Senat Hamburg

Karen Pein: Und plötzlich steht sie im Rampenlicht

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Großes mediales Interesse: Karen Pein gab am Mittwoch im Zollhafen auf der Veddel viele Interviews.

Großes mediales Interesse: Karen Pein gab am Mittwoch im Zollhafen auf der Veddel viele Interviews.

Foto: Roland Magunia/Funke Foto Services

Die SPD-Politikerin soll Hamburgs neue Stadtentwicklungssenatorin werden. Am Mittwoch wehrt sie Fragen dazu noch ab.

Hamburg. Karen Pein hat die Aufmerksamkeit für sich allein, anders als angekündigt. Eigentlich sollte neben der designierten Stadtentwicklungssenatorin auch die noch amtierende Behördenchefin Dorothee Stapelfeldt (SPD) auftreten an diesem Mittwochvormittag im schwimmenden IBA-Dock am Zollhafen auf der Veddel – doch die 66-Jährige sagte ab. Ob sie Fragen zu ihrem Rücktritt und zu Baustellen in der Stadtentwicklungspolitik umgehen wollte, bleibt unklar.

Es habe wohl „Kapazitätsengpässe“ gegeben; Stapelfeldt müsse schließlich eine Übergabe organisieren, ihren Kalender umplanen, um noch das „wirklich Wichtige fertigzumachen“, mutmaßt Karen Pein. Die 49-Jährige leitet bislang die städtische Entwicklungsgesellschaft IBA.

Pein wehrt zahlreiche Fragen freundlich ab

Nun steht sie im Scheinwerferlicht vor einem Halbkreis aus Kameras und Medienvertretern – und wehrt alle Fragen zu ihren künftigen Aufgaben ab, freundlich, aber bestimmt. Wie es mit dem Bündnis für das Wohnen weitergehen könnte? „Ich habe schon gesagt, dass mir die Partner wichtig sind.“

Wie das Ziel des rot-grünen Senats, auch künftig 10.000 neue Wohnungen pro Jahr zu bauen, zu schaffen sein soll, obwohl schon 2021 nur noch 7461 Wohnungen fertiggestellt wurden – und nun steigende Baupreise, Fachkräftemangel und Energiekrise alles noch schwerer machen? Pein lächelt. Sie werde sich ab dem 15. Dezember äußern, wenn die Bürgerschaft über die Senatsumbildung abgestimmt habe. „Heute reden wir über Oberbillwerder.“

Quartier Oberbillwerder: 6000 bis 7000 neue Wohnungen

Das Vorzeigeprojekt, Hamburgs geplanter 105. Stadtteil. Es soll ein Quartier mit „höchsten Ansprüchen an den Klimaschutz“ und an Klimaanpassung sein, wie Pein sagt. 2016 hatte der Senat den Masterplan für die Bebauung auf den Wiesen nördlich der S-Bahn-Station Allermöhe verabschiedet. Im vergangenen Jahr wurde der Plan aktualisiert; das grundlegende Konzept blieb aber erhalten – und auch die wichtigsten Kennzahlen seien unverändert, sagt Pein am Mittwoch.

Auf einer Fläche von 118 Hektar sollen 6000 bis 7000 Wohnungen, 4000 bis 5000 Arbeitsplätze, vier Schulen, Kitas und ein neuer Campus der Hochschule für Angewandte Wissenschaften entstehen. Voraussichtlich von 2024 an könnten die Erschließungsarbeiten beginnen, von 2027 an die ersten Häuser gebaut werden. Der Stadtteil soll komplett mit Wärme aus erneuerbaren Energien versorgt werden.

Der nun vorgelegte erste Funktionsplan – eine detaillierte Prüfung der „Qualitätsversprechen“ aus dem Masterplan – zeige, dass die avisierten Ziele erreichbar seien, sagt Pein. Dazu zählt, dass Oberbillwerder gut mit wahrscheinlich zunehmenden Hitzewellen und Starkregen zurechtkommen soll. Wenn dort wieder so viel Niederschlag fiele wie zu Himmelfahrt 2018 in Lohbrügge, als ganze Straßenzüge überschwemmt wurden, oder wenn gar mehr Regen niedergehe, soll insbesondere der „Grüne Loop“ helfen – so nennt die IBA einen geplanten ringförmigen Park inmitten des Quartiers.

„Es soll ein wirklich abwechslungsreicher Stadtteil sein“

Dieser Grünzug wird nicht nur die vier Schulen miteinander verbinden sowie Sport- und Erholungsplätze bieten, sondern er soll auch wie ein riesiger Schwamm wirken und mehr als 63.000 Kubikmeter Wasser aufnehmen können, die später verdunsten, erläutert Pein. Nur ein geringer Teil des aufgenommenen Wassers sollte in den nördlichen Bahndamm fließen. Neben dem Park sollen grüne Dächer Regen speichern. Im Sommer sollen Grünflächen und Gewässer im Quartier für Kühlung sorgen.

Ein weiteres Versprechen aus dem Masterplan: „Es soll ein wirklich abwechslungsreicher Stadtteil sein“, sagt Pein. Deshalb werde etwa das Höhenspiel der Gebäude variieren. Und: „Alle 20 Häuser muss das Fassadenmaterial wechseln, um hier zu Vielfalt zu kommen, aber nicht beliebig zu werden.“

Maximal 4000 Parkplätze für bis zu 7000 Wohnungen

Der Stadtteil wird sich in fünf Teile gliedern. Im Zentrum soll das Bahnquartier entstehen, mit einer vergleichsweise dichten Bebauung, darunter Mehrfamilienhäuser. Im Blauen Quartier sind Reihenhäuser mit wasserleitenden Kanälen geplant. Im Gartenquartier im Norden sollen niedrigere Gebäude entstehen, im Osten geplant ist das Grüne Quartier. Dort soll ein „Aktivitätspark“ mit Sportangeboten entstehen. Weiter östlich gebaut werden soll das Parkquartier mit Kleingärten.

Im öffentlichen Raum von Oberbillwerder soll es keine Parkplätze für Autos geben, sondern Hochgaragen. „Diese Festlegung bedeutet nicht, dass das Auto verpönt ist“, sagt Pein. Insgesamt seien maximal 5000 Stellplätze vorgesehen, davon knapp 4000 für das Wohnen. Die Herausforderung sei, alternative Mobilitätsangebote – vom Fahrrad über den ÖPNV bis zum Carsharing – so attraktiv zu machen, dass die Zahl der Stellplätze nicht voll ausgeschöpft werden müsse, so Pein. „Die Verkehrswende wird maximal davon abhängen, ob es uns gelingt, das Thema Carsharing voranzubringen“, sagt sie. Oberbillwerder müsse „schon ein eher autoarmer Stadtteil werden“.