Hamburg

Kunsthalle leidet finanziell unter dem Super-Sommer

Die Hamburger Kunsthalle

Die Hamburger Kunsthalle

Foto: Marcelo Hernandez

Norbert Kölle, Geschäftsführer des Museums, über Probleme seines Hauses und kreative Lösungen – auch bei Sonnenschein.

Hamburg.  Die Zahlen aus dem aktuellen Kulturausschuss haben es zutage gebracht: Die Hamburger Kunsthalle wird mit einem größeren Minus als gedacht ins Jahr 2019 starten; es ist von einem Finanzloch von über 300.000 Euro die Rede.

Herr Kölle, wie erklären Sie sich Ihre schwierige finanzielle Situation?

Norbert Kölle: Während wir in den ersten Monaten des Jahres noch über unseren Planzahlen lagen, sind die Besucherzahlen mit Beginn des heißen Sommers im Mai drastisch zurückgegangen, trotz der noch bis dahin erfolgreich laufenden Thomas-Gainsborough-Ausstellung. Auf dieser Basis wurden die Zahlen hochgerechnet und ergaben dann diese Prognose.

Laut Kulturbehörde soll es auch in den anderen Museen im Juli und August zu einem Besucherrückgang gekommen sein. Das heißt, dass es kein Kunsthallen-Problem ist.

Der Sommer hat uns einfach die Besucherzahlen verhagelt. Seit April haben wir mediterranes Klima, und der Sommer will einfach nicht aufhören. Das freut mich für die Stadt und die Touristen. Aber für die Museen in Hamburg ist es ein gravierendes Problem. Dieses Alarmzeichen haben wir auch an die Kulturbehörde weitergeleitet.

Wie hat man dort darauf reagiert?

Sehr verständnisvoll. Bei uns kommt noch hinzu, dass wir Restschulden aus dem Renovierungsjahr 2016 haben, die wir schrittweise abbauen werden.

War die Erhöhung der Eintrittspreise vielleicht ein Fehler?

Nein. Die sehr guten Besucherzahlen in den Wintermonaten sprechen klar dagegen. Ich sehe das Hauptproblem in den hohen Temperaturen. Statt der geplanten 350.000 werden wir in diesem Jahr wohl nur höchstens 320.000 Besucher haben. Ich bin eigentlich Kulturmanager, mache aber im Moment nichts anderes als Wetterprognosen.

Kunsthalle muss Selbstvermarktung voranbringen

Das Wetter lässt sich nicht beeinflussen. Wie wollen Sie auf den Besucherschwund reagieren?

Unsere große Aufgabe ist jetzt die Selbstvermarktung: Als modernes Haus mit einer der stärksten Sammlungen Nordeuropas müssen wir gezielt die wichtigen Akteure ansprechen, etwa Hamburg Tourismus, Reise-, Bus- und Kreuzfahrtunternehmen. Das bedeutet viel Arbeit; das hat man vielleicht in der Vergangenheit unterschätzt.

Kultursenator Carsten Brosda stellt den Hamburger Museen im Haushalt vier bis fünf Millionen Euro an zusätzlichen Mitteln als Ausgleich für gestiegene Tarife und allgemeine Kostenentwicklungen bereit. Rund zwei Millionen Euro stehen dann für verschiedene Projekte zur Verfügung, um den Erneuerungsprozess in den Häusern zu unterstützen. Das kommt Ihnen wahrscheinlich sehr entgegen ...

In der Tat. Im Moment bewerben wir uns für den Investitionsfonds der Kulturbehörde und erarbeiten innovative Konzepte zur Kunstvermittlung. Schon jetzt wird unsere Plaza regelmäßig von Tangotänzern in Beschlag genommen. Wenn die kommenden Sommer wieder so heiß werden, müssen wir über ein attraktives Programm auf den Außenflächen nachdenken.