Goldschmiedin

Diese Hamburgerin widmet ihr Leben dem Gold

Brigitte und ihr Sohn Arnd Klosowski in der Hamburger Goldschmiedewerkstatt der Mutter

Brigitte und ihr Sohn Arnd Klosowski in der Hamburger Goldschmiedewerkstatt der Mutter

Foto: Roland Magunia / HA

Brigitte Klosowski gehört zu den bedeutendsten Goldschmieden der Stadt. Mit 95 Jahren blickt sie auf ein kreatives Leben zurück.

Hamburg. Drei Wege der Gestaltung, drei Werke von bleibendem Wert, drei Generationen im Kunsthandwerk – eine Familie. Brigitte Klosowski, die an diesem Mittwoch 95 Jahre alt wird, und ihr Sohn Arnd, 65, gehören zu den bedeutendsten Goldschmieden der Stadt und setzen eine künstlerisch-handwerkliche Tradition fort, die Brigittes Vater Otto Stüber (1885-1973) vor mehr als 100 Jahren in Hamburg begonnen hat. Die Goldschmiedefamilie ist ein Musterbeispiel dafür, wie Tradition lebendig bleibt: als Anregung, sich im gleichen Metier selbst zu beweisen, als das Weiterleben von Werten, die Orientierung auch in unterschiedlichen Zeiten und Umfeldern geben, ohne dass daraus ein bloßes Wiederholen und Fortsetzen dessen würde, was die vorherige Generation hinterlassen hat.

Für die Klosowskis gilt: Das Gemeinsame fördert die Individualität. „Wir sind drei Einzelne. Keine Nachfolge war je geplant und hat im engeren Sinne ja auch nicht stattgefunden“, sagt Brigitte Klosowski, die 1994 für ihr Gesamtwerk die Biermann-Ratjen-Medaille erhielt.

Als Otto Stüber 1910 nach Hamburg kam, war er in München beim Hofgoldschmied umfassend ausgebildet worden. Er nannte sich nicht nur Gold- und Silberschmied, sondern auch Ziseleur, weil das plastische Treiben von Formen aus Metall ein Schwerpunkt seiner Arbeit war. „Er war aus der handwerklichen Tradition heraus gewachsen und wendete sich der avantgardistischen Gestaltung zu“, sagt Brigitte Klosowski. Stüber war offen für künstlerische Entwicklungen seiner Zeit. Jugendstil, Art Déco und Neue Sachlichkeit hatten ihn beeinflusst, und er fand darüber seinen eigenen Stil, der zum Wesentlichen führte, nämlich zur Reduktion und zur selbstbewussten Konzentration auf die Schönheit einfacher Formen. Er wollte nicht durch Kostbarkeit der Materialien bestechen, sondern durch Gestaltung. „Er lehnte Juwelenschmuck ab und wollte andere Kunden als das Großbürgertum gewinnen“, erzählt Brigitte Klosowski.

Brigitte Klosowski entwickelte Kombinationsschmuck

Sie studierte zunächst Wandmalerei und Kunsterziehung, bevor sie beim Vater in die Lehre ging. „In dem, was ich tat, wurde ich stets ermutigt. Das war gut für mein Selbstwertgefühl und die selbstständige Arbeit“, sagt Brigitte Klosowski. „Unkonventionellen, aber tragbaren Schmuck“ wollte sie machen und entwickelte einen unverwechselbar eigenen Stil in zwei Hauptlinien. Zunächst quasi bildhauerische Arbeiten im kleinen Format, die nach einer experimentellen Phase der Form- und Oberflächenfindung ihre Vollendung erreichten: mit Broschen, in denen aus jeweils vier gewölbten Flächen (Gold, Silber oder Horn) ein spannungsreiches Gegeneinander kombiniert wurde, das sich zu einer harmonischen Form fügte und ein wenig an die „großen Geschwister“ des Bildhauers Henry Moore denken lässt.

Zum anderen überraschte Brigitte Klosowski Mitte der 70er-Jahre mit der innovativen Idee von Kombinationsschmuck: Sie entwickelte ein System für Ringe, Halsreife und Ohrhänger, das es Kunden erlaubte, sich aus dem Angebot von Bestandteilen aus Metall und beispielsweise Blauachat- oder Chalzedon-Kugeln ihre individuellen Schmuckstücke selbst zusammenzustellen.

Arnd Klosowski war als Kind ein technischer Tüftler, das Goldschmieden war durch die Mutter stets gegenwärtig. Er studierte in München bei einem Goldschmied, der ein ganz anderes Temperament als er selbst hatte, nämlich bei Hermann Jünger (1928-2005), der eher verspielt, manchmal archaisch, oft farbenfroh mit vielen Steinen arbeitete. „Ich wollte von ihm lernen, wie einfache Sachen kostbar gemacht werden – wie man den Stücken eine Aura gibt“, sagt Arnd Klosowski.

Klosowskis Schmuck ist noch immer öffentlich präsent

In seinem Schmuck hat er beides vereint: sein konstruktives Talent, das ihn neue technische Lösungen finden lässt, und auch das Geheimnis der Aura. Arnd Klosowski hat Ringe, Ohrschmuck, auch Uhrgehäuse gefertigt, vor allem aber Ketten – mit ihren strengen geometrischen Grundformen wirken sie manchmal wie aus einem Stück und überraschen durch ihre verborgene Verbindungstechnik beim Tragen als geschmeidige, fließend weiche Schmuckstücke. Erstaunlich ist auch die gestalterische Vielfalt, mal asketisch strenge rhythmisierte Formen in Silber, mal verspielt mit farbigen Steinen.

Gemeinsam ist den Klosowskis die Einheit von Leben und Arbeit. Brigitte Klosowski arbeitete einst im Wohnbereich, Arnds Familie ist umgeben von Möbeln, die er entworfen, zum Teil auch gefertigt hat: ein bequemer Sessel aus Pappe, Tische, Stühle, Regale, Lampen. „Das hilft auch bei der Gestaltung von Schmuck – und umgekehrt“, sagt er.

„Mir ist wichtig, dass ein Objekt eine möglichst vollkommene Form hat und dass die Funktion stimmt. Wenn beides zusammenkommt, bin ich zufrieden“, sagt Brigitte Klosowski, die 2018 ihr Handwerk aus Altersgründen aufgab, aber mit ihrem Schmuck noch immer präsent ist, sei es in öffentlichen Sammlungen wie dem Museum für Kunst und Gewerbe oder im Gebrauch ihrer Kunden – klassische Schönheit altert nicht.