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Die NDR-Tochter Studio Hamburg wächst weiter

Kai-Hinrich Renner

Foto: Andreas Laible / HA

Kai-Hinrich Renner

Studio Hamburg war für den Gebührenzahler drei Jahre ein teures Vergnügen. Dann übernahm Johannes Züll die Geschäftsführung.

Hamburg. ARD und ZDF besitzen privatwirtschaftliche Töchter, die ihr Geld selbst verdienen müssen. Jedenfalls theoretisch. Denn machen diese Tochtergesellschaften Verlust, muss für den die öffentlich-rechtliche Mutter aufkommen.

So gesehen war Studio Hamburg für den Gebührenzahler drei Jahre ein teures Vergnügen. Die TV-Produktionsgesellschaft ("Tatort", "Großstadtrevier") gehört dem NDR und zählt neben der Ufa und der Bavaria zu den Marktführern der Branche. 2011 machte die Firma 2,88 Millionen Verlust. 2012 lag das Minus gar bei 13,02 Millionen und 2013 bei immer noch 10,36 Millionen Euro.

Rote Zahlen schreibt nur noch Studio Berlin

Mitte 2014 übernahm Johannes Züll die Geschäftsführung der NDR-Tochter. Und siehe da: Im selben Jahr wies Studio Hamburg mit 73.000 Euro wieder einen kleinen Gewinn aus, der aber im Wesentlichen auf den Verkauf eines Teils des Studiogeländes zurückzuführen war. 2015 lag der Jahresüberschuss bereits bei gut 900.000 Euro. Und 2016 - noch steht dies nicht im Bundesanzeiger - verzeichnete die Produktionsgesellschaft laut vorläufiger Zahlen ein Plus von 2,2 Millionen Euro.

Der Umsatz stieg vergangenes Jahr von 282 Millionen auf knapp 300 Millionen Euro. Rote Zahlen schreibt nur noch der Ableger Studio Berlin. Dort wird "The Voice of Germany" ebenso produziert wie der Talk von Anne Will. 2019 sollen auch in der Hauptstadt schwarze Zahlen geschrieben werden. Züll kommt übrigens vom Privatfernsehen. Er arbeitete zuletzt für das kroatische RTL Televizja.

Eine Ära geht zu Ende

Mitte kommenden Jahres geht eine Ära zu Ende. Dann werden Produktionen des Münchener Filmemachers Alexander Kluge nicht mehr im Privatfernsehen zu sehen sein. Seit 1988 zeigt er in Formaten wie "10 vor 11" oder "Prime-Time Spätausgabe" auf RTL - zeitweise auch auf Sat 1 - ambitionierte Kunstfilme und Interviews. Dafür hatte er zum Leidwesen der Chefs der betroffenen Privatsender als sogenannter unabhängiger Dritter eine eigene Sendelizenz. Für die am 1. Juli 2018 beginnende neue Vergabeperiode hat er aber keine eigenen Produktionen eingereicht.

Komplett auf eine Bewerbung verzichtet hat Kluges Produktionsgesellschaft DCTP, an der auch die japanische Werbeagentur Dentsu und der "Spiegel" beteiligt sind, aber nicht. Sie bewirbt sich für den RTL-Sendeplatz am Montag von 23:25 Uhr bis 0 Uhr – allerdings nicht mit einer Produktion des Filmemachers, sondern mit "Spiegel TV Magazin". Das Flaggschiff von Spiegel TV mit Moderatorin Maria Gresz läuft seit fast 30 Jahren am Sonntagabend, derzeit von 22:45 Uhr bis 23:30 Uhr. Doch diesen Sendeplatz hat RTL für unabhängige Dritte nicht neu ausgeschrieben.

Unattraktiver Sendeplatz

Der Sendeplatz am späten Montagabend ist nicht nur zehn Minuten kürzer als der bisherige. Er gilt auch als unattraktiv. Auf mindestens die Hälfte der bisherigen Einnahmen werde Spiegel TV wohl verzichten müssen, sagt ein Insider. Die Spiegel Gruppe mag sich dazu nicht äußern. Zudem ist offen, ob sie den Sendeplatz überhaupt erhält. Es gibt immerhin acht weitere Bewerber. Und die Zeiten, da Bewerbungen unter dem Dach der DCTP von den zuständigen Landesmedienanstalten anstandslos durchgewinkt wurden, sind vorbei.

Schon seit längerem gibt es Zweifel, dass Spiegel TV – aber auch das ebenfalls mit einer DCTP-Lizenz sendende Stern TV – ein unabhängiger Dritter ist: Zu den "Spiegel"-Gesellschaftern zählt die Bertelsmann-Tochter Gruner + Jahr. Bertelsmann gehört auch RTL. Stern TV wird zwar von Günther Jauchs Firma I&U produziert. Besitzer der Markenrechte ist aber ebenfalls Gruner + Jahr. Wohl auch deshalb hat DCTP diesmal darauf verzichtet, sich mit Stern TV zu bewerben, das RTL künftig komplett in Eigenregie ausstrahlen wird.

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