Hamburg

Donnerstagsräuber will nach "tragischem" Prozess nachlegen

Der Donnerstagsräuber alias "Richard Gier": Serientäter Michael J. (vor seinem Anwalt Johannes Rauwald) am Montag im Hamburger Landgericht.

Der Donnerstagsräuber alias "Richard Gier": Serientäter Michael J. (vor seinem Anwalt Johannes Rauwald) am Montag im Hamburger Landgericht.

Foto: dpa

71 Jahre alter Serienbankräuber liefert sich Schlagabtausch mit Richterin. Wie eines der Opfer auf das Urteil reagiert.

Hamburg. Der als "Donnerstagsräuber" in die Hamburger Kriminalgeschichte eingegangene Verbrecher Michael J. wird vermutlich nie wieder in Freiheit gelangen: Das Hamburger Landgericht verurteilte den 71-Jährigen am Montag wegen dreier Banküberfälle und eines lebensgefährlichen Schusses auf einen Haspa-Mitarbeiter zu zwölf Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe.

Zudem ordnete die Kammer für den Angeklagten die Sicherungsverwahrung an. Diese zeitlich unbegrenzte Maßnahme sei notwendig, weil Michael J. aus heutiger Sicher auch weiterhin für die Allgemeinheit gefährlich sei, begründete die Kammervorsitzende das Urteil.

Donnerstagsräuber will Revision einlegen

Michael J. kündigte noch während der Urteilsverkündung an, er werde Revision einlegen. Zuvor hatte der Mann, der früher schon 13 Jahre wegen Banküberfällen in Haft gesessen hatte, mehrfach versucht, der Richterin ins Wort zu fallen, was sie jeweils mit energischen Worten unterband. Rund um die Urteilsverkündung ließ sich der 71-Jährige bereitwillig fotografieren.

Urteil auch wegen versuchten Mordes

Das Gericht verurteilte Michael J. unter anderem wegen schwerer räuberischer Erpressung sowie wegen versuchten Mordes. Er hatte in den Jahren 2011, 2017 und 2019 jeweils maskiert und mit einer geladenen Pistole bewaffnet Banken überfallen – stets an einem Donnerstag, was ihm den Spitznamen "Donnerstagsräuber" einbrachte. Bei dem zweiten Verbrechen hatte er einen Schuss auf den Haspa-Mitarbeiter Lars Krause abgegeben, was dieser mit viel Glück überlebte.

Das ist der Donnerstagsräuber Michael J.:

  • Der Hamburger Donnerstagsräuber begeht seit 50 Jahren Verbrechen.
  • Er kam zu seinem Namen, weil er zumeist donnerstags kurz vor Ladenschluss seine kriminellen Taten beging.
  • Der zuletzt in Kiel wohnende Deutsche war wegen schwerer räuberischer Erpressung und versuchten Mordes angeklagt.
  • Er hatte zwischen 2011 und 2019 drei Hamburger Banken überfallen und dabei etwa 25.000 Euro erbeutet.
  • Bei einem der Raubzüge im Januar 2017 hatte er den Haspa-Mitarbeiter Lars Krause durch einen Bauchschuss lebensgefährlich verletzt.

Richterin nennt den Prozess "tragisch"

Der Prozess sei in gewisser Weise "tragisch", sagte die Vorsitzende Richterin, weil offensichtlich sei, dass der Angeklagte während des Verfahrens "nicht erreicht" worden sei. Er habe weiterhin seine eigene Moral, nach der er überzeugt sei, er dürfe Banken überfallen. "Von Reue haben wir hier nichts gehört."

Zudem lebe der Angeklagte in der Vergangenheit und habe "einen Realitätsverlust erlitten", weil er meinte, die Bankangestellten hätten teilweise "selbst schuld", dass sie zum Opfer wurden.

Haspa-Opfer freut sich über das Urteil

Krause nahm das Urteil gleichwohl mit Erleichterung auf: "Ich freue mich, dass die Richterin und die Staatsanwaltschaft so nah beieinander liegen. Ein weiterer Schritt ist getan. Schluss ist aber erst, wenn keine Revision, bzw. Berufung zugelassen wird." Rachegefühle habe er nie gehegt, nur immer wieder eine Frage gestellt: "Warum? Warum hat der Räuber geschossen?"

Die Tat hatte der "Donnerstagsräuber" während des Prozesses gestanden, eine Tötungsabsicht aber bestritten. Der Staatsanwalt hatte eine Haftstrafe von zwölf Jahren und zehn Monaten gefordert und anschließende Sicherungsverwahrung beantragt.

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Gericht entzog Donnerstagsräuber das Wort

Michael J. hatte sich während des 16 Verhandlungstage dauernden Prozesses immer wieder auf außergewöhnliche Weise produziert und sich vor allem wegen früherer gewonnener Verfassungsbeschwerden gerühmt.

Sein "letztes Wort" hatte fünf Verhandlungstage gedauert – bis das Gericht ihm schließlich das Wort entzog. Ein vergleichbares Prozedere hat es zuvor bundesweit wohl noch nicht gegeben.