Drogen in Hamburg

Ecstasy in gestohlener Wodka-Flasche: Ein fast tödlicher Irrtum

Zwei 21- und 22-Jährige Hamburg-Touristen fielen ins Koma, als sie aus einer gestohlenen Wodkaflasche tranken, in der Drogen waren.

Neustadt. Sie fanden eine Schnapsflasche in einem herrenlosen Trolley zwischen alter Kleidung und verdorbenem Essen. Als sie aus der Flasche tranken, fielen sie ins Koma: Zwei jungen Hamburg-Touristen, Jugendlichen aus Schweinfurt, wäre ihr Leichtsinn beinahe zum tödlichen Verhängnis geworden. In der Flasche war kein Wodka, wie von den 21- und 22-Jährigen vermutet, sondern das Lösungsmittel Gamma-Butyrolacton (GBL), das als Partydroge zweifelhaften Ruhm erlangt hat. Erst am Morgen wachten beide Männer wieder auf - auf der Intensivstation. Sie sind nach wie vor nicht vernehmungsfähig.

Zusammen mit einem Freund hatten die unterfränkischen Touristen im Rockklub Logo an der Grindelallee gefeiert und sich neben mehreren Flaschen Bier auch eine Flasche Whisky geteilt. Nach Mitternacht fuhren sie per Bus in Richtung Innenstadt und stiegen am Gänsemarkt wieder aus. Sie planten offenbar, von dort ins Schanzenviertel zu gehen. Auf dem Gänsemarkt entdeckten die drei den herrenlosen Reisetrolley, den sie zunächst ohne weitere Hintergedanken hinter sich herschleiften. An der Neustädter Straße öffneten sie den Rollkoffer und fanden, neben alten Kleidungsstücken und jeder Menge verdorbener Lebensmittel die 0,7 Liter fassende Wodkaflasche. Sie nahmen die Flasche mit, ließen den Koffer und den restlichen Inhalt am Eingang zur Rudolf-Roß-Gesamtschule liegen.

Auf dem Weg zum Schulterblatt übermannte Manuel W. und Markus F. schließlich der Alkoholdurst. Sie öffneten die Flasche an einer Bushaltestelle am Holstenwall und nahmen kräftige Züge. Die Wirkung des Lösungsmittels, das in Partykreisen ausschließlich in Milliliterdosen konsumiert wird, war in dieser Menge niederschmetternd. Der 21-Jährige sackte unvermittelt zusammen, stürzte auf den Boden. Sein 22 Jahre alter Freund konnte noch die Polizei anrufen, dann fiel auch ihm das Handy aus der Hand, und er verlor das Bewusstsein. Der Dritte im Bunde, der nichts getrunken hatte, rief den Rettungsdienst.

Als der Notarzt an der Unfallstelle eintraf, war ihr Zustand bereits so kritisch, dass der Mediziner einen Kollegen zur Unterstützung anforderte: Beide Männer erbrachen sich und drohten an ihrem Erbrochenen zu ersticken, deshalb mussten sie beatmet werden.

Die Komapatienten wurden auf die Intensivstationen des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) und der Asklepios-Klinik St. Georg gebracht. Erst am Morgen konnte Entwarnung gegeben werden. Markus F., der 21-Jährige, der erst im August die Berufsoberschule beendet hatte, kam gegen 6 Uhr wieder zu Bewusstsein. Manuel W. erwachte wenig später. Beide sollen aber noch einige Tage zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben.

Wie die Ermittlungen der Polizei ergaben, gehört der Koffer einem 26 Jahre alten Obdachlosen, der den Beamten bereits als GBL-Konsument bekannt ist und zuletzt im Männerwohnheim Pik As an der Neustädter Straße wohnte. Er ist bereits stark abhängig. Wie das Abendblatt erfuhr, ist er bereits mehrfach wegen "eigengefährdender Intoxikation" mit dem Lösungsmittel GBL aufgefallen. Das Mittel wird meist über des Internet aus den Niederlanden bezogen. Auf welchem Weg der Obdachlose an die Droge gelangte, ist bislang nicht bekannt. Erst im Januar war der 26-Jährige in eine psychiatrische Anstalt überwiesen worden. Anfang September verschwand er ohne Abmeldung aus dem Pik As. Nach ihm wird jetzt gefahndet. Die Polizei leitete ein Verfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung ein.