Hamburg

Donnerstagsräuber nutzt sein "letztes Wort" vor Gericht

Der Donnerstagsräuber vor Beginn einer der Verhandlungen im Hamburger Landgericht (Archivfoto).

Der Donnerstagsräuber vor Beginn einer der Verhandlungen im Hamburger Landgericht (Archivfoto).

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Der 71-Jährige, der fast einen Haspa-Angestellten getötet hätte, verlas jahrzehntealte Akten. Das sagte die Richterin dazu.

Hamburg. Im Prozess gegen den Bankräuber, der seit 50 Jahren Verbrechen begeht und fast einen Haspa-Angestellten tötete, hat der 71-Jährige vor dem Hamburger Landgericht einen dritten Verhandlungstag für sein letztes Wort genutzt. Der Angeklagte stellte am Freitag einen Antrag, in dem er die Erlaubnis zur vollständigen Verlesung zweier Urteile des Bundesverfassungsgerichts aus den 90er-Jahren forderte.

Nach einer Beratung der Strafkammer erklärte die Vorsitzende Richterin: „Verlesen Sie, was Sie verlesen wollen!“ Der 71-Jährige, der in den 1980er-Jahren den Spitznamen Donnerstagsräuber erhielt, weil er stets am Donnerstag kurz vor Ladenschluss zuschlug, arbeitete sich anschließend Seite um Seite durch die jahrzehntealte Akten.

Donnerstagsräuber erbeutete etwa 25.000 Euro

Das Karlsruher Gericht hatte ihm damals in zwei Beschwerden gegen Disziplinarmaßnahmen im bayerischen Gefängnis von Straubing Recht gegeben. Die aktuelle Anklage spielte bei den stundenlangen Ausführungen nur am Rande eine Rolle.

Ein Besuch beim Donnerstagsräuber

Die Staatsanwaltschaft wirft dem bis zu seiner Verhaftung in Kiel wohnenden Deutschen schweren Raub und versuchten Mord vor. Ihm werden drei Banküberfälle zwischen 2011 und 2019 mit insgesamt etwa 25.000 Euro Beute zur Last gelegt. Zudem hatte er bei einem der Überfälle einem Mitarbeiter der Haspa in den Bauch geschossen. Der damals 45-Jährige überlebte nur dank einer Notoperation. Der Angeklagte hat die Taten gestanden, eine Tötungsabsicht aber bestritten. Der Staatsanwalt hat eine Haftstrafe von zwölf Jahren und zehn Monaten gefordert und anschließende Sicherungsverwahrung beantragt.