Hamburg

Katz-und-Maus-Spiel mit Bauwagen - Politiker enttäuscht

Foto: Klaus Bodig

Zomia-Bewohner besetzen spontan Platz an der Schützenstraße in Bahrenfeld. Polizei sorgt für Räumung. Politiker reagieren enttäuscht.

Bahrenfeld. Es war ein überraschender Alleingang der Bewohner des Zomia-Bauwagenplatzes: Einen Tag bevor die Frist ablief, ihren Platz in Wilhelmsburg zu verlassen, um auf die vom Bezirk Altona angebotene Fläche am Holstenkamp umzuziehen, besetzten die Zomia-Bewohner gestern spontan ein anderes Grundstück in Bahrenfeld. Sehr zum Unmut der Politik und des Bezirksamts Altona, das bereits am Nachmittag Konsequenzen zog. Nachdem die Wagenbewohner dem Ultimatum der Verwaltung, bis 16 Uhr abzuziehen, nicht nachgekommen waren, rückte eine Hundertschaft der Polizei an, um den Platz an der Ecke Schützenstraße/Leverkusenstraße zu räumen. Doch die Zomia-Leute verließen das Grundstück freiwillig, anschließend zogen rund 300 Demonstranten - darunter auch Autonome - in einem Protestzug Richtung Bahnhof Sternschanze.

Zomia-Bauwagen-Demo in der Schanze friedlich aufgelöst

Für viele Politiker ist das Verhalten der Bauwagenbewohner nicht nachvollziehbar. "Es ist sehr bedauerlich, dass Zomia auf das großzügige Angebot des Bezirksamts Altona mit einer illegalen Besetzung geantwortet hat", sagte Andreas Dressel, Vorsitzender der SPD-Bürgerschaftsfraktion. Diese Meinung teilt auch Thomas Adrian, Fraktionschef der Altonaer SPD-Fraktion. "Wir sind sehr enttäuscht über dieses Verhalten. Das war gegen alle Absprachen." Noch am Dienstagabend habe er mit Zomia-Bewohnern telefoniert und bestätigt, dass das Angebot am Holstenkamp stehe. "Jetzt hat sich die Gruppe allerdings kontraproduktiv und nicht klug verhalten." Das Vertrauen zu den Wagenbewohnern sei nun stark infrage gestellt.

Gegen 11 Uhr waren Bewohner des Zomia-Bauwagenplatzes in Wilhelmsburg und Unterstützer aus der Bauwagenszene mit zwölf Wagen spontan auf das mitten im Wohngebiet liegende Grundstück in Bahrenfeld gefahren. "Häuser und Plätze denen, die sie bewohnen. Besetzungen legalisieren" stand auf einem Spruchband, das sie an den Zaun vor der brachliegenden Fläche anbrachten. Parallel hielten die übrigen Zomia-Bewohner mit acht Wagen weiter die Stellung auf dem Platz in Wilhelmsburg, der kurz vor der Räumung steht. Bis heute Mittag hatten die Zomia-Leute ursprünglich Zeit, auf die Fläche am Holstenkamp umzuziehen. "Aber der Platz am Holstenkamp ist ungeeignet", sagte Bauwagenbewohnerin Annika gestern Mittag. Deshalb habe sich die Gruppe entschieden, auf die Fläche an der Schützenstraße zu ziehen. "Diesen Platz haben wir dem Bezirksamt Altona bereits vorgeschlagen", sagte die 32-Jährige. Die Politik habe signalisiert, dass diese Fläche durchaus vorstellbar und interessant sei.

Ein Trugschluss, wie sich wenig später herausstellte. Nur sechs Stunden nach der Besetzung des Grundstücks räumen die Wagenbewohner das Feld wieder - bevor 100 Bereitschaftspolizisten dafür gesorgt hätten.

Zu Ausschreitungen kam es auch bei der anschließenden Demonstration nicht, die für erhebliche Verkehrsbehinderungen in der Stadt sorgte. Der Protestzug führte von der Schützenstraße über die Stresemannstraße und Altonaer Straße bis zum Bahnhof Sternschanze, wo es eine Abschlusskundgebung gab. "Der Bezirk Altona hat uns heute gezeigt, wie er auf uns zugeht", sagte der Redner und forderte die Bezirke Mitte und Altona auf, alle Räumungsgebote zurückzuziehen. Gegen 19 Uhr wurde die Demonstration schließlich friedlich beendet. Die Bauwagen, die im Protestzug mitgefahren waren, wurden von der Polizei einzeln entlassen, damit diese nicht im Verband losfahren konnten.

Unterdessen hat die Hamburger Finanzbehörde als Grundeigentümer der kurzfristig besetzten Fläche Strafantrag gestellt. "Das Grundstück ist für die Ansiedlung einer Firma als Wirtschaftsförderungsfall disponiert", teilte Kerstin Godenschwege, Sprecherin des Altonaer Bezirksamts, gestern mit. Zwar könnten die Zomia-Bauwagenbewohner auf der Fläche an der Schützenstraße nicht geduldet werden. "Aber gleichzeitig hat das Bezirksamt das Angebot erneuert, dass sie nun unmittelbar die angebotene Fläche im Holstenkamp beziehen können", sagte Godenschwege.

Darauf werden sich die Zomia-Bewohner aber mit großer Wahrscheinlichkeit nicht einlassen. Zumindest betonten sie auch gestern immer wieder, dass dieser Platz für sie nicht infrage kommt. Und auch auf ihrem bisherigen Platz am Ernst-August-Kanal sind sie unerwünscht. "Die Wagenbewohner müssen dort weg", sagte Markus Schreiber (SPD), Chef des Bezirksamts Mitte, erneut. "Ich glaube, sie haben sich inzwischen alle Sympathien verscherzt."