Prozess um Millionenbetrug

Ki.Ka-Chef: "Mir ist nichts aufgefallen"

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Jana Hildebrand

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Steffen Kottkamp sagte aus, nichts von der Spielsucht und Veruntreuung des angeklagten Herstellungsleiters gewusst zu haben.

Erfurt. Die Betrugsvorgänge beim Kinderkanal Ki.Ka von ARD und ZDF sind dem Programmgeschäftsführer, Steffen Kottkamp, offenbar verborgen geblieben. Er habe keine Kenntnisse von Scheinaufträgen und fingierten Rechnungen gehabt, sagte er am Dienstag vor dem Erfurter Landgericht. Am zweiten Prozesstag wurden zudem Mitarbeiter des Kasinos befragt. Diese gaben an, beim Angeklagten keine Anzeichen für eine Spielsucht erkannt zu haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 43-jährigen Ex-Herstellungsleiter Marco K. Bestechlichkeit und Untreue in 48 besonders schweren Fällen vor. Er soll 61 Rechnungen in Höhe von mehr als 4,6 Millionen Euro zur Bezahlung angewiesen haben, ohne dass dafür Gegenleistungen erbracht wurden. Von der Summe soll er mehr als die Hälfte zurückerhalten haben. Zu Prozessbeginn vergangene Woche hatte er die Vorwürfe als „vollumfänglich zutreffend“ eingeräumt. Als Grund hatte er seine Spielsucht angegeben, mit der er beruflichen Frust ausgeglichen habe.

Kottkamp sagte weiter, dass er von den Vorgängen mit der Berliner Produktionsfirma nichts gewusst habe. Auch die Spielsucht des Angeklagten sei ihm nicht bekannt gewesen. Er beschrieb den Angeklagten als „zuverlässigen Mitarbeiter, der die ihm gestellten Aufgaben präzise erfüllt hat“. Zugleich wies er jedoch dessen Beschreibungen des Arbeitsklimas zurück. Während K. dieses als „rücksichtlos, fast schon brutal und unwürdig“ bezeichnet hatte, sprach Kottkamp von einer eher familiären Atmosphäre.

Der Direktor des Erfurter Kasinos, Maik Krämer, sagte aus, dass der Angeklagte keine Anzeichen für Spielsucht, wie Schweißausbrüche oder lautes Auftreten, gezeigt habe. Er sei ein angenehmer Gast gewesen und seit 2006 regelmäßig ins Kasino gekommen – etwa ein- bis zweimal wöchentlich. Dabei habe er zwischen 2.000 und 5.000 Euro eingesetzt, sagte eine Schichtleiterin. Zu seinen Verlusten konnten beide keine Angaben machen.

Die Schichtleiterin sagte zudem aus, den Notarzt gerufen zu haben, als der Angeklagte einmal einen epileptischen Anfall im Kasino erlitten hatte. Allerdings habe er später abgestritten, dass dies mit den Automaten zusammenhängen könne. Marco K. hatte zum Prozessauftakt ausgesagt, dass er vom Flackern der bunten Geräte epileptische Anfälle bekommen habe. Bei sich andeutenden Anfällen habe er im Kasino entsprechende Tabletten genommen.

Der MDR mit Sitz in Leipzig hatte den Schaden durch die Betrugsfälle mit 8,2 Millionen Euro beziffert. Der Kinderkanal ist ein Gemeinschaftssender von ARD und ZDF und hat seinen Sitz in Erfurt.