Auszeichnung

Spannende Offenbarungen im Literaturhaus

Die Brandenburgerin Antje Rávik-Strubel hat den diesjährigen Preis der Literaturhäuser gewonnen.

Hamburg.  Sie hatte zwar keinen aktuellen Roman mitgebracht. Den musste sie auch gar nicht geschrieben und veröffentlicht haben. Mit dem Preis der Literaturhäuser werden jährlich der Autor oder die Autorin und deren Werk ausgezeichnet, der oder die sich „für neuartige Konzepte der Vermittlung von Literatur starkmacht“. Im Falle der 2019er-Preisträgerin Antje Rávik Strubel las sich das gewaltige Jury-Lob wie folgt: Durch die Art der Potsdamer Autorin, über Literatur zu sprechen, werde „jede Veranstaltung mit ihr zu einem unwiederholbar eigenen Ereignis“.

15.000 Euro Preisgeld und eine Lesereise

Was sicher ein Kunststück ist. Zu dem Preis, der mit 15.000 Euro dotiert ist, gehört außerdem eine Lesereise durch die angeschlossenen Literaturhäuser. Wie gesagt, kein neuer Text stand dafür zur Verfügung, aber am Schwanenwik, beim Hamburg-Stopp der viel gelobten Schriftstellerin, sollte das kein Mangel sein. Es gibt auch Offenbarungen jenseits der Romanprosa. Die 1974 in Potsdam mit dem ziemlich brandenburgischen Namen Antje Strubel geborene Künstlerin klärte etwa endlich mal darüber auf, woher das „Rávik“ kommt: Es sei, so Strubel, ein Fantasiebegriff für die Entrücktheit, in die sie beim Schreiben gerate. „,Rávik‘ ist ein Klang“, sagte sie.

Damit war dann geklärt, dass hier jemand am Beginn seiner Schreibkarriere eben kein Pseudonym wählte, sondern seinem Namen angenehm rätselhaft erweiterte. Mit Moderatorin Natascha Freundel sprach Strubel, die unter anderem in New York studiert hat und ausgebildete Buchhändlerin ist, über ihre Erinnerungen an die untergegangene DDR. Um die geht es auch in „Sturz der Tage in die Nacht“, jenem 2011 erschienenen Inselroman, der in Hamburg im Mittelpunkt stand. Strubels Lesung erinnerte nachdrücklich daran, wie rhythmisch der Stil dieser begabten Autorin ist.