CD-Kritik

Das Ensemble Resonanz – so intensiv wie eine Rockband

Das Ensemble Resonanz vor der Elbphilharmonie.

Das Ensemble Resonanz vor der Elbphilharmonie.

Foto: Tobias Schult

Neue CD mit Werken von Bryce Dessner, bekannt als Gitarrist der Rockband The National. Ein echtes Hörerlebnis.

Hamburg. Bryce Dessner ist vielen vor allem als Gitarrist der New Yorker Rockband The National bekannt. In den vergangenen Jahren hat er sich aber auch als Komponist von Orchesterwerken und Filmmusiken einen Namen gemacht. 2017 hörte er in der Elbphilharmonie das Ensemble Resonanz seine Stücke spielen und war so begeistert, dass er mit dem Streichorchester ein Album mit seinen Werken vereinbarte.

Vier Kompositionen finden sich nun auf „Tenebre“. Das Titelstück enthält die größten Gegensätze: Wispernde Geigen wechseln sich mit lauten geräuschhaften Passagen ab, die Musiker schrubben ihre Instrumente bis zum Äußersten, um dann wieder in sanft-sphärische Melodie hinüberzugleiten. Der Komponist verlangt den Instrumentalisten einiges ab, aber die versierten Musiker des Ensem­ble Resonanz absolvieren jede noch so schwierige Passage mit Bravour.

Kanufahrt auf reißendem Wildwasserfluss

Besonders beeindruckend ist das 2017 für Steve Reich geschriebene „Skrik Trio“, das Barbara Bultmann (Violine), Tim-Erik Winzer (Bratsche) und Saerom Park (Cello) mit großer Leidenschaft und Präzision interpretieren. Mit seinen Wechseln aus wilden und ruhigen Passagen erinnert es an eine Kanufahrt auf einem reißenden Wildwasserfluss – nach tückischen Stromschnellen folgen immer wieder Passagen, in denen das Boot in stilles Wasser gleitet. Von sakraler Wucht ist das abschließende „Lachrimae“, das sich auf die Musik des Renaissance-Komponisten John Dowland bezieht.

Dessner steht als Komponist in der Tradition der Minimal Music. Seine Stücke basieren oft auf Schichten, die übereinandergelagert sind, und auf Wiederholungen. Die unterschiedliche Dynamik schafft eine enorme Spannung; gleiches gilt für die Überraschungsmomente und Kontrapunkte, die Dessner in seiner Notation bereithält. Diese Stücke für Orchester sind komplex und so intensiv wie ein Rockkonzert.

Bryce Dessner/Ensemble Resonanz: „Tenebre“ (Resonanzraum Records)