Jubiläum

Wie die Bürgerschaft ihren 75. Geburtstag feiert

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Andreas Dey
Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit mit einem Jubiläumsplakat.

Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit mit einem Jubiläumsplakat.

Foto: Hamburgische Bürgerschaft/Helene Heise

Eine große Feier wird es nicht geben – aber alle Hamburger bekommen Post. Carola Veit (SPD) blickt auf die lange Geschichte zurück.

Hamburg.  Das Hamburger Rathaus weist bekanntlich eine Besonderheit auf, die es so in keinem anderem Bundesland gibt: Es ist nicht nur Sitz der Landesregierung – des Senats –, sondern auch des Parlaments – der Bürgerschaft. Wenn alle Hamburgerinnen und Hamburger in diesen Tagen Post von „Ihrer“ Bürgerschaft erhalten, werden sie plakativ daran erinnert: Auf dem blauen Flyer ist eine Hand zu sehen, die – stellvertretend für die Einwohner der Stadt – das Rathaus „trägt“, über dem wiederum vier bunte Striche darauf hinweisen, wo in dem Prachtbau die Repräsentanten der Bürger sitzen – links vom Turm.

Dass 1,2 Millionen dieser Flyer von diesem Freitag an an alle Haushalte verschickt werden, hat einen guten Grund: Die Bürgerschaft hat Geburtstag, sie wird 75 Jahre alt. Am 30. Oktober 1946 waren die Parlamentarier erstmals nach dem Krieg zusammengetreten. „Nie zuvor konnten wir so eine lange Zeitspanne in Frieden, Freiheit und Demokratie leben“, sagte Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (SPD) am Donnerstag – voller Überzeugung, dass das Parlament seinen Teil dazu beigetragen hat.

Parlament: Veit blickt auf Geschichte zurück

Eine neue Verfassung, etliche Regierungswechsel, das Aufkommen neuer Parteien wie GAL, Schill, Linke oder AfD, Einführung von Volksentscheiden, kleinere und größere Skandale wie die um die Elbphilharmonie und die HSH Nordbank – Anlässe für deftige Auseinandersetzungen hatten die Parlamentarier über mehr als sieben Jahrzehnte reichlich. Doch stets hätten die Stadt und ihr Parlament sich dabei als stabile Demokratie erwiesen, blickt Veit zurück.

Das sei eigentlich ein Grund zum Feiern. Doch eine Tour durch alle Bezirke oder ein großer Empfang im Rathaus sei unter Corona-Bedingungen kaum durchführbar. Daher wendet sich die Bürgerschaft unter anderem schriftlich an alle Hamburger. „Wir diskutieren leidenschaftlich, aber fair die Themen, die unsere Stadt bewegen“, heißt es in dem Flyer, der einige spannende Zahlen liefert: So waren nur 1251 Hamburgerinnen und Hamburger seit 1946 Abgeordnete der Bürgerschaft. Sie haben in dieser Zeit 1905 Plenarsitzung absolviert, die auf mehr als 105.000 Seiten protokolliert wurden. 2377 Gesetze wurden erlassen und rund 500.000 Gäste empfangen.

Bürgerschaft wendet sich mit Videos an Hamburger

Mit weiteren Informationen, Videos und Quizfragen werden sich die Parlamentarier in den kommenden Wochen über Social-Media-Kanäle an die Bürger wenden. Auf der Internetseite www.hamburgische-buergerschaft.de ist zudem eine sehens- und lesenswerte Zeitleiste eingerichtet, die in Text und Bild auf Schlaglichter der Geschichte Hamburgs und seines Parlaments zurückblickt – vom Konflikt um die Hafenstraße über den Boehringer-Dioxin-Skandal bis zur aktuellen Corona-Pandemie.

Die hat übrigens eine weitere Besonderheit mit sich gebracht: Seit nunmehr eineinhalb Jahren tagt die Bürgerschaft nicht in ihrem Plenarsaal, sondern mit viel Abstand im Festsaal des Rathauses. Auch das wird sie überstehen.