Zerstückelte Frauenleiche

Neue Spur im Mordfall Maria A. – es geht um ein T-Shirt

Lesedauer: 5 Minuten
Chefermittler  im Fall "Rosa", Christian Meinke, präsentiert ein T-Shirt, das eine wichtige Rolle im Fall der zerstückelten Frauenleiche in Hamburg spielt.

Chefermittler im Fall "Rosa", Christian Meinke, präsentiert ein T-Shirt, das eine wichtige Rolle im Fall der zerstückelten Frauenleiche in Hamburg spielt.

Foto: Andre Zand-Vakili

Vor drei Jahren wurden in Hamburgs Gewässern Leichenteile einer Prostituierten gefunden, die in St. Georg gearbeitet hatte.

Hamburg. Drei Jahre lang ermittelte die Hamburger Mordkommission im Fall „Rosa“, der ermordeten und zerstückelten Prostituierten Maria A. (48), die aus St. Georg verschwand. Bis heute ist der mysteriöse Mordfall nicht geklärt. Jetzt, fast genau drei Jahre nach der Tat, gibt es eine neue Spur. Es geht um ein T-Shirt, an dem DNA des Opfers, aber auch des möglichen Täters gefunden wurden.

„Es ist absolut tatrelevant“, so Chefermittler Christian Meinke, der am Dienstag die neuen Erkenntnisse in dem Fall präsentierte. Das Kleidungsstück war vor 2015 verkauft worden. Nur wenige Tausend wurden bundesweit in Umlauf gebracht. Inzwischen führte die Polizei eine Reihenuntersuchung mit etwa 60 Verdächtigen durch. Erfolglos. Dennoch bleibt das auffällig große Herren-T-Shirt (3XL) die heiße Spur. Denn die Ermittler sind sich sicher, dass das im Bereich Leuchtfeuerstieg (Rissen) am Elbufer aufgefundene T-Shirt eine wichtige Spur zum mutmaßlichen Täter sein könnte.

Leichenteile wurden am 3. August 2017 entdeckt

Eine Fehleinschätzung hatte das T-Shirt zu einer „Nebenspur“ gemacht. Bislang vermuteten die Ermittler, dass die Leichenteile eineinhalb Kilometer vom Fundort entfernt beim Anleger Wittenbergen ins Wasser geworfen worden waren. Mittlerweile geht die Polizei davon aus, dass die Leichenteile in der Nähe des Fundortes ins Wasser geworfen worden wurden.

Am Dienstag präsentierten die Ermittler neben einem Bild des T-Shirts auch die aktualisierte interaktive Karte, auf der alle relevanten Informationen zu dem bislang ungeklärten Tötungsdelikt dargestellt werden.

Mordfall Maria A. – hier geht es zu der interaktiven Karte

Am 3. August 2017 waren dort in Höhe der Landesgrenze bei Rissen Leichenteile entdeckt worden. Es waren Überreste der 48 Jahre alten Maria A., einer Mutter dreier Kinder. Die in Spanien lebende Frau aus Äquatorialguinea kam regelmäßig nach Hamburg, um hier im Bahnhofsviertel als Prostituierte zu arbeiten.

Ein "Fachmann" soll die Körperteile abgetrennt haben

So wie sie machen es mehrere Frauen aus ihrer Heimat. Es ist eine abgeschottete Szene, die außer zu Freiern kaum weitere Berührungspunkte zu Personen in Hamburg hat. In St. Georg war Maria A. am 1. August 2017 auch das letzte Mal lebend gesehen worden. Nach Erkenntnissen der Polizei war sie mit einem 50 bis 55 Jahre alten Mann in Richtung Bremer Reihe gegangen.

Ein Angler hatte am 3. August 2017 in Rissen im flachen Wasser Leichenteile entdeckt – darunter einen Oberschenkel. Im Laufe des folgenden Monats wurden weitere Leichenteile gefunden – insgesamt zählte die Polizei zwölf Leichenteile, darunter auch den Kopf, verteilt über die Gewässer Hamburgs: unter anderem im Billekanal, in der Brandshofer Schleuse im Tiefstack und sogar an drei Stellen im Goldbekkanal. Die Polizei vermutet, dass die Körperteile von einem „Fachmann“, wie einem Schlachter, Jäger oder Chirurgen, abgetrennt wurden. Die Polizei geht davon aus, dass es irgendwo in einem Raum passierte.

Hamburger Feuerwehr und Polizei suchten nach Leichenteilen:

Zerstückelte Frauenleiche auch Thema bei "Aktenzeichen XY"

In der Folgezeit hatte die Mordkommission mit Hochdruck und großem personellen Aufwand an dem Fall gearbeitet. Die Staatsanwaltschaft lobte 5000 Euro Belohnung aus. Das BKA wurde für Ermittlungen im Ausland eingeschaltet. Über 460 Hinweisen und Spuren zu dem Mord wurde nachgegangen.

Allein mehr als 50 der Hinweise waren im März 2018 eingegangen, nachdem damals der Fall in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY … ungelöst" ausgestrahlt wurde. Es gab Verdächtige und Durchsuchungsbeschlüsse. „Wir habe seitdem intensiv an dem Fall gearbeitet“, so der Leiter der Mordkommission, Girmay Araya. Doch in keinen Fall wurde bislang der Tatverdacht erhärtet.

Lesen Sie auch:

Zeugenaufruf: Wer kennt den Träger eines solchen T-Shirts?

Bislang waren der Mann, der „Rosa“ am 1. August begleitete, und ein heller Van die „heißesten Spuren“ im Fall „Rosa“. Der Wagen war an dem Tag, an dem die Leichenteile am Anleger Wittenbergen, etwa eineinhalb Kilometer vom Fundort der Leichenteile, ins Wasser geworfen wurden, in der Nähe des Fundortes von Kindern gesehen worden. Diese zweite Spur hat sich zerschlagen.

Nun sucht die Polizei Zeugen, die Angaben zu dem T-Shirt machen oder Hinweise auf den Träger eines solchen T-Shirts geben können. Sie werden gebeten, sich unter der Hinweisnummer 040 4286-56789 der Polizei Hamburg zu melden.