Persönlich

Hunderte Hamburger sind für einen Abend "LebensKünstler"

Erlös der Kunstauktion hilft Erforschung der Krankheit NCL. Wer sich vorher telefonisch anmeldet, darf bei der Auktion mitsteigern.

Neustadt. Vor zehn Jahren hat Frank Husemann, 46, die NCL-Stiftung ins Leben gerufen. Aus persönlicher Betroffenheit: "Mein Sohn Tim erblindete mit sechs Jahren. Mit 16 Jahren ist er heute an den Rollstuhl gebunden. Er hat seine Sprache verloren, seine Denkfähigkeit und sein selbstständiges Handeln." Husemann, der in Hamburg für einen international tätigen Anlagenbauer der Energiewirtschaft arbeitet, weiß: "Vor Tim liegen weitere zehn Jahre, bis die tödliche Krankheit NCL den Kampf gewinnt. Es ist schwierig und tut irrsinnig weh, wenn man sieht, wie andere Kinder sich entwickeln und wie er an vielen normalen Dingen scheitert."

NCL steht für Neuronale Ceroid-Lipofuszinose. Das ist eine extrem seltene Stoffwechselkrankheit, die überwiegend im Kindesalter auftritt, regelmäßig zum frühen Tod führt und noch untherapierbar ist. Es fehlt aufgrund eines Gen-Defekts ein wichtiges Strukturprotein, sodass Schadstoffe nicht aus den Nervenzellen abtransportiert werden können - sie sterben langsam ab. Nur etwa 350 bis 400 Fälle sind in Deutschland bekannt, 50 000 Fälle, so schätzt man, sind es weltweit. Zu wenige für die Pharmaindustrie, um groß in die Suche nach einer wirksamen Therapie zu investieren. Deshalb setzt der Hamburger Frank Husemann auf die private Initiative der Stiftung.

31 Kunstwerke - Fotografien sowie Linolschnitte, Collagen und Gemälde - sollen helfen, die Erforschung dieser tückischen, tödlichen Krankheit zu beschleunigen. Anna Prahm, Projektmanagerin der Stiftung, hat die Benefiz-Auktion "LebensKünstler" organisiert, bei der heute von 19 Uhr an im Marriott-Hotel an der ABC-Straße jeder mitsteigern kann, der sich vorher telefonisch angemeldet hat (Telefon 040-69 66 67 40). Als Auktionatorin tritt die Kunstexpertin Christiane Gräfin zu Rantzau, Chairman von Christie's Deutschland, in Aktion. Diese Benefiz-Auktion findet bereits zum sechsten Mal statt; im vergangenen Jahr hat LebensKünstler 37 000 Euro erbracht. Unter den Künstlern sind bekannte Namen: Joseph Beuys, John Bock, Udo Lindenberg, Ursu Unbehaun, Iris Schelchen, Frank Bürmann, Rebecca Hoppé. Armin Müller-Stahl ist gleich zweimal präsent: als Schöpfer einer humorigen Lithografie und als Motiv einer Fotografie von Roger Fritz. Die Künstler selbst, aber auch Galerien und Sammler, haben Werke für den guten Zweck zur Verfügung gestellt; die Schätzpreise reichen von 250 bis 6000 Euro.

Der Erlös der LebensKünstler-Auktion soll einfließen in einen mit 100 000 Euro dotierten NCL-Forschungspreis, der eine Post-Doktorandenstelle finanziert. Weil NCL so selten ist, wird die Krankheit oft erst gar nicht erkannt oder sogar falsch therapiert. Die Stiftung arbeitet daran, die Forschung voranzubringen; sie unterstützt schon ein Dutzend junge Wissenschaftler verschiedener Disziplinen, die die unheimliche Bedrohung untersuchen. Husemanns großes Ziel: Ärzte aufzuklären und NCL heilbar zu machen.

120 Kunstfreunde haben sich bereits zur Auktion angemeldet, unter ihnen Kunstexpertin Jenny Falckenberg, Tochter des bedeutenden Hamburger Sammlers Harald Falckenberg, der Künstler Serge-Marcel Martinot, Ex-Senatorin Herlind Gundelach und Christine Gräfin Adelmann.