Playhamburg12

Jugendliche entwickeln Computerspiele

270 Schüler aus Hamburg treffen beim Mini-Festival "playhamburg12" auch auf Profis aus der Branche. 15 Workshops förderten die Medienkompetenz.

Cihan und Okan sind vorübergehend in einer Sackgasse in dem Labyrinth gefangen, das sie selber entworfen haben. "Wir haben ein Problem mit der Kamera", sagt der eine, während der andere das dreidimensionale Bild so dreht, dass auf dem Bildschirm statt einer stacheligen Oberfläche eine dichte Front von Hochhäusern sichtbar wird, durch die der Irrweg führen soll. Ein erneuter Perspektivwechsel, diesmal zum Überfliegerblick, zeigt den Weg hindurch zum Ziel, einer Art Lichtung. Dort wartet der "Endgegner" - momentan bleibt er wegen des Kameraproblems allerdings noch im Häuserwald verborgen.

Obwohl noch einiges an Feinarbeit nötig ist, haben die beiden Neuntklässler von der Ida-Ehre-Schule in Eimsbüttel schon jetzt Erstaunliches geleistet. In nur einer Stunde haben Cihan und Okan eine Idee und die virtuelle Umgebung dazu entwickelt und ihr kleines Computerspiel programmiert - und das im unruhigen Umfeld einer ehemaligen Werkhalle in einem Bahrenfelder Hof, wo einen Tag lang das Mini-Festival "playhamburg12" stattfindet. Die beiden gehören zu den 270 Jugendlichen, die im vergangenen Schuljahr an dem Projekt "generation@" teilgenommen haben, das - unterstützt von der BürgerStiftung Hamburg und dem Online-Glücksspielanbieter Tipp24 - in 15 Workshops an drei Stadtteilschulen die Medienkompetenz fördern sollte.

"Playhamburg12" bietet den Schülern nun ein Forum, ihre Projekte zu präsentieren und darüber hinaus ihre neu erworbenen Fertigkeiten auch in kleinen Spielideen und digitalen Kurzfilmen vor Ort auszuprobieren. Ein zusätzlicher Reiz liegt darin, dass die Schüler an diesem Tag auf Profis aus der Computerspiel-Szene treffen, auf Game-Designer, Game-Producer, Zeichner sowie auf einen Professor und Studenten vom Masterstudiengang Games an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

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Organisiert wurde das Ganze von der Initiative Creative Gaming, in der seit 2006 Medienpädagogen, Spieleentwickler, Künstler und Kunsterzieher zusammenarbeiten. "Es geht uns um einen konstruktiven Umgang mit dem Thema Computerspiele. Wir wollen allen Beteiligten zeigen, was an positiven Möglichkeiten in den Spielen steckt", sagt Andreas Hedrich von Creative Gaming und fügt hinzu, dass Begegnungen dabei eine zentrale Rolle spielen: "Jugendliche können in unseren Workshops ihre eigene Kreativität am Computer entdecken und Freiheit gewinnen, indem sie lernen, wie man Regeln bricht, die von den Herstellern gegeben werden. Etwa indem man ein Egoshooter-Spiel zur pazifistischen Herausforderung macht, indem man demonstriert, wie sich dort mit Geschick auch ohne Waffen lange überleben lässt. Und Erwachsene, Lehrer und Eltern, zum Beispiel, können lernen, eine Welt zu begreifen, in der sie sich gewöhnlich nicht bewegen. Daraus entstehen neue Möglichkeiten der Kommunikation und oft sehr schöne Gemeinschaftserlebnisse."

Lehrerin Heinke Harmel von der Ida-Ehre-Schule bestätigt die positiven Effekte: "Das Projekt war auch für mich ein gigantisches Lernerlebnis. Ich habe gesehen, dass die Klasse zu 100 Prozent motivierbar ist." Am Anfang, so erzählt die Lehrerin, stand ein kurzer Lernprozess. Die Schüler dachten, sie würden sofort anfangen zu programmieren, und mussten stattdessen erst einmal Storyboards und Designs entwickeln. Die leicht verständlichen Module der visuellen Programmiersprache Kodu brachten rasche Erfolgserlebnisse und sichtbare Ergebnisse. Dieser gänzlich neue Zugang entzauberte gewissermaßen die Computerspielwelt und erschloss neue Reize. "Nebenbei lernten die Schüler quasi spielerisch etwas über das Erzählen von Geschichten oder über die Nutzung von Excel bei der Auswertung von Publikumsbefragungen. Außerdem wurden ihr kritischer Umgang mit dem Medium ebenso wie ihr Selbstvertrauen gefördert - sie wussten zum Teil mehr über das Thema als ich", erzählt Heinke Harmel. Sie deutet auf ihre schwer beschäftigten Schüler und sagt: "Sehen Sie, kaum jemand nutzt die hier angebotenen Spiele. Sie arbeiten lieber in Gruppen an ihren eigenen Ideen."

Maurice Hagelstein, Lead Game Designer bei Bigpoint, einem Portal für Browser- und Online-Spiele, ist einer der Gäste, die aus der Praxis erzählen und den Jugendlichen helfen, berufliche Perspektiven zu entdecken. Er empfiehlt, so wie er selbst den eigenen Traum zu leben, ohne dabei medienunkritisch zu sein.

Videogames sieht er als Chance für viele: "Wir alle lieben es zu spielen - und Spiele verbinden uns. Computerspiele können eine eigene Kunstform sein und alle Altersgruppen zusammenführen. Sie können Menschen bewegen und Gemeinschaftserlebnisse schaffen. Es wäre schade, wenn Menschen sich dem aus Unkenntnis verschließen."