Moschee in Hamburg durchsucht

Razzia bei Milli Görüs - es geht um 10 Mio Euro

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Denis Fengler

Bundesweit stellten Ermittler Material in 26 Büros und Wohnungen sicher, allein in Nordrhein-Westfalen wurden 12 Objekte durchsucht.

Hamburg. Nach Ermittlungen der Kölner Staatsanwaltschaft sind gestern Morgen bundesweit Räume und Büros der laut Verfassungsschutz größten islamistischen Vereinigung in Deutschland, Milli Görüs, durchsucht worden. In Hamburg klopften die Ermittler an die Türen der Centrum-Moschee in St. Georg und beschlagnahmten umfangreiches Beweismaterial.

Hintergrund der Aktion gegen die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG), die seit Jahren bereits vom Verfassungsschutz beobachtet wird, sei der Verdacht auf Spendenbetrug, sagte Oberstaatsanwalt Günther Feld, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Köln. Den Verantwortlichen der Gemeinschaft wird vorgeworfen, in größerem Umfang Spendengeld ihrer Mitglieder zweckwidrig verwendet zu haben. Außerdem sollen sie den Sozialkassen Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung vorenthalten haben. In Nordrhein-Westfalen durchsuchten die Ermittler zwölf Objekte, bundesweit weitere 14, neben Hamburg auch in Berlin, Frankfurt am Main und München. Mit weiteren Details hielt sich die Kölner Staatsanwaltschaft allerdings mit dem Hinweis auf die laufenden Ermittlungen zurück.

Der Verein selbst kritisierte die Durchsuchungen auf seiner Homepage als "verzweifelten Versuch, die IGMG zu kriminalisieren", so Generalsekretär Oðuz Üçüncü. "Auch die aktuelle Aktion wird nichts daran ändern, dass sich die Vorwürfe gegen die islamische Religionsgemeinschaft IGMG als haltlos erweisen werden." Mit der medial begleiteten Aktion werde einer Stigmatisierung der Muslime im Allgemeinen und Milli Görüs im Besonderen Vorschub geleistet, sagte Üçüncü.

Die IGMG wurde 1985 in Köln gegründet und zählt neuesten Schätzungen zufolge rund 27.500 Mitglieder. Sie ist damit die größte islamische Organisation in Deutschland. Der Sitz der Europa- und Deutschland-Zentrale ist in Kerpen (Nordrhein-Westfalen). In Hamburg wird Milli Görüs vom Verein Bündnis der Islamischen Gemeinden in Norddeutschland (BIG) repräsentiert, dem insgesamt 17 norddeutsche Moscheevereine angehören. Dem BIG sind in Hamburg laut Verfassungsschutz etwa 1600 Mitglieder zuzurechnen.

Die Vereinigung hat ihre ideologischen Wurzeln im Gedankengut der vom ehemaligen türkischen Ministerpräsidenten initiierten Milli-Görüs-Bewegung. In der Türkei strebt sie die Überwindung der Trennung von Religion und Staat an. Ziel ist eine weltweite, islamistisch geprägte Staats- und Gesellschaftsordnung.

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