Lesetage

Rote Flora unversöhnlich im Streit mit Littmann

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Nach Auftrittsverbot für Theatermacher Corny Littmann läuft der Rio-Reiser-Abend bei den „Erneuerbaren Lesetagen“ in der Markthalle statt in der Roten Flora. Ulrich Waller nennt Planung „extrem ungeschickt“

Hamburg. Corny Littmann wird die Rote Flora nicht betreten, dabei bleibt es. Nachdem das Plenum des autonomen Kulturzentrums im Schanzenviertel dem Intendanten des Schmidt Theaters und des Schmidts Tivoli beim konzertanten Rio-Reiser-Abend ein Auftrittsverbot erteilt hatte („Keine Bühne für Littmann“), findet die Veranstaltung von „Lesen ohne Atomstrom — Die erneuerbaren Lesetage“ am 24. April stattdessen in der Markthalle statt. Wie geplant mit Reisers ehemaliger Band Ton Steine Scherben, Selig-Frontmann Jan Plewka, dem Reiser-Biografen Hollow Skai und Littmann als dessen Gast. Der veranstaltende Verein Kultur für alle wechselt die Spielstätte, weil sein Versuch, Littmann und Rote-Flora-Vertreter zum Thema Gentrifizierung auf St. Pauli zum Dialog auf die Bühne zu bringen, von der Roten Flora abgelehnt wurde.

Der Theatermacher nahm das auf seiner Urlaubsinsel Kuba gelassen zur Kenntnis: „Dass die Leute nicht mit mir reden wollen, überrascht mich nicht“, sagte Littmann, der nur das Lied „Irrenanstalt“ singen soll. Er habe gehört, dass die beteiligten Künstler ausschließlich mit ihm auftreten wollten. Da das in der Flora nicht möglich gewesen wäre, folgt jetzt der Spielortwechsel.

Ulrich Waller, Intendant des St. Pauli Theaters, bewertete die ursprüngliche Ansetzung der Abends in dem autonomen Kulturzentrum im Schanzenviertel von den Organisatoren „als extrem ungeschickt“ und die ganze Kontroverse als „ein bisschen absurd“. Kultur für alle hätte die Teilnahme Littmanns Vorfeld abklären müssen. „Es doch bekannt, dass die Rote Flora kein öffentlicher Raum ist“, sagte Waller. Der Theatermacher, der sein Haus bei den erneuerbaren Lesetagen am Tschernobyl-Jahrestag (26.4.) kostenlos für eine Hermann-Hesse-Lesung mit Ben Becker und Jochim Krol zur Verfügung stellt, fügte mit ironischem Unterton hinzu: „Am besten wäre es wohl gewesen, Corny Littmann hätte die Lesung mit Rio Reiser gleich in seinem Haus veranstaltet.“ Wenn es rechtzeitig geplant worden wäre, hätte er es auch gemacht, sagte Littmann. (str)