Gastbeitrag

Klimaneutral und kostengünstig – so heizt Hamburg morgen

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Dominik Lorenzen und Johannes Müller
Grünen-Politiker Johannes Müller.

Grünen-Politiker Johannes Müller.

Foto: Grüne Hamburg

Grünen-Politiker Dominik Lorenzen und Johannes Müller erklären, was der Weg zu einer bezahlbaren Energiewende sein könnte.

Hamburg. „Winter is coming“, die Temperaturen fallen. Gerade jetzt schätzen wir ein mollig warmes Wohnzimmer. Doch: Erdgas, Öl und Kohle heizen nicht nur unsere Wohnungen, sondern auch das Klima. Deshalb: Klimaneutral Heizen und das auch noch unabhängig vom Geldbeutel - geht das? Ja, wenn wir wollen, geht das!

Wissenschaftler*innen der Fraunhofer Gesellschaft oder von “AGORA Energiewende” (eine Denkfabrik zur Energiewende, d. Red.) zeigen uns wie: Dicht besiedelte Stadtteile in Nähe energieintensiver Großindustrie werden am sinnvollsten mittels Fernwärmenetz versorgt. Deshalb arbeitet Hamburg mit Hochdruck daran, die Fernwärmeerzeuger Kohle und Erdgas zu ersetzen – durch erneuerbare Industrieabwärme, Großwärmepumpen und Überschusswindstrom. Das sorgt auch für stabile Preise.

Erneuerbare Energie als Strom geliefert

Wichtig hier: Je mehr Gebäude sich innerhalb des Netzgebietes an die Fernwärme anschließen, desto günstiger wird es für alle Kund*innen. „Aber das Wärmenetz deckt ja nicht ganz Hamburg ab?“ – richtig. Gerade dort, wo die Gebäude zu weit für ein separates Wärmenetz voneinander entfernt stehen, liefern wir erneuerbare Energie zunächst als Strom an die Haushalte.

Vor Ort erzeugt eine Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde (kWh) erneuerbarem Strom drei bis vier kWh erneuerbare Wärme, indem sie zusätzlich Umgebungswärme aus Luft oder Boden zieht. Und die verfügbaren Anlagen werden Jahr für Jahr noch effizienter.

Wärmepumpe wird Heiztechnologie Nummer eins

Fraunhofer und AGORA sind sich einig: Die Wärmepumpe wird Heiztechnologie Nummer eins. Selbst unsanierte Altbauten (mit speziellen „Niedertemperatur”-Heizkörpern) oder große Mehrfamilienhäuser können damit beheizt werden. Und das heute schon zu geringeren Betriebskosten als ein Erdgaskessel.

Während Erdgas durch Lieferrisiken aus Russland und den CO2-Preis immer unattraktiver wird, werden Wärmepumpen durch die im Ampel-Sondierungspapier verhandelte Streichung der EEG-Umlage auf Strom und effizientere Anlagen immer besser werden. Mehr Klimaschutz bedeutet hier also weniger Kosten!

Klima: Forderung nach Investment in Zukunft

Wenn aber das Preisargument entfällt, muss die Neuinstallation von Erdgas- und Ölheizungen jetzt ein Ende haben. Gerade auch weil Mieter*innen über die Mietnebenkosten unfairerweise die Heizkosten alleine tragen müssen, ohne entscheiden zu können, welche Heizung verbaut wird, sind langfristig niedrige Betriebskosten wichtig.

Hören wir also auf der Vergangenheit hinterherzutrauern und investieren wir in die Zukunft! Denn um eine Restchance zu haben, die 1,5 Grad-Klimaerhitzung noch zu halten, müssen wir allerspätestens 2040 klimaneutral sein. Heute nutzen noch über 75 Prozent der Wohngebäude fossiles Erdgas und -Öl. Da Heizungen eine Lebensdauer von 20 bis 25 Jahren haben, müssen wir besser gestern als morgen beginnen, den fossilen Heizungsbestand gegen erneuerbar-fähige Hausanschlüsse zu ersetzen.

Hamburger Klimaschutzgesetz muss Ziel verankern

Damit erneuerbare Wärme schnell zum Standard wird, braucht es auch ein technologieneutrales Ordnungsrecht: Im Hamburger Klimaschutzgesetz muss das Ziel, aber nicht der exakte Weg dorthin verankert werden. Der Mindestanteil erneuerbarer Energie, den jede neue (!) Anlage bei ohnehin stattfindendem Heizungstausch haben muss, muss deshalb zeitnah auf 30 Prozent und dann stufenweise weiter erhöht werden. Diesen Schritt durch verbesserte Investitionsförderung zu erleichtern, ist sinnvoll.

Wir wollen also keine bestimmte Heiztechnologie vorschreiben und trotzdem als Politik konkrete Lösungen benennen, mit denen dieses Ziel erreicht werden kann. Wärmepumpen und Fernwärme sind zwei starke und preiswerte Optionen für erneuerbare Wärme.

Klima: Hamburg braucht Innovationen

Das ist kein Widerspruch: Denn Innovation und Lösungen konkret – und nicht nur als Worthülse – zu diskutieren, ist das, was Deutschland dringend braucht. Sozial gerechter und preiswerter Klimaschutz – mit Wärmepumpe und Fernwärme geht das! Die Erdgastherme hat ökologisch wie finanziell ausgedient. Nehmen wir das Ziel klar in den Blick: Ein warmes Wohnzimmer, dass sich jede*r leisten kann – klimaneutral.