Wechsel am Ernst-Deutsch-Theater

Was plant Volker Lechtenbrink als neuer Intendant? Und warum gibt Isabella Vértes-Schütter die Leitung ab?

Hamburg. "Das Haus bleibt in der Familie." Isabella Vertes-Schütter, Intendantin des Ernst-Deutsch-Theaters (EDT), präsentierte mit diesen Worten gestern ihren Nachfolger in der Direktion der Privatbühne: den Schauspieler und Regisseur Volker Lechtenbrink. Er wird an ihrer Stelle für fünf Jahre das Theater mit Geschäftsdirektor Jens-Peter Löwendorf leiten. Für ihn wie für Lechtenbrink kam Vertes-Schütters Entscheidung, sich eine Auszeit zu nehmen, überraschend.

Vor einer Woche erreichte den Schauspieler das Angebot beim Kaffee. Nach drei Tagen Bedenkzeit hat er sich entschlossen, anzunehmen. "Das Theater ist meine künstlerische Heimat, und ich bin stolz auf das mir entgegengebrachte Vertrauen."

Lechtenbrink spielte und inszenierte 1972 erstmals am EDT, zuletzt zu seinem 50. "Des Teufels General". Schon Friedrich Schütter hatte ihn 1993 als Kronprinz und Oberspielleiter ausgeguckt. Zur Eröffnung der kommenden Saison am 18. August, seinem 60. Geburtstag, wird Lechtenbrink die Feydeau-Farce "Der Floh im Ohr" in der Regie von Wolf-Dietrich Sprenger spielen und dann noch eine Produktion inszenieren. "Das war schon lange geplant", betont er, "ist aber doch ein schöner Einstand."

Schon bevor Isabella Vertes-Schütter zum Kompetenz-Team des SPD-Kandidaten Thomas Mirow gehörte und sich bereit erklärte, für eine rot-grüne Regierung als Kultursenatorin zu kandidieren, hat sie an eine Kreativpause am Theater gedacht.

"Ich war mir nur nicht über den richtigen Zeitpunkt im Klaren", sagt Vertes-Schütter. "Ich denke, jeder, der eine Verantwortung für ein solches Haus trägt, ist aufgerufen, immer wieder über Erneuerungen nachzudenken und sorgfältig zu überlegen, an welchem Punkt er neue Erfahrungen sammeln und loslassen sollte, um mit neuem Horizont zurückkehren zu können."

Seit 1995 ist sie als Nachfolgerin ihres damals verstorbenen Mannes Geschäftsführerin und künstlerische Leiterin des Privattheaters. Und hält wie der ehemalige kaufmännische Direktor Wolfgang Borchert 30 Prozent an der GmbH, an der noch Knut Fleckenstein und Jens-Peter Löwendorf mit je 20 Prozent beteiligt sind.

Vom Wechsel auf die Polit-Bühne hat Vertes-Schütter klare Vorstellungen. "Ich werde Kultursenatorin oder nicht. Für einen Platz in der Bürgerschaft stehe ich nicht zur Verfügung."

Sie möchte sich ansonsten ihrer künstlerischen Entwicklung widmen und wieder Theater spielen. "Sollte es mit der Kultursenatorin nicht klappen, habe ich Volker schon versprochen, mit ihm im Feydeau zu spielen. Sonst gibt es noch keine konkreten Pläne."

Aber da gibt es noch die ihr sehr wichtige Familie mit den beiden Söhnen, dem 13-jährigen Daniel und seinem acht Jahre jüngeren Bruder Mischa.

Über die künstlerische Linie des Theaters weiß sich die Intendantin mit ihrem Nachfolger einig. "Wir stehen beide hinter den Projekten für die nächste Spielzeit. Lechtenbrink und Friedrich Schütter waren schon eng verbunden in Freundschaft und künstlerischer Arbeit, und wir beide sind das auch. Ich bin gespannt auf die neuen Impulse, die er dem Theater geben wird." Auch der kaufmännische Direktor Jens-Peter Löwendorf steht hinter der Entscheidung und hält die Übernahme für eine wunderbare Lösung.

"Wir wollen für unser Publikum das Beste geben und keine Abonnenten vergraulen", umreißt Lechtenbrink sein Programm. "Ein Privattheater kann es sich nicht leisten, Dinge gegen die Leute zu machen, die es am Leben erhalten."

Als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele von 1995 bis 1997 hatte er Gelegenheit, sich mit den Basisaufgaben eines Direktors vertraut zu machen. "Ich hatte einen großen Apparat, und das war eine gute Schule."

Natürlich möchte Lechtenbrink eigene Akzente am EDT setzen, sich diese zuvor genau überlegen. Ab seiner zweiten Spielzeit zeichnet er völlig verantwortlich für das Programm. Vielleicht wird er inszenieren und auch spielen. "Aber nicht dann, wenn ich einen Besseren finde."

Unbedingt möchte er "plattform"-Festival und Jugendtheater im Studio weiterführen, denkt auch an Late-Night-Vorstellungen für spezielle Stücke. "Ich habe viele Träume und versuche, einige davon zu verwirklichen."