Hamburg

Ehemalige Putzhilfe vor Gericht – wegen Einbruchsserie

Vor dem Landgericht müssen sich Katrin K. und Dawid W. (beide verdecken ihre Gesichter) verantworten – der Prozess soll im Dezember zu Ende gehen.

Vor dem Landgericht müssen sich Katrin K. und Dawid W. (beide verdecken ihre Gesichter) verantworten – der Prozess soll im Dezember zu Ende gehen.

Foto: HA/Bettina Mittelacher

Der 45-Jährigen wird vorgeworfen, mit Komplizen an drei Einbrüchen beteiligt gewesen zu sein. Opfer gefesselt, Schmuck gestohlen.

Hamburg. Die eigenen vier Wände sollten ein Ort der Sicherheit sein. Ein Refugium, in dem der Bewohner vor Gefahren geschützt ist und vorbehaltlos zur Ruhe kommen kann. Elke M. (Name geändert) erlebte ihr Haus dagegen als Ort, in dem sie Schrecken und Gewalt durchstehen musste und wohl auch Todesangst. Die 71-Jährige geriet in die Gewalt von Einbrechern, die sie fesselten und denen sie vollkommen ausgeliefert war. Sie konnte nicht wissen: Was würden die Täter mit ihr anstellen? Würde sie mit dem Leben davonkommen?

Vor dem Landgericht sitzen jetzt zwei Angeklagte, die für die Qualen von Elke M. verantwortlich sein sollen. Katrin K. (45) und ihrem vier Jahre jüngeren Bekannten Dawid W. wird unter anderem schwerer Raub und Wohnungseinbruchsdiebstahl vorgeworfen. Laut Anklage handelt es bei Katrin K. um eine Serientäterin. Sie soll an drei Einbrüchen beteiligt gewesen sein, die im Spätsommer vergangenen Jahres verübt wurden. Dabei wurden den Ermittlungen zufolge Wertsachen für insgesamt mindestens 260.000 Euro gestohlen. Bei zwei der Taten war demnach Dawid W. beteiligt. Als dritter im Bunde muss sich ein weiterer Mann ebenfalls in dem Prozess verantworten. Dem 42-Jährigen wird Hehlerei vorgeworfen.

Täter gelangen über gekipptes Fenster ins Haus

Laut Anklage lief die Tat, der Elke M. zum Opfer fiel, so ab: Es war am späten Abend des 13. September 2018, als zwei Männer sowie die Angeklagte Katrin K. zum Haus der 71-Jährigen in Marienthal fuhren. Während Katrin K. im Wagen wartete, drangen Dawid W. und ein bislang noch unbekannter Mittäter über ein auf Kipp stehendes Fenster in das Haus von Elke M. ein. Beide Täter waren maskiert. Als die Hausbesitzerin die Eindringlinge überraschte, wurde sie von diesen gepackt und in den Keller des Gebäudes geführt.

Dort zwangen die Täter sie, einen Tresor zu öffnen, aus dem die Männer 2000 Euro und darüber hinaus Schmuck stahlen. Dann brachten sie die Frau in ihr Schlafzimmer, fesselten sie und übergossen sie mit Flüssigkeiten – sehr wahrscheinlich Putzmitteln. Was mag in diesen Momenten in dem Opfer vorgegangen sein? Ob sie fürchtete, die Täter würden die Flüssigkeit in Brand stecken?

71-Jährige wurde gefesselt zurückgelassen

Doch die Männer unternahmen nichts dergleichen. Die Eindringlinge ließen das Opfer hilflos zurück. Die Fesselungen führten zu Hämatomen an ihren Handgelenken. Es dauerte rund 45 Minuten, bis Elke M. sich aus ihrer Zwangslage befreien und die Polizei alarmieren konnte. In der Zeit war das Trio längst mit mit seiner Beute in dem Wagen geflüchtet.

Wenige Stunden vor dem Verbrechen sollen Katrin K. und Dawid W. einen weiteren Einbruch begangen haben, diesmal in Wellingsbüttel. Hier kletterten sie laut Anklage an einem Baum und mithilfe einer Leiter auf den Balkon eines Hauses und gelangten so ins Gebäude. Sie stahlen zwei Herrenarmbanduhren, bevor sie in einem Auto flüchteten.

Einbrecherin zuvor als Putzhilfe in Wohnung

Die mit Abstand größte Beute machte Katrin K. laut Anklage bei ihrer ersten Tat am 11. August vergangenen Jahres. Dass in einer bestimmten Wohnung viel zu holen sein würde, hatte sie demnach schon vorher ausgekundschaftet, weil sie bei dem späteren Opfer als Putzhilfe beschäftigt war. Dass die Frau, die bei ihm unter anderem die Teppiche saugte und die Küche in Ordnung brachte, zugleich offenbar die Wohnung nach möglichem Diebesgut taxierte, ahnte ihr Arbeitgeber nicht.

Doch schließlich fuhr die 45-Jährige den Ermittlungen zufolge mit einem bisher unbekannten Mittäter zu besagter Wohnung, wo der Komplize die Terrassentür aufgehebelt habe, während Katrin K. im Auto wartete. Dann soll der Mann aus einem Tresor 220.000 Euro sowie Schmuck gestohlen haben, woraufhin das Duo gemeinsam in dem Fluchtwagen davonfuhr.

Biedere Frührentnerin auf Anklagebank

Mit Katrin K. sitzt eine Frau auf der Anklagebank, die eher bieder wirkt mit ihrer hellen Strickjacke und dem zurückgekämmten Haar. Zaghaft lächelt die Frührentnerin ihren Angehörigen im Zuhörerbereich des Gerichtssaals zu, die zum Prozessauftakt gekommen sind. Ebenso wie Dawid W. ist Katrin K. seit knapp sechs Monaten in Untersuchungshaft. Einzig Frank K., der dritte Angeklagte, dem lediglich vorgeworfen wird, an der Aufteilung der Beute beteiligt gewesen zu sein, befindet sich auf freiem Fuß.

Auf die Spur der Angeklagten war die Polizei anhand von Zeugenaussagen gekommen, die sich das Kennzeichen des Fluchtfahrzeugs gemerkt hatten. Darüber hinaus wurde in der Nähe eines der Tatorte ein Käppi gefunden, an dem DNA sichergestellt werden konnte, die auf einen der Beschuldigten hindeutet. Für den Prozess vor dem Landgericht sind bislang neun Verhandlungstage bis Anfang Dezember terminiert. Opfer Elke M. hat sich dem Verfahren als Nebenklägerin angeschlossen. Die Vernehmung der Zeugin werde sicherlich mehrere Stunden in Anspruch nehmen, heißt es im Prozess.

Opfer erlitten Trauma

In nicht wenigen Fällen, in denen Diebe in Wohnungen eingebrochen sind, sind die Opfer anschließend zutiefst verunsichert - und können mitunter aus Angst dort nicht mehr wohnen bleiben. Auch wenn sie dem Täter nicht begegnen: Allein die Tatsache, dass ein Fremder in ihre vier Wände eingedrungen ist und in den persönlichen Sachen gewühlt hat, kann ein Trauma nach sich ziehen. Die Wohnung als Refugium — sie gibt es dann nicht mehr.