesellschaften sein, die zentral bei der Finanzbehörde angesiedelt sind. Diese beauftragen die Sprinkenhof mit Unterhalt, Sanierung und Modernisierung der Gebäude und vermieten sie dann an die Kulturbehörde, die sie den Betreibern zur Verfügung stellt.

Brosda: Geld erhält die Kulturbehörde on top

„Die Kulturinstitutionen können sich dann auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren: Kunst und Kultur“, sagte Kultursenator Carsten Brosda (SPD). Er betonte, dass die Miete für die Gebäude zu keinen inhaltlichen Abstrichen führen werde – das Geld erhalte die Kulturbehörde on top.

Das Mieter-Vermieter-Modell schaffe „die Grundlagen für ein umfassendes Modernisierungsprogramm in unseren Kultureinrichtungen“, sagte Brosda. Künftig werde man auch beim Unterhalt der Gebäude der Musik nicht mehr hinterherlaufen, sondern vorausschauend handeln: „Sanierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen in unseren Museen, Theatern und Ausstellungshäusern werden frühzeitig geplant und über Mietzahlungen finanziert.“

Dressel: Mieter-Vermieter-Modell hat sich bewährt

Konkret geht es um folgende Kulturimmobilien: Hamburger Kunsthalle, Museum für Hamburgische Geschichte, Museum für Kunst und Gewerbe, Museum für Völkerkunde, Thalia Theater, Altonaer Museum, Jenisch Haus, Rieck Haus, Helms Museum, Museum der Arbeit, Planetarium, Schauspielhaus, Deichtorhallen, Haus Flachsland, Museumsdorf Volksdorf, Ballinstadt, Torhaus Wellingsbüttel, Staatsoper, Kampnagel, Laeiszhalle, Fabrik, Ballettzentrum, Schloss Bergedorf. Hinzu kommt noch die historische Senioren-Begegnungsstätte Fischerhaus Blankenese.

Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) verwies auf die guten Erfahrungen im Schulbereich, wo nach diesem Muster über mehrere Jahre sogar zwei Milliarden Euro verbaut wurden und noch werden: „Beispiele wie Schulbau Hamburg zeigen, dass sich das Mieter-Vermieter-Modell in Hamburg erfolgreich bewährt hat. Mit Blick auf unsere städtischen Kulturimmobilien ist es deshalb folgerichtig, hier ähnlich zu verfahren.“

Sprinkenhof-Chef Martin Görge erklärte, dass man bereits eine Bestandsaufnahme für die 23 Häuser gemacht habe und daher den Sanierungsbedarf grob auf 300 Millionen Euro taxieren könne. „An jedem dieser Gebäude ist etwas zu tun“, sagte Görge. „das ist auch nicht überraschend, denn der Unterhalt war jahrelang unterfinanziert.“