Hamburg

Wiedereröffnung vor 50 Jahren: Ja, das Thalia

Foto: Juergen Joost

Ein bisschen Wehmut und schöne Gespräche - die Gala zum Jubiläum des Theaters dauerte lange und war besser als so manche Oscar-Nacht.

Hamburg. Als nach dreieinhalb Stunden Feiern das Ende kaum abzusehen war, stürzten die ersten Zuschauer aus dem Thalia-Theater, denn - und das wissen Leidgeplagte aus dem Thalia-Publikum - das Parkhaus schließt um halb zwölf. Holt man das Auto nicht rechtzeitig heraus, bekommt man es erst Montagmorgen wieder.

Aber zurück ins Theater kamen die Zuschauer dann doch fast alle, denn nach dem stundenlangen Singen, Loben und Erinnern, mit denen zuvor die Feierlichkeiten zur 50-jährigen Wiedereröffnung des Theaters begangen worden waren, gab's nun auf der Bühne, im Foyer und in den Gängen Speisen und Getränke und viele schöne Gespräche.

Drei Thalia-Intendanten waren gekommen - Jürgen Flimm, Ulrich Khuon und Joachim Lux - und viele Schauspieler, die hier groß geworden waren. Und so erinnerte man sich gemeinsam an die tollen Jahre, die man hier verbracht hatte, denn das Thalia war immer auch so etwas Ähnliches wie eine Familie. Peter Jordan moderierte den Abend launig und schlagfertig, lockerer jedenfalls als manche Oscar-Moderation, und als Erster erinnerte sich der ehemalige Bürgermeister Henning Voscherau an dieses Theater, an dem sein Vater einst engagiert war. "Wir sollten nicht danach fragen, was es kostet, in Kultur zu investieren", zitierte er, "wir sollten danach fragen, was es kostet, nicht in Kultur zu investieren."

Immer wieder wurde an die katastrophale Sparpolitik des jetzigen Senats angeknüpft, insbesondere in Erinnerung an Kurt A. Körber, den großen Mäzen, der 1960 eine Million Mark für den Wiederaufbau des Theaters spendiert hatte und damit eine weitere Million vom Senat möglich gemacht hatte. Wie ein Märchen hört sich das heute an. Die Körber-Stiftung verlieh den Boy-Gobert-Preis an Thorsten Hierse vom Jungen Schauspielhaus. Zwei der damaligen Architekten erzählten ebenso Dönekes wie Jürgen Flimm, der wusste, dass es so viele Anekdoten über das Thalia und sein Publikum gibt, dass man ein dickes Buch damit füllen könnte. Kai und Miriam Maertens erinnerten daran, dass ihr Großvater schon 1927 am Thalia debütiert hatte und dass er, als späterer Intendant des Hauses, seinen Fahrer gerne angewiesen habe, er möge vorsichtig fahren, denn jeder Passant könne ein Abonnent sein. Als Ingrid Andree, neben Boy Gobert der Star so vieler Jahre, auf die Bühne kam, gab es jubelnden Beifall. Später beim Essen auf der Bühne kam ein Zuschauer zu ihr und sagte: "Ich habe seit den 50er-Jahren beinahe alles hier gesehen. Aber Sie habe ich am meisten geliebt."

Ja, das Thalia hatte viele große Zeiten. Und viele schöne Zeiten. Ob "Black Rider" oder "Liliom", "Hamlet" oder "Onkel Wanja", immer konnte man wunderbare Schauspieler sehen.

"Mein vorherrschendes Gefühl ist Wehmut", sagte Ulrich Khuon, von 2000 bis 2009 Intendant. Ein wenig wehmütig wurde man dann auch. Über all das Schöne, das nun vorbei ist und nie wiederkommt, denn Theater ist eine flüchtige Kunst. Und obwohl so viele Gäste gekommen waren, fragte man sich, warum manche Schauspieler, die viele Jahre zum Thalia gehört hatten und die immer noch in Hamburg leben, nicht eingeladen waren. Wo waren etwa Hans-Christian Rudolph, Elisabeth Schwarz, Hans Kremer oder Werner Wölbern? Man hat sie vermisst. Und freut sich jetzt wieder auf die Neuen, die seit vorigem Jahr hier spielen, sie setzen die Tradition des Schauspieler-Theaters fort. Einige von ihnen gastieren derzeit in China. Bessere Botschafter kann Hamburg sich kaum wünschen.